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Monterey Car Week: Das sind die neuen Luxusautos

Foto: Thomas Geiger/dpa-tmn

Die Luxusautos der Monterey Car Week Die PS-Party wird elektrisch

Für sein Quartier muss Michael Perschke in dieser Woche sicher ein paar hunderttausend Dollar bezahlen. Denn Perschke ist Chef der neu gegründeten Luxusmarke Automobili Pininfarina und hat einen Steinwurf von Pebble Beach entfernt eine Villa gemietet. Doch die Investition dürfte sich lohnen. Denn dort zeigt er reichen Kunden einen neuen Sportwagen. Im Minutentakt rollen deshalb die Luxuslimousinen vor mit Sammlern aus aller Welt. Sie dürfen unter Ausschluss der Öffentlichkeit einen ersten Blick auf den PF0 werfen, der ab Ende nächsten Jahres die Überholspur dominieren soll: Rund 1397 kW/1900 PS stark, über 400 km/h schnell und natürlich elektrisch will er der schnellste und stärkste Sportwagen sein, der bislang in Italien gebaut wurde.

Ort und Termin für diese Preview hat Perschke mit Bedacht gewählt: die Car Week in Monterey. Rund um den Concours d'Elegance in Pebble Beach treffen sich über 200.000 Autofans und feiern eine gewaltige PS-Party. Die Begeisterung ist groß, und das Geld sitzt locker bei den Gästen. Kein Wunder also, dass Perschke die ersten paar Kaufverträge schon in der Tasche hat, obwohl der Preis noch unbekannt ist. Er dürfte aber bei circa zwei Millionen Euro liegen.

Die gute Stimmung nutzen auch die anderen Hersteller. Während auf den klassischen Automessen die Premieren immer weniger werden, gibt es hier eine Enthüllung nach der anderen. Obwohl es überall nach Öl, Gummi und Benzin riecht bei den Oldtimern, surrt es dabei vor allem elektrisch. Denn es sind insbesondere Studien für eine neue Ära des Autos, mit denen die Marken um Aufmerksamkeit buhlen.

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So hat Mercedes einen Silberpfeil mit Stromantrieb präsentiert, der die Idee des Weltrekordwagens W125 von 1937 mit 550 kW/750 PS und stromlinienförmiger Carbonkarosserie in die Zukunft trägt. Audi kontert mit dem PB18 E-Tron, der eine elektrische Mischung aus Gran Turismo und Le-Mans-Prototyp ist und diese Zwitterrolle mit einem besonders variablen Innenleben unterstreicht. Denn sobald der Beifahrer aus der 600 kW/816 PS starken Flunder mit dem keilförmigen Heck gestiegen und der Fahrer auf die Rundstrecke abgebogen ist, verschwindet der zweite Sitz im Boden, und der Fahrer rückt wie im Rennwagen in die Mitte, erläutert Designchef Marc Lichte.

Als Dritter im Bunde schickt Infiniti den Prototype 10 ins Rennen um die Gunst der Gäste: Auch das ist ein voll elektrischer Sportwagen, der allerdings den Blick als Retro-Roadster deutlich weiter zurück wirft - dabei ist Infiniti von allen die jüngste Marke.

Ein Schnäppchen für 415.000 Euro

Neben den elektrischen Träumen und Visionen gibt es in Pebble Beach aber auch ein paar eher konventionell gestrickte Neuheiten: So toppt Bugatti den Chiron mit einem noch einmal nachgeschärften Divo. Der schafft zwar laut Firmenchef Stephan Winkelmann bei identischer Leistung von 1103 kW/1500 PS nur 380 statt 420 km/h, sieht aber deutlich gemeiner aus, hat eine bessere Aerodynamik, erlaubt höhere Kurvengeschwindigkeiten und ist deshalb auf der Rennstrecke unter dem Strich schneller.

Das Gleiche gilt für den Lamborghini Aventador SVJ, der mit jetzt 566 kW/770 PS und einer Rundenzeit von 6,44 Minuten zum schnellsten Serienauto auf dem Nürburgring avanciert. Der Divo kostet laut Bugatti 5,95 Millionen, der Lamborghini immerhin rund 415.000 Euro. (Lesen Sie auch: Warum die Polizei Tim Wieses Lamborghini einkassierte)

Da wird selbst ein BMW Z4 für etwa 70.000 Euro zum Schnäppchen - und soll trotzdem genügend Fahrspaß bieten, versprechen die Bayern zur Premiere der neuen Roadster-Generation. Schließlich startet der offene Zweisitzer im kommenden Frühjahr nicht nur als M40i mit einem 250 kW/340 PS starken Sechszylinder, sondern das Auto hat für mehr Fahrdynamik auch 50 Kilo abgespeckt und einen kürzeren Radstand bekommen. Und für Puristen feiert BMW die Rückkehr zum Stoffverdeck.

Zwar dreht sich auf dem legendären 17-Miles-Drive nach einem Volkswagen nun wirklich keiner um, wenn gleichzeitig die Jahresproduktion von Exoten wie Pagani oder Koenigsegg vorbeifährt, Rolls-Royce im ganzen Dutzend unterwegs sind und sich millionenschwere Oldtimer wie der Mercedes 500 K in der Sonne präsentieren. Doch selbst bürgerliche Marken wie VW nutzen die Car Week als Bühne für ihre Neuheiten.

Deshalb lassen die Niedersachsen hier noch einmal ihre Studien aus New York antreten und testen so, wie der Atlas Cross Sport und vor allem der Atlas Tanoak beim Publikum ankommen. Und wenn man die Reaktionen auf die Fotofahrten am Strand der Spanish Bay so beobachtet, sollte VW vielleicht noch einmal darüber nachdenken, ob sie neben dem SUV-Coupé auch dem Pick-up grünes Licht geben - hier und heute zumindest hätten sie die ersten Autos schon verkaufen können.

Oldtimer oder Neuwagen, Retro-Auto oder Zukunftsvision - nirgendwo sind die Grenzen so fließend wie hier in Pebble Beach. Und obwohl die Originalität von Oldtimern auf der einen Seite beim Concours strenger bewertet wird als irgendwo sonst in der PS-Welt, nehmen es die Auto-Liebhaber hier auf der anderen Seite nirgends weniger genau.

"Es gibt immer mehr Menschen, die einfach ein besonders Auto fahren und damit Spaß haben wollen und die die Historie ebenso als Ballast empfinden wie die Wartung", sagt Tim Hannig. Diesen Kunden kann der Chef der Klassik-Abteilung bei Jaguar und Land Rover künftig helfen.

Denn er hat ein Auto mit nach Pebble Beach gebracht, das eine Klammer zwischen den Oldtimern und den Neuwagen schließt. Einen auf Elektroantrieb umgerüsteten E-Type: zurück in die Zukunft mit 190 kW/258 PS. Die Preise für die spektakuläre Zeitreise reichen je nach Aufwand zwischen circa 60.000 Euro für den reinen Umbau bis etwa 300.000 Euro für ein Komplettfahrzeug.

Thomas Geiger, dpa
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