Samstag, 19. Oktober 2019

Motorrad-Oldtimer Diese Bikes taugen auch als Geldanlage

Motorrad-Oldtimer: Röhrende Schönheiten
L&L Bikers World/dpa-tmn

Taugt eine alte BMW oder eine englische Vorkriegs-Vincent neben der Liebhaberei auch als Wertanlage in Niedrigzinszeiten? Denn egal ob Peter Fondas Chopper aus dem Kultfilm "Easy Rider" oder seltene englische Motorradklassiker: Manch ein Motorrad-Oldtimer erzielt auf Auktionen enorme Summen. Ist das vielleicht auch ein Anlagetipp für den kleineren Geldbeutel? Und darf man die Zweiräder dann überhaupt noch fahren?

"Wer heute, in der Niedrigzinsphase, Geld nicht auf dem Geldmarkt investieren möchte, denkt zunächst an Immobilien - Betongeld verkommt nicht", sagt Auktionator Frank Ehlert. "Aber wie alte Autos sind auch klassische Motorräder eine gute Möglichkeit, Geld sicher anzulegen", sagt Ehlert vom Auktionshaus Auktionspunkt in Potsdam. Zwar handele es sich um einen Sammlermarkt, auf dem man sich auskennen müsse - "nicht jedes alte Motorrad, das gut aussieht, taugt auch als Wertanlage" - aber man verliere ganz sicher kein Geld.

Klaus Limbächer ist sogar überzeugt, dass bei Fahrzeugen, die heute schon einen Sammler- und Begehrlichkeitswert haben, die Preise definitiv steigen werden. Der Inhaber des Motorradhauses Limbächer & Limbächer Biker's World in Filderstadt rät, "bei sehr teuren Fahrzeugen aus der Zeit um den Zweiten Weltkrieg auf eine nachvollziehbare Historie, am besten mit Originalpapieren zu achten". Als Beispiel nennt er "englische Marken wie Vincent und Brough Superior oder auch die deutsche Firma Zündapp mit der KS 800".

Gerade die Modelle von Brough Superior und Vincent stehen auch für Peter Mergelkuhl "ganz oben auf der Preisliste". Zudem nennt der Redakteur der Zeitschrift "Oldtimer Markt" mit Münch eine weitere deutsche Marke. Münch habe in den vergangenen Jahren enorm zugelegt und koste im Topzustand mittlerweile sechsstellig. Auch Ehlert weiß aus eigener Erfahrung, "dass Modelle aus dieser Zeit durchaus einen hohen sechsstelligen Wert erreichen können".

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Tatsächlich wurde Anfang 2018 in Las Vegas eine Vincent Black Lightning von 1951 zum Rekordpreis von 929 000 Dollar versteigert. In diese Preisregionen stoße man vor allem dann vor, wenn eine besondere Vorgeschichte vorliegt, sagt Mergelkuhl, "etwa wenn das Fahrzeug aus prominentem Besitz stammt." So erinnert er sich, dass der Harley-Davidson-Chopper, den Peter Fonda angeblich im Kult-Streifen "Easy Rider" gefahren hat, 2014 etwas mehr als eine Million Euro erzielt haben soll - obwohl zunächst Zweifel an der Echtheit des Fahrzeugs bestanden.

Selbstverständlich geht es aber auch ein paar Nummern kleiner, respektive günstiger. So sieht Limbächer zum Beispiel eine Kawasaki Z 900 oder eine Honda CB 750 Four als Wertanlage. "Bei diesen Maschinen liegen diese Preise aktuell in einem Bereich zwischen 15.000 und 20.000 Euro", sagt Mergelkuhl. Er weiß aber auch von einigen "merkwürdigen Effekten" zu berichten. So habe die Suzuki GSX-R 750 Mitte der 1980er eine ganz neue Motorradklasse begründet. Aktuell werde sie aber gerade einmal mit 3000 Euro bewertet. "Dabei müssten die Preise aufgrund der historischen Bedeutung eigentlich deutlich steigen, tun sie aber nicht", wundert sich der Redakteur.

Limbächer gibt noch zu bedenken, dass bei den japanischen Big Bikes der 1970er Jahre spätere Baujahre in Sachen Fahrwerk und damit Fahrbarkeit zwar deutliche Verbesserungen aufweisen würden. "Den höchsten Sammlerwert aber hat stets das erste Baujahr."

Sehr gut fahrbar sind diese Klassiker übrigens dann, wenn sie professionell veredelt wurden. "Gerade die Modelle kleiner Motorradschmieden sind heute begehrt", sagt Limbächer. So habe der Schweizer Fritz Walter Egli mit seinen Rahmenkonstruktionen für japanische Motorräder der 1970er Jahre Modelle wie die Z 900 oder die CB 750 Four deutlich optimiert. Hier bewege man sich heute bereits im Bereich zwischen 20.000 und 30.000 Euro.

Apropos Fahrbarkeit: Wer glaubt, dass ein Klassiker sein Wertpotenzial ausschließlich in der Garage steigert, der irrt. "Salopp gesagt, haben Fahrzeuge, die auf den ersten Kick anspringen, immer einen höheren Wert als Fahrzeuge, die stehen", sagt Auktionator Ehlert. Es müsse ja nicht gleich eine Weltumrundung sein. Auch Limbächer empfiehlt, regelmäßig zu fahren und nicht nur alle, zwei drei Jahre mal eine Ausfahrt zu machen. So könne man Standschäden vorbeugen. Wer seinen Klassiker dennoch ausschließlich als Sammel- und Ausstellungsobjekt, vielleicht sogar im eigenen Wohnzimmer, nutzen wolle, der sollte das Fahrzeug auf jeden Fall sorgfältig konservieren und alle Flüssigkeiten entfernen, so sein Ratschlag.

Etwas differenzierter sieht das Mergelkuhl: "Bei einem Motorrad, das gefahren wird, ist es kaum möglich, den Zustand 1 zu erhalten. Selbst geringe Einfärbungen an den Vergasern bedeuten bereits eine Abwertung". Andererseits könne eine Maschine in einem sehr patinierten Originalzustand ohne Restaurierung, vielleicht aber mit einer interessanten Vorgeschichte, deutlich mehr wert sein als eine Maschine im Zustand 1.

Allerdings müsse alles, was angeblich wertsteigernd sei, auch nachweisbar sein. "Denn wenn ein Motorrad mit Patina mehr wert ist als dasselbe Modell im Topzustand, gibt es unseriöse Verkäufer, die künstliche Patina anbringen", warnt der Oldtimer-Experte. In solchen Fällen sollte man daher unbedingt einen Fachmann zu Rate ziehen, um auf der sicheren Seite zu sein. Stichwort Sicherheit: Versichern sollte man einen Klassiker auf jeden Fall, auch wenn man ihn nicht für den Straßenverkehr zulassen möchte. "Viele Versicherungen bieten spezielle Policen für Oldtimer an", sagt Ehlert.

Andreas Kötter, dpa

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