Montag, 18. November 2019

Motorsport auf Salz und Sand Mit 1228 km/h durch die Wüste

Römö, El Mirage, Bonneville: Motorsport auf Salz und Sand
Flock London/Bloodhound Programme Ltd/dpa-tmn

2. Teil: Die Helden der Wüsten-Raserei

Der ungekrönte König dieser Zeit war Ab Jenkins, der mehr Geschwindigkeitsrekorde aufgestellt haben soll als jeder andere Mensch auf der Welt: 1935 fuhr er seinen Düsenberg Mormon Meteor über 24 Stunden mit einem Schnitt von 217 km/h, 1940 steigerte er dieses Tempo auf fast 260 km/h - eine Bestleistung, die erst 50 Jahre später eingestellt wurde. Mehr als ein Dutzend seiner Rekorde stehen noch, sagt Ron Main, der zu den Veranstaltern der El-Mirage-Rennen gehört: "So verrückt, so mutig und so schnell wie Ab war lange keiner mehr."

Jenkins gilt zwar in Amerika als Held der Wüsten-Raserei. Doch gegen Menschen wie Andy Green ist er ein Schleicher. Denn der britische Militärpilot hält seit 1997 mit einem Tempo von 1228 km/h den aktuellen Land Speed Record und hat dabei als erster mit einem Auto die Schallmauer durchbrochen.

Der ThrustSSC, der damals durch die Wüste von Nevada jagte, hat mit dem gängigen Bild von einem Auto bis auf die Räder allerdings nicht mehr viel gemein. Denn eigentlich ist der Einsitzer nach Angaben der Betreiber eher eine Rakete für den Bodenflug: 16,5 Meter lang, schlank wie eine Zigarre und angetrieben von zwei Jet-Turbinen, die umgerechnet mehr als 100 000 PS leisten. Und als wäre das nicht genug, arbeitet Green zusammen mit einigen britischen Firmen am Nachfolgemodell Bloodhound und bereitet in einer Wüste in Südafrika für Ende 2019 einen Rekord mit mehr als 1000 Meilen pro Stunde vor.

Gleichzeitig entdecken auch die Hersteller die Salzseen als Bühne für ihre Promotion: So hat VW zum Beispiel in den USA zur Einführung des neuen Jetta einen Speedracer mit 447 kW/608 PS aufgebaut und es mit einem Tempo von 338 km/h ganz weit nach oben in den Schlagzeilen der Motorpresse geschafft, meldet die Amerika-Zentrale in Herndon.

Solche Fahrten mögen Männern wie Skov zwar imponieren, mit dem klassischen Beach-Racing haben solche Spektakel aber in seinen Augen nicht mehr viel zu tun. Was für ihn den Charme ausmacht, ist, dass man bei Festivals wie in Römö auch für kleines Geld großen Spaß haben kann. Zwar gebe es viele, die in ihre Fahrzeuge hohe sechsstellige Beträge investieren, sagt Skov. "Aber man kann auch schon für den Preis eines Kleinwagens ein passendes Rennauto bekommen und hier um den Sieg mitfahren." Und das gehe nicht nur in Römö, sondern genauso bei verschiedenen Events in England und Italien.

Zwar gibt es mittlerweile viele große und kleine Rennstrecken für Profis und PS-Amateure. Doch die Strände und Salzseen, auf denen solche Veranstaltungen noch erlaubt sind, lassen sich an zwei Händen abzählen. Die Faszination ist aber ungebrochen und die Zahl der Teilnehmer wächst Jahr für Jahr: In Kalifornien oder Utah sind während der Saison bei jedem Event Hunderte Motorsportler vom Teenager auf dem Motorrad bis zum Routinier im Raketenauto am Start.

Zur legendären Speedweek nach Bonneville fliegen Teams aus der ganzen Welt, und die Teilnehmerliste in Römö wird auch immer länger, sagt Skov: "Wir haben mit 30 Fahrzeugen angefangen und hatten dieses Jahr über 100 Autos und Motorräder am Start. So ganz langsam müssen wir uns überlegen, wie wir der ganzen Fahrer noch Herr werden sollen."

Dass die Autos dabei auf Salz oder Sand mehr leiden als auf Asphalt, tut der Sucht nach Speed keinen Abbruch - selbst wenn es sich wie in Römö um Oldtimer handelt, die das ganze Jahr über liebevoll gewartet und gewienert werden. Denn dafür seien sie gemacht worden.

Thomas Geiger, dpa

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