Neue Fahrzeugarchitektur Mercedes setzt künftig Nvidia-Computer ein

Mercedes-Benz stattet Autos künftig mit Nvidia-Computern aus. Jensen Huang, CEO von Nvidia, präsentierte auf der CES am Dienstag neue Entwicklungen

Mercedes-Benz stattet Autos künftig mit Nvidia-Computern aus. Jensen Huang, CEO von Nvidia, präsentierte auf der CES am Dienstag neue Entwicklungen

Foto: Rick Wilking/ REUTERS

Daimler setzt in einer strategischen Weichenstellung bei künftigen Mercedes-Autos auf Computer des US-Konzerns Nvidia . Mit der Grafikkarten-Technik sollen Fahrassistenz-Systeme, teilweise automatisiertes Fahren sowie komplett eigenständiges Navigieren auf Parkplätzen laufen. Das erste Modell mit der gemeinsam entwickelten Fahrzeug-Architektur soll Ende 2024 auf die Straße kommen, sagte Daimler-Chef Ola Källenius am Dienstag. Mit der Zeit soll die Technologie in allen Modellreihen von Mercedes-Benz-Autos eingesetzt werden.

Ein großer Vorteil des Systems ist die Möglichkeit, es mit neuen Funktionen und Fähigkeiten zu aktualisieren. "Es ist eine neue Ära für die Automobilindustrie, die traditionell lange Entwicklungszyklen hatte", betonte der Chef von Nvidias Autogeschäft, Danny Shapiro. Früher sei ein Auto beim Kauf am besten gewesen, jetzt könne es mit der Zeit dank Software besser werden, sagte Nvidia-Chef Jensen Huang. Autos von Mercedes könnten 10 oder 20 Jahre auf der Straße bleiben - und mit der neuen Plattform auch diese gesamte Zeit mit Software aufgefrischt werden, argumentierte er. "Das Geschäftsmodell der Autoindustrie wird sich verändern."

Software spiele inzwischen auch in der Autobranche eine entscheidende Rolle, betonte Shapiro. "Es ist Software, die Produkte besser und besser machen kann." In alle Mercedes-Autos soll - unabhängig von der Modellklasse und den von Kunden erworbenen Funktionspaketen - Nvidias Ende vergangenen Jahres vorgestellter Autocomputer "Orin" kommen. In der Nvidia-Technik sollen unter anderem die Daten verschiedener Sensoren verarbeitet werden und die Software mit künstlicher Intelligenz laufen. Das System werde auch 2024 noch auf dem aktuellen Stand der Technik sein, versicherte Shapiro. Mercedes macht noch keine Angaben dazu, welche Modellreihe die Nvidia-Systeme als erste bekommen soll.


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Da es um eine komplett neue Fahrzeugarchitektur geht, wird die Technik nicht in vorherigen Modellen nachgerüstet werden können. Aktuell arbeiten viele Unternehmen an Software und anderen Technologien für automatisiertes Fahren. Als sehr weit in der Entwicklung gilt die Google -Schwesterfirma Waymo, die bereits einen Robotaxi-Service in den USA testet. Unter anderem auch Apple und der Fahrdienst-Vermittler Uber sowie diverse Start-ups arbeiten an Software zum autonomen Fahren.

Kooperation mit Bosch zurückgestellt

Auch Autohersteller und Zulieferer wollen Tech-Firmen das Feld nicht überlassen und entwickeln eigene Lösungen. Dabei gibt es auch Kooperationen - so arbeiten Volkswagen und Ford in der Roboterwagen-Firma Argo AI zusammen.

Bis vor kurzem loteten auch Daimler  und BMW  eine gemeinsame Entwicklung von Technologie zum automatisierten Fahren aus, doch diese Partnerschaft wurde vergangene Woche ausgesetzt. BMW kooperiert mit der Intel-Tochter Mobileye, die mit ihren Computern und Software als ein Konkurrent von Nvidia auftritt. Mercedes setzte auch eine Kooperation mit Bosch mit Fokus auf Robotaxis in der Stadt auf - dieses Projekt werde aber zugunsten der Kooperation mit Nvidia zurückgestellt, sagte Källenius. Nvidia werde auch weiterhin mit anderen Unternehmen aus der Autobranche zusammenarbeiten, betonte Shapiro.

Nvidia gilt als größten Entwickler von Grafikprozessoren und Chipsätzen für Personal Computer und Spielkonsolen. Grafikkarten eignen sich für Anwendungen mit künstlicher Intelligenz besonders gut, deshalb setzt das Unternehmen aus dem Silicon Valley verstärkt auf Technologie für maschinelles Lernen, darunter auch beim autonomen Fahren. Nvidia arbeitet mit diversen Auto-Herstellern zusammen. 2017 verkündete das US-Unternehmen auf der CES, mit Audi  zusammenzuarbeiten. Auch beim inzwischen eingestellten Streetscooter der Deutschen Post war das US-Unternehmen testweise mit an Bord. Ebenfalls haben sich Bosch und Volkswagen  Nvidia als Partner mit ins Boot geholt. Auch Uber arbeitet für seine autonomen Fahrzeuge unter anderen mit dem Grafikkarten-Hersteller.

akn/dpa/rtr
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