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E-Bike ohne Kette: Mando Footloose im Fahrtest

Foto: manager magazin online

E-Bike Mando Footloose Falter ohne Kette

Das erste kettenlose, faltbare E-Bike kommt in Deutschland auf den Markt. Das Design ist fantastisch, aber taugt das Gefährt auch für den mobilen Alltag? manager magazin online hat getestet, ob sich das Rad als ernst zu nehmendes Pendlerfahrzeug bewährt.

Hamburg - Für etliche Großstädter ist bei der Wahl des Verkehrsmittels ein Faktor besonders wichtig, den man PAI nennen könnte: Der Passanten-Aufmerksamkeits-Index. Deshalb fahren sie Bikes mit farblich abgesetzten Weißwandreifen, stellen sich auf seltsame Roller oder setzen, wenn sonst nichts hilft, Fahrradhelme auf, die wie ausgehöhlte Melonen oder wie Golfbälle aussehen. Coolness zählt in dieser Zielgruppe mindestens so viel wie zügiges Vorankommen.

Ihr dürfte das auf dem deutschen Markt flammneue Mando Footloose gerade recht kommen. Ersonnen hat es der koreanische Autozulieferer Mando, der es als "weltweit erstes E-Bike ohne Kette, das durch Treten Strom für den Motor erzeugt", promotet. Die "Serie-Hybrid-Technologie" ist tatsächlich denkbar elegant: Hinter dem Tretlager sitzt ein Generator, der die Trittenergie in den Motor einspeist. Das System prüft wie bei einem Elektroauto, die Umdrehung der Räder, die Trittfrequenz, die Steigung und den erzeugten Strom - und aktiviert je nach Datenlage die integrierte, automatische Gangschaltung.

Das Footloose ist faltbar; die Gestaltung, für die der britische Industriedesigner Mark Sanders sich angeblich vom eleganten Klapp einer Möwenschwinge inspirieren ließ, ist mit dem Red Dot Design Award und dem iF Design Award ausgezeichnet. Geschmacklich ist man also auf der sicheren Seite. Auch im Praxistest erweist sich das neue Bike erwartungsgemäß als Blickfänger mit hohem haptischen Aufforderungscharakter.

Mit anderen Worten: Jeder will auch mal. Beim Rundenfahren auf dem Büroflur scheiden sich die Draufgänger von den eher zögerlichen Kollegen - denn das Footloose mag es nicht, wenn man zu beherzt antritt. Die Pedale geben dann gleich weniger Widerstand. Das ist für sportliche Radfahrer ungewohnt. Der PR-Mann, der mir das Gerät erklärt hat, hatte es mit einem Pferd verglichen: "Da tritt man ja auch nicht fest zu, sondern gibt mehr so einen Impuls."

Die Technik bleibt staub- und schmierfrei im Rahmen

Wie das geht, haben aber alle nach wenigen Metern heraus. Und die Kollegen mit den guten Anzughosen freuen sich darüber, dass die gesamte Technik staub- und schmierfrei im eleganten Rahmen integriert ist. Selbst beim Zusammenfalten kann man sich nicht mit einer öligen Kette ein versehentliches Bekenntnis zum Radfahren aufs Hosenbein schmieren.

Auch auf der Straße macht das Footloose eine gute Figur. Mühelos cruist man umher, bereits nach wenigen Tritten ist die Höchstgeschwindigkeit von 25 km/h erreicht. Mehr geht allerdings nicht: Das Bike ist abgeregelt, um nicht kennzeichenpflichtig zu werden.

Das Footloose gilt also als Fahrrad, daher ist ein Helm nicht Pflicht. Als ich in der Hamburger Hafencity an drei Polizisten vorbeisause, die dem ungewohnten Gefährt staunend hinterher blicken, bin ich allerdings froh um den stylishen weißen Helm mit den schmalen Lederimplantaten, der zum Testgerät gehört: Er scheint erfolgreich davon abzulenken, dass das Mando in seiner Reinform keine Straßenzulassung hat. Zwar gibt es schmale Reflektoren in den Pedalen, aber weder Scheinwerfer noch Klingel.

Letzteres ist dort von Nachteil, wo Radwege schwellenlos in Bürgersteige integriert sind und bräsige Fußgänger gerne ohne einen einzigen Seitenblick vors Rad latschen. Ich lerne schnell: Wenn ich jemanden auf mein Kommen aufmerksam machen will, trete ich einfach in die Pedale, dann lässt der Elektromotor dezent, aber aufmerksamkeitsheischend von sich hören.

Sporty macht richtig Spaß

Das kleine Display am Lenker bietet verschiedene Einstellungen an. Zum einen Eco, Normal und Sporty - je nachdem, wieviel Power der Motor liefern soll. Soft, medium und hard regeln die Reaktionsstärke, mit der das Bike auf den Antritt reagiert. Sporty in Kombination mit Hard macht richtig Spaß: Ich ticke die Pedale nur kurz an und bin schon drei Meter weiter, mit einem unwillkürlichen Grinsen auf dem Gesicht.

Das Display soll auch als Diebstahlschutz funktionieren. Es lässt sich mit einem Griff aus der Schiebehalterung entfernen - und dann kann kein Unbefugter das Rad starten. Das ist eine prima Idee, allerdings dürfte das bei einem so neuen Gefährt nicht jeder potientielle Dieb wissen.

Eine zusätzliche Sicherung empfiehlt sich also. Am Rad ist allerdings leider kein Platz dafür vorgesehen, eine Gepäckhalterung gibt es auch nicht.

Function follows form

Überhaupt hat sich Designer Mark Sanders nur unter Schmerzen zu einigen Kompromissen durchgerungen, die den profanen Bedürfnissen der Radnutzer Rechnung tragen. Schutzbleche hatte erst die zweite Version des Mando, und einen Fahrradständer fand Sanders ästhetisch unbefriedigend. Jetzt gibt es einen sehr dezenten, der an eines der Pedale gebaut ist.

Man muss sich bücken und von Hand zwei kleine Antennen hervorziehen, kippen und einrasten lassen. Das sieht dann wirklich sehr elegant aus, ist aber ein wenig umständlich. Function follows form. Erstaunlich, dass dann wiederum bei anderen Details ein wenig geschlampt wurde - der kleine Hebel am Lenkergriff, mit dem man die elektronische Anschiebehilfe aktivieren kann, ist lieblos aus schwarzem Billigkunststoff gefertigt, mit noch sichtbarer Pressnaht.

Nur anfänglich etwas irritierend ist das asymmetrische Design. Der Möwenschwingen-Rahmen steht gewollt ein wenig schräg. Das verleitet mich dazu, den Lenker in einem rechten Winkel dazu zu stellen - ich entwickle deshalb auf den ersten Metern einen leichten Rechtsdrall. Dann gewöhne ich mich aber schnell an die Optik.

Die Drosselung auf 25 km/h nervt allerdings immer mehr, je länger ich fahre. Das Rad geht gut ab, reagiert schnell - und die Versuchung ist da, durch stärkeres Treten jetzt noch ein bisschen mehr Leistung zu erzielen, aber die Kraftanstrengung läuft dann nur noch ins Leere.

Auch preislich ein Schwergewicht

Steigungen bewältigt das E-Bike recht ordentlich. Nur auf Kopfsteinpflaster würde ich mir doch eine wenigstens rudimentäre Federung wünschen. Eine vollen Akkuladung, die man in drei Stunden erzielen können soll, soll für 35 bis 45 Kilometer reichen. Das dürfte für den Stadtbetrieb genügen.

Das Ladegerät passt an jede Steckdose, die integrierte Lüftung ist allerdings laut. In der Garage ist das egal, im Großraumbüro nervt es.

Ein bisschen Übung braucht man für die Falttechnik. Im Grunde sind aber nur drei Handgriffe: Den zentralen Hebel für den Klapprahmen betätigen, dann den Lenker nach oben klappen und zum Schluss den Sattel auf die richtige Höhe einstellen. Es gibt Markierungsstriche, aber kein automatisches Einrasten auf eine einmal festgelegte Position - das wäre ein nettes Extra gewesen. Das zusammengeklappte E-Bike kann man dann am Sattel packen und schieben.

Pendlern fehlt ein Gepäckträger

Ob ich mir so ein Gerät anschaffen würde? Es gibt einige gute Gründe dafür. Der wichtigste: Das Mando Footloose sieht wirklich cool aus. Es macht Spaß, damit zu fahren, die Technik ist ausgereift und elegant. Im Stadtverkehr kommt man leicht und gut voran, mehr als 25 km/h sind zwischen vielen Ampeln, Fußgängern und Kreuzungen ohnehin nicht wirklich drin - beim Testen habe ich mich so auf um die 20 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit eingependelt. Und ich habe es am Ende des Testtages tatsächlich wirklich ungern wieder hergegeben.

Aber a propos Pendeln: Als Faltrad ist das Mando Footloose ja eigentlich für Pendler gedacht - aber abgesehen vom fehlenden Gepäckträger (auch am Rahmen lässt sich keine Tasche befestigen) wäre ich auf Gedeih und Verderb dem Funktionieren von Rolltreppen und Aufzügen ausgeliefert. Meine U-Bahn-Haltestelle hat keines von beiden - und bei einem Gewicht von 21,8 Kilogramm (hinzu kommt ja eventuell noch ein schweres Schloss) ist es kein Vergnügen, das Gerät auch nur eine kleine Treppe hinaufzuwuchten.

Und auch preislich ist das Mando Footloose leider ein Schwergewicht. Das Gerät kostet sage und schreibe 3999 Euro. Testen kann man es bis zum 31. August in der ersten Verkaufsstelle in Deutschland, einem Pop-up-Store in der Berliner Platoon Kunsthalle (Schönhauser Allee 9, 10119 Berlin).

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