Sonntag, 15. Dezember 2019

Reisemobil-Hersteller Camping-Boom beschert Knaus Tabbert Rekordgeschäft

Nach Hymer-Übernahme: Wer gehört zu wem in der Caravaning-Branche?
Knaus

Der Camping-Boom in Deutschland ist ungebrochen: 34,6 Millionen Übernachtungen zählten die Statistiker im vergangenen Jahr auf deutschen Campingplätzen - gut zehn Millionen mehr als noch vor zehn Jahren. Doch mittlerweile mögen es die Deutschen komfortabler, reiner Kriechzelt-Urlaub ist nicht mehr angesagt. Davon profitiert die Caravaning- und Reisemobilbranche schon länger - auch der niederbayerische Fahrzeughersteller Knaus Tabbert.

Im vergangenen Jahr erzielte das Unternehmen laut eigenen Angaben (siehe Download) einen Umsatz von 720 Millionen Euro - nach 590 Millionen Euro im Vorjahr. 2018 rollten 23.600 Caravans, Reisemobile und CUVs (Caravaning Utility Vehicles) von den Bänder der vier Produktionsstandorte in Europa. 2017 seien es fast 21.000 Fahrzeuge gewesen. Für das laufende Jahr strebt Knaus Tabbert rund 800 Millionen Euro Umsatz und etwa 26.000 verkaufte Fahrzeuge an.

Knaus Tabbert liegt damit im Trend. 2018 kauften die Deutschen mehr Wohnmobile und Caravans als je zuvor. Mit insgesamt rund 71.200 verkauften Einheiten steigerte die Branche die Zahl der Neuzulassungen gegenüber 2017 um 12,5 Prozent. Es war das fünfte Wachstumsjahr in Folge, berichtete unlängst das Fachmagazin "Kfz-Betrieb".

Demnach stieg die Zahl allein der neu zugelassenen Wohnmobile auf 46.900 um 15,5 Prozent. Die Caravan-Neuzulassungen kletterten mit 7,2 Prozent auf 24.300 etwas langsamer - gleichwohl war dies das beste Ergebnis seit 2001. Der Caravaning Industrie Verband (CIVD) rechnet für das laufende Jahr 2019 mit einer weiter steigenden Nachfrage. 31.844 zugelassene Einheiten (Caravans und Reisemobile) bis einschließlich April scheinen die Erwartungen des Verbands zu bestätigen.


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Da gut ausgestattete Freizeitmobile schnell 70.000 Euro und mehr kosten, mieten Kunden auch immer öfter ein Fahrzeug. Knaus Tabbert stellt sich diesem Trend. Für das wachsende Mietwagengeschäft hat der Campingwagen-Hersteller seine vor drei Jahren etablierte Marke "Rent And Travel" ausgebaut. Die Zahl der Vermietstationen in Deutschland sei von 80 im Jahr 2017 auf mittlerweile 150 Standorte gestiegen.

Die Erfolge der Branche locken schon länger ausländische Investoren und Rivalen an. So wechselte der schwäbische Wohnmobilhersteller Hymer in die Hände des US-Rivalen Thor Industries. Vollzogen wurde der Milliardendeal allerdings unter erheblichen Turbulenzen und mit Abzug eines dreistelligen Millionenbetrags für die Eigentümer.

Angeblich buhlen Investoren um Knaus Tabbert

Auch Knaus Tabbert sei nach Worten von Geschäftsführer Wolfgang Speck bei Investoren aus China und den USA zu einem "Objekt der Begierde" geworden. Verkaufspläne gebe es jedoch nicht: "Im Moment ein klares Nein." Das Unternehmen beschäftigt an seinen Standorten in Deutschland und in Ungarn zurzeit 2900 Menschen.

Die Knaus Tabbert Gruppe ist ein Zusammenschluss mehrerer Marken und zählt nach eigenen Angaben zu den drei führenden Herstellern von Reisemobilen, Caravans und Kastenwagen in Europa. Die Karosseriebaumarke Tabbert produzierte 1953 den ersten Wohnwagen. In den Achtzigern kaufte Tabbert den Wohnwagen-Hersteller Wilk hinzu, nachdem Firmengründer Helmut Wilk tödlich verunglückte. 2001 verschmolz Tabbert mit dem Wohnwagenunternehmen Knaus, mit dem schon zuvor eine enge Zusammenarbeit bestand.

Während der Finanzkrise 2008, unter der auch die Wohnwagenbranche litt, ging Knaus Tabbert insolvent und wurde von der niederländischen Investmentgesellschaft HTP Investment aufgekauft. Europaweit hat Knaus Tabbert bei den Caravan-Neuzulassungen einen Markanteil von 12 Prozent. Zu der Marke gehören auch die Hersteller Weinsberg und die Luxusmarke Morelo.

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