Mittwoch, 27. Mai 2020

E-Bike Mando Footloose Falter ohne Kette

E-Bike ohne Kette: Mando Footloose im Fahrtest
manager magazin online

Das erste kettenlose, faltbare E-Bike kommt in Deutschland auf den Markt. Das Design ist fantastisch, aber taugt das Gefährt auch für den mobilen Alltag? manager magazin online hat getestet, ob sich das Rad als ernst zu nehmendes Pendlerfahrzeug bewährt.

Hamburg - Für etliche Großstädter ist bei der Wahl des Verkehrsmittels ein Faktor besonders wichtig, den man PAI nennen könnte: Der Passanten-Aufmerksamkeits-Index. Deshalb fahren sie Bikes mit farblich abgesetzten Weißwandreifen, stellen sich auf seltsame Roller oder setzen, wenn sonst nichts hilft, Fahrradhelme auf, die wie ausgehöhlte Melonen oder wie Golfbälle aussehen. Coolness zählt in dieser Zielgruppe mindestens so viel wie zügiges Vorankommen.

Ihr dürfte das auf dem deutschen Markt flammneue Mando Footloose gerade recht kommen. Ersonnen hat es der koreanische Autozulieferer Mando, der es als "weltweit erstes E-Bike ohne Kette, das durch Treten Strom für den Motor erzeugt", promotet. Die "Serie-Hybrid-Technologie" ist tatsächlich denkbar elegant: Hinter dem Tretlager sitzt ein Generator, der die Trittenergie in den Motor einspeist. Das System prüft wie bei einem Elektroauto, die Umdrehung der Räder, die Trittfrequenz, die Steigung und den erzeugten Strom - und aktiviert je nach Datenlage die integrierte, automatische Gangschaltung.

Das Footloose ist faltbar; die Gestaltung, für die der britische Industriedesigner Mark Sanders sich angeblich vom eleganten Klapp einer Möwenschwinge inspirieren ließ, ist mit dem Red Dot Design Award und dem iF Design Award ausgezeichnet. Geschmacklich ist man also auf der sicheren Seite. Auch im Praxistest erweist sich das neue Bike erwartungsgemäß als Blickfänger mit hohem haptischen Aufforderungscharakter.

Mit anderen Worten: Jeder will auch mal. Beim Rundenfahren auf dem Büroflur scheiden sich die Draufgänger von den eher zögerlichen Kollegen - denn das Footloose mag es nicht, wenn man zu beherzt antritt. Die Pedale geben dann gleich weniger Widerstand. Das ist für sportliche Radfahrer ungewohnt. Der PR-Mann, der mir das Gerät erklärt hat, hatte es mit einem Pferd verglichen: "Da tritt man ja auch nicht fest zu, sondern gibt mehr so einen Impuls."

Die Technik bleibt staub- und schmierfrei im Rahmen

Wie das geht, haben aber alle nach wenigen Metern heraus. Und die Kollegen mit den guten Anzughosen freuen sich darüber, dass die gesamte Technik staub- und schmierfrei im eleganten Rahmen integriert ist. Selbst beim Zusammenfalten kann man sich nicht mit einer öligen Kette ein versehentliches Bekenntnis zum Radfahren aufs Hosenbein schmieren.

Auch auf der Straße macht das Footloose eine gute Figur. Mühelos cruist man umher, bereits nach wenigen Tritten ist die Höchstgeschwindigkeit von 25 km/h erreicht. Mehr geht allerdings nicht: Das Bike ist abgeregelt, um nicht kennzeichenpflichtig zu werden.

Das Footloose gilt also als Fahrrad, daher ist ein Helm nicht Pflicht. Als ich in der Hamburger Hafencity an drei Polizisten vorbeisause, die dem ungewohnten Gefährt staunend hinterher blicken, bin ich allerdings froh um den stylishen weißen Helm mit den schmalen Lederimplantaten, der zum Testgerät gehört: Er scheint erfolgreich davon abzulenken, dass das Mando in seiner Reinform keine Straßenzulassung hat. Zwar gibt es schmale Reflektoren in den Pedalen, aber weder Scheinwerfer noch Klingel.

Letzteres ist dort von Nachteil, wo Radwege schwellenlos in Bürgersteige integriert sind und bräsige Fußgänger gerne ohne einen einzigen Seitenblick vors Rad latschen. Ich lerne schnell: Wenn ich jemanden auf mein Kommen aufmerksam machen will, trete ich einfach in die Pedale, dann lässt der Elektromotor dezent, aber aufmerksamkeitsheischend von sich hören.

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