Samstag, 7. Dezember 2019

Original oder Fälschung? Tricksereien beim Oldtimer-Kauf

Original oder Fälschung? Das ist bei klassischen Autos oft nur vom Gutachter zu ergründen.

Die Oldtimer-Szene ist ein Tummelplatz für Hobbyschrauber, Kfz-Dienstleister, Geldanleger und Händler des kostbaren Garagengolds. Auch Betrüger gehen ihren Machenschaften nach: Sie machen sich mehr Mühe, als nur Papiere zu fälschen. Was Sie wissen sollten.

Berlin - Der Opel Kadett C GT/E ist ein Klassiker. Als gepflegter Youngtimer ist er heute so begehrt wie zu seinen besten Zeiten vor fast 40 Jahren, ähnlich wie der VW Golf GTI. Die große Nachfrage nach Klein- und Sonderserienfahrzeugen sowie die zu erwartenden Gewinnmargen bringen auch Verkäufer auf die Idee, diese auf Basis des jeweiligen Standardmodells umzurüsten - ein Original von damals ist das dann nicht mehr. Vor dem Kauf eines Young- oder Oldtimers sollten Interessenten daher wichtige Kriterien überprüfen, um sich vor Betrug zu schützen.

"Grundsätzlich lassen sich mit mehr oder weniger großem Aufwand nahezu alle Teile eines historischen Fahrzeugs nachbauen", sagt Frank Reichert, der beim ADAC die Klassik-Abteilung leitet. "Ähnlich wie in der Kunst wecken seltene und wertvolle Oldtimer oftmals große Begehrlichkeiten und verleiten zur Fälschung", warnt der ADAC-Experte.

Papiere, Historie, Ersatzteile und ein paar kleine Umbauten - Ansatzpunkte möglichen Betrugs gibt es viele. Ein manipulierter Originalzustand oder das Hochrüsten auf ein Sondermodell sind oft nur durch einen Gutachter nachzuweisen. Um der Sache auf die Spur zu kommen, lohnt die Anfrage bei einem Markenclub, dort bekommt man meist Hilfe angeboten. Auch Rechnungen früherer Reparaturen und Restaurierungen sollten sich Interessenten vom Verkäufer vorlegen lassen.

An der Geschichte gedreht

"Fälschungen gibt es bei Renn- und Rallyefahrzeugen oder richtig seltenen Vorkriegsoldtimern", sagt Norbert Schroeder, Oldtimer-Experte des TÜV Rheinland. "Doch auch bei Youngtimern ist derzeit eine Tendenz zu entdecken." Innerhalb der vor 30 Jahren oder früher gebauten gängigen Serien gibt es gefragte Sondermodelle. "Beim Ford Escort oder Capri war das die RS-Version oder beim Opel der GT/E", sagt Schroeder. "Man kaufe einen Kadett C für 8000 Euro, stecke noch mal 15.000 Euro für Teile hinein und stricke eine Rallye-Geschichte drum herum." So gerüstet könne der Wagen im Verkauf über 30.000 Euro bringen - ohne, dass er diesen Preis wert ist.

Besonders kreativ entpuppen sich die Verkäufer solcher Fälschungn bei der Historie des angepriesenen Fahrzeugs - welcher Prominente es gefahren haben soll oder welches Schicksal sein Vorbesitzer wohl erlitt. Sofern der Oldtimer im frisch restaurierten Zustand und mit neuen Papieren dasteht, wird die Täuschung schwer zu entlarven sein. "Auch historische Prospekte und Fotos von Rallyes werden vorgelegt, die das Auto zeigen. Die Lackierung ist dieselbe wie auf dem Foto, die Sportsitze sind nachträglich eingebaut, und auch die typischen Instrumente sind drin", so Schröder.

"Wir Gutachter sind so sensibel geworden, dass wir immer zuerst einmal alles identifizieren", beschreibt Schroeder seine Arbeit. Dazu gehört nicht nur der Abgleich der Fahrgestellnummern. "Wir eignen uns vorab die Produktkenntnis des entsprechenden Modells an, was sehr aufwendig ist. Ein frisch geschweißter, weil vergrößerter Kardantunnel beim Kadett GT/E beispielsweise kann schon ein erster Hinweis sein". Aus Fälschungen wie solchen einen Trend für den gesamten Oldtimermarkt abzuleiten, wäre aber fälsch, gibt ADAC-Experte Reichert Entwarnung.

Oft sind es nur Außenspiegel, Felgen oder Stoßstangen, die den Unterschied zwischen Serien- und Sondermodell ausmachen. Dann wird es laut TÜV-Gutachter Schröder schwierig, Original von Fälschung zu unterscheiden. "Bei den Herstellern besteht die Möglichkeit, anhand der Fahrgestell- oder Briefnummer den Auslieferungszustand zu erfragen." Viele Nummern könnten auch im Internet recherchiert werden. Wer dort fündig werde, könne eine Dublette schnell entlarven.

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