Donnerstag, 19. September 2019

Teslas Ziel für Auslieferungen im zweiten Quartal wackelt "Elon Musk hat die Gegenwart nicht im Griff"

Elon Musk: Hat der Tesla-Chef wieder zu viel versprochen?
Jae C. Hong/ AP
Elon Musk: Hat der Tesla-Chef wieder zu viel versprochen?

Die Produktion scheint bei Tesla mittlerweile nicht mehr das Problem zu sein. Bei den Auslieferungen allerdings droht Elon Musk einmal mehr hinter seinen vollmundigen Ankündigungen zurück zu bleiben. "Er verspricht eine glänzende Zukunft, hat aber die Gegenwart nicht im Griff", folgt prompt die Kritik.

Es war ein beeindruckend schlechtes Quartal für Tesla: Mehr als 700 Millionen Dollar Verlust und deutlich weniger Auslieferungen als erwartet. Bis Anfang Juni brach die Aktie auf 180 Dollar ein. Dann versprach Konzernchef Elon Musk: Alles wird gut und Tesla bis zu 100.000 Elektroautos im zweiten Jahresviertel an die Kunden bringen. Mittlerweile steht die Aktie wieder bei rund 220 Dollar.

Alles gut, also?

Nicht nur Tesla-Fahrer auch viele Tesla-Aktionäre hängen nibelungentreu an den Worten von Elon Musk, hatten sich in der Vergangenheit ob der zahlreich gebrochenen Versprechen des streitbaren Managers nicht wirklich von ihm abgewandt. Ihre Loyalität allerdings könnte erneut auf die Probe gestellt werden:

Flüsterschätzungen der Wall Street gingen schon Mitte Juni von lediglich 70.000 verkauften Tesla-Fahrzeugen aus. Tatsächlich könnte Tesla sein Auslieferungsziel verfehlen. Der für gewöhnlich sehr gut informierte Branchenblog "Electrek" berichtet unter Berufung auf Insider, dass Tesla bis zum 25. Juni in Nordamerika 49.000 E-Autos ausgeliefert habe. Weitere 12.000 Bestellungen für die USA lägen vor, so dass Tesla in seinem Heimatmarkt auf 61.000 Fahrzeuge kommen könnte.

Trotz ausgelobter Sonderprämien für die Mitarbeiter dürfte es Tesla aber nicht gelingern, 12.000 Elektroautos in der noch verbleibenden einen Woche an die US-Kunden zu bringen. Dies benötigte mehr Kapazitäten als Tesla zur Verfügung stünden.

"Die Nachfrage ist nicht das Problem"

Eingedenk der für Tesla besonders stark wachsenden Märkte in China und Norwegen werde der Elektroauto-Pionier Probleme haben, mehr als 90.000 Elektroautos weltweit an die Kunden auszuliefern, rechnet "Electrek" vor um gleich anzuschließen: "In jedem Fall ist klar, die Nachfrage ist nicht das Problem." Tesla selbst wollte den Bericht nicht kommentieren.

Klar ist auch: Selbst wenn der Autobauer im zweiten Quartal weltweit unter 90.000 Auslieferungen bleiben sollte, ist das immer noch mehr als doppelt so viel wie vor einem Jahr um diese Zeit (40.768) - aber eben weniger als von Musk prognostiziert.

Und zumindest kurzfristig wird Tesla am Aktienmarkt immer wieder an den Prognosen seiner Lichtgestalt gemessen, die dann zuweilen ins Utopische abgleiten:

So wagte Musk, der sich auf verbale Aktienkurspflege bestens versteht, kürzlich mit der Erwartung von mittelfristig 500 Milliarden Dollar Börsenwert seines Unternehmens auf den Markt. Vor allem der Trend zum Autonomen Fahren und ein Heer von Tesla-Roboter-Taxis werde dem Autobauer zu dieser Verzehnfachung des Börsenwertes verhelfen. Diese Prognose ist wohl so nah an der Wahrheit wie Musks Ankündigung von Mitte Juni, er werde nicht mehr twittern und seinen Account löschen. Musk twittert seitdem fröhlich weiter.

Für Analyst Frank Schwope stellt sich der Tesla-Chef daher eher als Schaumschläger dar - und steht damit bei weitem nicht allein: "Einmal mehr verspricht Elon Musk eine glänzende Zukunft und kaschiert damit, dass er die Gegenwart nicht im Griff hat", schreibt der Experte von der NordLB in einer aktuellen Studie. Der Konzern müsse noch beweisen, dass er nachhaltig Geld verdienen kann, und dass die Fahrzeuge qualitativ hochwertig sind.

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