Donnerstag, 18. Juli 2019

Neue Wohnmobile Je kleiner, desto feiner

Wohnmobile: Je kleiner, desto feiner
TMN/ Karmann Mobil

Das Angebot an kompakten Wohnmobilen und Caravans wächst. Die Hersteller werben mit gleichem Komfort auf weniger Platz oder preisen offensiv den Verzicht. Was bieten die neuen Kleinen?

Weniger ist mehr, oder wie es Bayram Koc ausdrückt: "Das Entscheidende ist nicht die Größe, sondern das Wesentliche ist entscheidend." Koc ist Geschäftsführer der Kaiser Fahrzeugbau im westfälischen Ascheberg und hat vor einigen Jahren den Trend zu immer kleineren Fahrzeugen erkannt, der die Reisemobil- und Caravanbranche erreicht hat.

Noch 2015 war Koc mit Prototypen des Teardrop Caravan unterwegs, erwägte die Pros und Contras, bis 2016 das erste handgefertigte Verkaufsmodell fertig war: ein tropfenförmiger Wohnwagen in den Abmessungen eines Kleinstwagens und damit weit kompakter als gewöhnliche Wohnwagen.

Beim Caravaning Industrie-Verband (CIVD) verzeichnet man schon seit Jahren, dass immer kompaktere Fahrzeuge angeboten werden, doch laut Geschäftsführer Daniel Onggowinarso spitzt sich der Trend zu. "Wir sehen, dass die Leute im Urlaub zusehends den Roadtrip-Charakter wollen und nicht mehr so lange an einem Ort bleiben. Dazu eignen sich vor allem kompaktere Fahrzeuge, die einfacher zu handeln sind." Mit einem Zehn-Meter-Wohnmobil durch enge Gassen in Süditalien zu fahren - das wollen viele Kunden offenbar erst gar nicht ausprobieren.

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Kocs konkrete Idee ist indes uralt: "Die Teardrop-Form gab es schon in den Vierzigern in den USA." Neu ist aber: Kaiser Fahrzeugbau sei der erste Hersteller, der das Konzept in Deutschland verwirklicht. Es gibt mit dem Kulba Teardrop noch einen ähnlichen Hänger - die Kochzeile ebenfalls unter der Heckklappe - doch produziert wird dieser mit 3,34 Meter Länge ebenfalls sehr kompakte Wohnwagen in Lettland. Mit dem Mini K Family aus Tschechien und dem Caretta 1500 aus der Türkei gibt es weitere Konkurrenzmodelle. Ein wahres Leichtgewicht ist der leer 470 Kilo wiegende Steeldrop mit Edelstahlaußenhaut aus der Ukraine.

Aber auch der knapp 11.000 Euro teure Teardrop von Kaiser ist mit 600 Kilo so leicht, dass man ihn an der Deichsel geführt per Hand rangieren kann. Man hat fließend Wasser, Schlafplatz für zwei und auf Wunsch eine Diesel-Standheizung oder Solarpanel auf dem Dach. Verzichten muss der Camper auf Toilette, Dusche, und gegessen wird draußen am Anklapptisch. Dass man gewissermaßen gezwungen sei, in der Natur zu sein, sieht Koc als Vorteil: "Es ist ja Camping."

Auch alteingesessene Hersteller greifen den Kompakttrend auf. So hat Adria den Aviva 360 DD ab 11.900 Euro im Programm, Außenlänge 4,14 Meter ohne Deichsel, leer 740 Kilo schwer, drei Schlafplätze, auch Kassettentoilette und Duschwanne sind dabei.

Dethleffs Caravan-Zwerg Coco ist etwas größer. Die Marke wirbt mit einer Aufbaulänge von 4,60 Meter. Der mit 18 800 Euro und einem Leergewicht von gut 700 Kilo gelistete Wohnwagen bietet zwei Schlafplätze, darüber hinaus Wohnraum und Bad, das allerdings nur aus einem platzsparenden Kippwaschbecken und einer Kassettentoilette besteht. Auch der Touring von Eriba, ein Modell im Retro-Look, bleibt unter der Marke von fünf Metern und bietet bis zu vier Schlafplätze.

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