Mittwoch, 11. Dezember 2019

Abenteuerreisen mit dem Van #vanlife: Vom Hype zum Dauertrend

#vanlife: Reisen mit dem Bulli
Paul Nitzschke/passport-diary.com/dpa-tmn

Der Instagram-Hype #vanlife macht schnödes Camping wieder modern. Aussteiger Paul Nitzschke erklärt, welches Lebensgefühl dahinter steckt.

Ein einsamer Bulli auf der Landstraße im Nirgendwo, auf dem Dach ein Surfbrett. Ein süßer Hund, der durch die Heckklappe in die Wildnis lugt. Die Bikini-Schönheit, die am Strand vor ihrem nostalgischen VW-Bus in Yoga-Pose zusieht, wie die Sonne im Meer versinkt. Bald fünf Millionen Bilder sind unter dem Stichwort #vanlife auf Instagram zu finden - die meisten sorgfältig inszeniert.

Das Leben im Van und noch mehr das Reisen mit dem Bulli ist zum Lifestyle-Trend geworden. Paul Nitzschke, der wohl erfolgreichste deutsche "Vanlifer", weiß, was diese Form des Reisens ausmacht und wie Anfänger das Lebensgefühl Vanlife im Urlaub erleben können.

Kartoshka hat ihre besten Zeiten hinter sich. Ein Scheinwerfer fehlt, und die frische Spachtelmasse gibt dem dunkelgrünen, auf den Namen Kartoffel getauften UAZ Buchanka einen schäbigen Tarnfarben-Look. Der "Bulli des Ostens" ist Paul Nitzschkes neuestes Projekt.

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Sobald der alte, russische Bus generalüberholt und fertig ausgebaut ist, wird der Blogger einziehen und von Kirgistan in Richtung Mongolei aufbrechen. Nitzschke verdient damit inzwischen seinen Lebensunterhalt. Mit Nutzerzahlen im sechsstelligen Bereich ist sein Blog Passport Diary nach eigenen Angaben Deutschlands größtes Magazin über das Vanlife. Seine E-Books rund um den Camperausbau verkaufen sich gut, auf Instagram folgen ihm 31.000 Menschen.

"Früher bin ich morgens aufgestanden, schnell unter die Dusche gesprungen, habe unterwegs zur Arbeit gefrühstückt. Mein ganzer Tag war voller Hektik", sagt Nitzschke, der vor seinem Leben als digitaler Nomade als Marketingexperte in der Berliner Start-up-Szene gearbeitet hat. "Jetzt nehme ich mir morgens die Zeit, die ich brauche, sitze erstmal mit einem Kaffee in der Sonne. Dieses In-den-Tag-hinein-leben empfinde ich als unglaublich wertvoll."

Beim Vanlife geht es um Entschleunigung. Wenn Nitzschke in seinem alten Mercedes-Bus mit 72 PS den Pamir-Highway in Tadschikistan, die zweithöchste befestigte Fernstraße der Welt, hinaufkriecht, ist Geduld gefragt. Es geht um die Freiheit, jeden Tag aufs Neue zu entscheiden, wo es hingehen soll. Es geht darum, sich einzulassen - auf die Natur, auf fremde Menschen und das Abenteuer abseits ausgetretener Pfade.

Damit bediene das Social-Media-Phänomen eine Reihe aktueller Trends, schreibt das US-Magazin "The New Yorker", das der Bewegung einen langen Artikel widmete. Die Sehnsucht nach Naturverbundenheit, Selbstverwirklichung und Einfachheit, aber auch eine bessere Work-Life-Balance gehören dazu.

"Ich kann den Schlüssel umdrehen, losfahren und überall hinkommen. Das ist ein sehr selbstbestimmtes Reisen", sagt Nitzschke, der am liebsten durch touristisch unerschlossene Länder fährt. "Man ist draußen in der Natur und lässt die Seele baumeln."

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