Kaufberatung für E-Bikes Akku, Motor, Schaltung: Das müssen E-Bike-Käufer wissen

E-Bikes gibt es heute fast bei allen Fahrradgattungen. So können sich auch Mountainbiker elektrisch unterstützen lassen.

E-Bikes gibt es heute fast bei allen Fahrradgattungen. So können sich auch Mountainbiker elektrisch unterstützen lassen.

Foto: Tobias Hase/dpa-tmn

Der Boom der E-Bikes ist ungebrochen. Viele Menschen wollen nicht mehr auf den eingebauten Rückenwind beim Radfahren verzichten: Der Zweirad-Industrie-Verband verzeichnet für 2017 mit 720.000 in Deutschland verkauften Exemplaren ein Plus von fast einem Fünftel (19 Prozent) gegenüber dem Vorjahr.

Ein Grund ist die mittlerweile große Modellvielfalt - vom E-Trekkingrad über das E-Lastenrad bis zum E-Mountainbike. Selbst E-Falträder gibt es. Für Kaufinteressenten stellen sich damit eine Menge Fragen. Denn nicht nur ist die Produktvielfalt riesig; auch die Technik ist komplizierter als bei einem Fahrrad ohne Motor. Die Anschaffung erfordert eine Menge Entscheidungen. Hier sind die wichtigsten Kriterien im Überblick.

Einsatzzweck und Preis: Was muss es können, was darf es kosten?

"Beim Kauf sollte man den Einsatzbereich abstecken", sagt René Filippek vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC). "Das entscheidet über die Art des Rades." Für viele Radfahrer eigne sich ein E-Trekkingrad, mit dem man sowohl auf der Straße wie auch auf Feldwegen gut zurecht kommt. Wer Sport treibt, für den kann etwa ein E-Rennrad oder ein E-Mountainbike passend sein.

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Auf ein faltbares E-Rad im Kleinformat zurückgreifen könnten womöglich Pendler, die auch öffentliche Verkehrsmittel nutzen. Denn das nimmt in der Bahn nicht viel Platz ein. Wer ein S-Pedelec ins Auge fasst, das statt bis 25 bis zu 45 km/h unterstützt und rechtlich als versicherungspflichtiges Kleinkraftrad gilt, sollte wissen: Kinderanhänger sind bei dieser Art E-Bikes nicht erlaubt.

Filippek rät von Rädern unter 1800 Euro ab. Weil allein die Elektrokomponenten viel Geld kosteten, laufe man bei günstigeren Rädern, etwa von Discountern oder aus dem Baumarkt Gefahr, dass die übrigen Fahrradkomponenten von minderwertiger Qualität sind. Bei S-Pedelecs mit einem 500 Watt statt 250 Watt starken E-Motor nennt er eine Richtschnur von 2500 Euro. Wer sparen möchte, findet bei Herstellern und großen Händlern auch reduzierte Ausstellungsstücke oder Räder aus der Vorsaison.

Der Akku: Wie stark muss er sein, wie lange wird er halten?

Neue Masse: E-Bikes sind in der Regel schwerer als herkömmlicher Fahrräder, das braucht etwas Umgewöhnung beim Fahren und Handling.

Neue Masse: E-Bikes sind in der Regel schwerer als herkömmlicher Fahrräder, das braucht etwas Umgewöhnung beim Fahren und Handling.

Foto: Kay Tkatzik/www.pd-f.de/dpa-tmn

"Wenn ich keine Touren mache und nur in der Stadt unterwegs bin, brauche ich nicht den Mega-Akku", sagt Filippek. Wer eine Batterie mit weniger Kapazität kauft, spart beim Preis und auch an Gewicht. Und das Ersatzteil ist bei möglichem Akkuversagen billiger.

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Am weitesten verbreitet sind derzeit Akkus mit 400 bis 500 Wattstunden (Wh), die laut Filippek eine Reichweite von 60 bis 80 Kilometer besitzen. "Allerdings gibt es kein standardisiertes Verfahren zur Bestimmung der Reichweite." Denn diese hängt sehr von der Topografie des Fahrgebietes, dem Gewicht von Fahrer und Gepäck oder der Stärke des Gegen- oder Rückenwindes ab. Mittlerweile sind die Akkus in der Regel entnehmbar, was das Laden vereinfacht.

Rainer Hauck vom Verkehrsclub Deutschland (VCD) rät, auf eine zusätzlich zur gesetzlichen Gewährleistung ausreichende Garantie zu achten. Denn Batterien sind Verschleißteile, denen vor allem niedrige Temperaturen zusetzen: "Gut sind beispielsweise zwei Jahre oder 1000 Ladezyklen." Auch Ladezeiten unterscheiden sich teils erheblich.

Der Motor: Vorne, Mitte oder hinten?

E-Bike-Boom: Die Fahrräder mit elektrischer Tretunterstützung finden immer mehr Fans.

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Foto: Hase/dpa-tmn

Die meisten E-Bikes fahren mittlerweile mit einem Mittelmotor, es gibt aber auch Räder mit Motoren an der Vorder- oder Hinterradnabe. Der Vorteil des Mittelmotors liegt in den besseren Fahreigenschaften, denn im Bereich des Tretlagers sitzt er in der Nähe des Fahrradschwerpunktes.

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Allerdings erfordert der Mittelmotor auch einen speziellen Rahmen, was das Rad teurer macht. Hinzu kommt: "Der Verschleiß von Kette, Ritzel und Komponenten der Kettenschaltung ist höher, weil die Motorkraft auf den Antrieb wirkt", sagt Filippek. Front- und Heckantrieb schonen diese Komponenten und sind leiser, doch besteht die Gefahr, dass entweder das Vorderrad durchdreht oder das Fahrrad sich aufgrund des Mehrgewichts hecklastig fährt.

Andererseits wirkt die Kraft bei den Hinterradnabenmotoren direkt dort, wo sie gebraucht wird, und nur bei ihnen ist Rekuperation möglich - also die Energierückgewinnung beim Bergabfahren. Der Vorderradnabenmotor gilt laut Thomas Geisler vom Pressedienst Fahrrad (pd-f) als preisgünstige Einstiegslösung, weil er einfach zu integrieren ist.

Die Schaltung: Kette, Nabe oder Automatik?

Viele Zähne für sportlichen Biss: In der Regel bieten Kettenschaltungen am meisten Gänge für sportive Fahrer.

Viele Zähne für sportlichen Biss: In der Regel bieten Kettenschaltungen am meisten Gänge für sportive Fahrer.

Foto: Inga Kjer/dpa-tmn

Neben Ketten- und Nabenschaltung kommt als dritte Möglichkeit die Automatikschaltung hinzu, die Hersteller wie NuVinci oder Continental als eine mit einem Mittelmotor gemeinsam verkapselte und damit verschleißarme Einheit anbieten. Soll es ein Heckmotor sein, ist eine Nabenschaltung laut Hauck schwierig umzusetzen, denn die sitzt an der Hinterradnabe. Sportliche Biker, die viele Gänge benötigen, müssen in der Regel ohnehin auf eine Kettenschaltung zurückgreifen, die weit mehr Schaltstufen bietet.

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Eine Ausnahme bilden die Nabenschaltungen von Rohloff oder Pinion, die es auch für E-Mountainbikes gibt. Nicht alle Fahrradhersteller arbeiten mit allen Komponentenherstellern zusammen, was die Suche nach der idealen Motor-Getriebe-Kombination nicht vereinfacht.

Bedienung und Probefahrt: Unbedingt ausprobieren!

Infozentrale: Moderne E-Bikes zeigen auf Displays Funktionen an, manche verfügen beispielsweise auch über ein Navigationsgerät.

Infozentrale: Moderne E-Bikes zeigen auf Displays Funktionen an, manche verfügen beispielsweise auch über ein Navigationsgerät.

Foto: Inga Kjer/dpa-tmn

Neben Schalt- und Bremshebeln und der Klingel sollte auch das Display gut zu bedienen sein, rät Hauck. Bei der Bedieneinheit des Antriebs besteht eine gewisse Produktvielfalt: Vom einfachen Schwarz-Weiß-Display mit Basisfunktionen etwa für die Stufen der Tretunterstützung und die Akkustandsanzeige bis zum vollwertigen Gerät mit Navi und Digitalschnittstellen ist vieles zu haben.

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Sich mit einem E-Bike vertraut zu machen, ist neben dem gewöhnungsbedürftigen Antrieb vor allem aufgrund des höheren Fahrradgewichts notwendig. Wer in den Fahrradkeller muss, wird mit 20 bis 30 Kilo viel zu tragen haben. "Um dafür eine Gefühl zu bekommen, ist eine Probefahrt eminent wichtig", sagt ADFC-Experte Filippek. Unterschiede verschiedener Motor- und Getriebekonzepte lernt man am besten bei einem E-Bikes spezialisierten Händler kennen. Diese überlassen interessierten Kunden oftmals ein Proberad für einen Nachmittag oder sogar 24 Stunden.

VCD und pd-f weisen mit Blick auf das erhöhte Unfallrisiko gegenüber dem muskelbetriebenen Radeln auch auf spezielle Fahrtechnikschulungen für E-Bike-Einsteiger hin. Besondere Bedeutung kommt den Bremsen zu, die beim schweren E-Bike besonders standfest sein sollten. Geeignet sind vor allem Hydraulikbremsen.

Stefan Weißenborn, dpa/mh
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