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Schön schlank: Die Alpine A110
Schön schlank: Die Alpine A110
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Alpine

Ausfahrt in der Alpine A110 Reanimierter Monte-Carlo-Sieger

Renault hat die Marke Alpine wiederbelebt. Ein puristischer Sportwagen, der sogar Porsche-Fahrer kitzelt, im Fahrtest.
Von Margret Hucko aus manager magazin 10/2021

Es ist schon ein wenig beängstigend, wenn die lieben Kollegen wissen, was man in seiner Freizeit so treibt. Wer das nicht will, sollte von der Neuauflage der Alpine A110 aus den 70er Jahren die Finger lassen. Ob ich denn gestern in der Renault Alpine "auf dem Weg nach Bergedorf" gewesen sei, begrüßte mich jüngst der Pförtner, als ich aus der Tiefgarage unserer Hamburger Zentrale kam. Die Freude über sein Wissen war ihm anzusehen. Mit einem VW Golf wäre mir das nicht passiert.

lernt durch ihre wechselnden Testwagen auch ihre Mitmenschen besser kennen. Die Alpine hätte sie gleich mehrfach verkaufen können.

Dabei ist die Rarität Alpine A110 wie Deutschlands automobiler Bestseller das Modell eines Massenherstellers. Vor vielen Jahrzehnten entworfen von einem französischen Rennfahrer, startete und siegte die Alpine gegen die Großen der Branche, etwa bei der Rallye Monte Carlo.

Das Konzept, mit kleinen, leichten und giftigen Autos die Porsche-Fahrer dieser Welt zu kitzeln, hat Renault nun in die Neuzeit transferiert. Die Reanimation automobiler Legenden ist – siehe Fiat 500 oder der Mini – ein Trend. Dass derartige Versuche scheitern können, hat unlängst Volkswagen beim Beetle erfahren – auch weil der technisch rein gar nichts mehr mit seinem populären Ahnen, dem Käfer, gemeinsam hatte.

Vierzylinder-Turbo-Mittelmotor

252 PS

320 Nm bei

2000 U/min

1798 ccm Hubraum

Renault dagegen würdigt die alte A110 nicht nur optisch, sondern schafft es, auch den Charakter des Urtyps zu kopieren. Wie das historische Vorbild ist die A110 ein extrem agiles Auto mit vergleichsweise kleinem Vierzylinder-Mittelmotor und nur gut 1000 Kilo Gewicht; das ist etwa die Hälfte dessen, was viele E-Autos heute auf die Waage bringen.

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Die Alpine A110

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Dafür verzichtet der Alpine-Fahrer auf Komfort. Der Sitz ist nur mit Werkzeug höhenverstellbar, der Kofferraum nicht mehr als ein Alibi: Unter die Front- und Heckhaube passen gerade mal zwei Taschen. Angesichts der allenthalben aufgehobenen Kleiderordnung: ausreichend. Selbst ein Handschuhfach fehlt.

Dank dieses Purismus gewinnt das Auto eine Leichtigkeit, die es jeden Kilometer zu feiern gilt. Wie ein "Irrlicht" fliege die Alpine "von Kurve zu Kurve", beschrieb ein Schweizer Kollege das Fahrgefühl. Besser kann ich das nicht formulieren. Nur dass Irrlichter – anders als die Alpine – meistens nur optische Täuschungen sind.

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