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400.000 Kilometer im Roadster: Der Elektroauto-Pionier und sein blauer Blitz

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Elektroauto-Extremfahrer Hansjörg von Gemmingen "Ich habe mich gefühlt wie Bertha Benz"

Freiherr Hansjörg von Gemmingen hat mit seinem Tesla Roadster 400.000 Kilometer zurückgelegt. Unterwegs erlebte der Elektroauto-Pionier kleinere und größere Katastrophen. Doch seinen persönlichen Abschied vom Verbrenner bereut er keine Sekunde.

mm: Herr von Gemmingen, wir hätten uns auch am Telefon unterhalten können, doch nun sind Sie hier in Hamburg. Hand aufs Herz - sind Sie extra für dieses Gespräch aus Karlsruhe gekommen?

Gemmingen: Das Interview ist ein schöner Anlass für eine kleine Rundreise im Norden. Ich muss doch meinem Selbstverständnis als Vielfahrer gerecht werden.

mm: Sie bezeichnen sich als "Privatier" und haben in knapp sechs Jahren 400.000 Kilometer mit Ihrem Tesla Roadster abgerissen. Warum um Himmels Willen tun Sie das?

Gemmingen: Ich hatte schon immer viel Spaß am Fahren. Mein alter Mercedes-Benz hatte 600 Ölwechsel hinter sich und mehr als 600.000 Kilometer auf dem Tacho, bevor er in Rente ging.

mm: Schon mit dem Benziner sind häufige Langstreckenfahrten nicht jedermanns Sache. In einem Tesla Roadster, der eine Reichweite von gut 300 Kilometern hat, dürfte eine zusätzliche Portion Leidensfähigkeit erforderlich sein.

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Gemmingen: Vordergründig betrachtet war der Umstieg ein Rückschritt. Aber die Technik hat mich fasziniert. Auch die eigenen Abgase, die ins Fahrzeug hinein gelangen, gehören jetzt der Vergangenheit an. Außerdem suchte ich nach einer Herausforderung. Es ist langweilig, immer dasselbe zu tun. Und schließlich werden Technik und Infrastruktur ja stetig besser.

mm: Das Netz von Schnellladestationen ist immer noch kümmerlich ausgebaut.

Gemmingen: Es hat sich verbessert, aber in den ersten Jahren habe ich mich wie Bertha Benz gefühlt, die unterwegs an der Apotheke Benzin für ihren Patent-Motorwagen nachkaufen musste. Ich habe dann einen Blick für Orte entwickelt, an denen ich schnell laden kann. Gut sind beispielsweise Hotels und Restaurants, die über eine Müllpresse verfügen. Dort gibt es meistens einen Starkstromanschluss. Geholfen hat mir auch, dass ich in einem landwirtschaftlichen Betrieb großgeworden bin. Daher weiß ich, welche Bauernhöfe über den notwendigen Anschluss verfügen.

"Nehmen Sie doch einen Reservekanister mit"

mm: Die Landwirte haben ihnen anstandslos das Stromtanken erlaubt?

Gemmingen: Manchmal ja, manchmal nein. Ich habe den Strom immer gerne bezahlt. Eine Bäuerin hat mich trotzdem abgewiesen und erklärt, ich solle einen Reservekanister mitnehmen. Elektroautos sind vielen Menschen eben noch nicht vertraut.

mm: Wie häufig hat Sie jemand abgeschleppt?

Gemmingen: Zweimal hat mich der ADAC gerettet. Einmal war ich nur wenige Kilometer von zu Hause entfernt, aber die Anzeige für die Restreichweite hatte zunächst einen etwas zu hohen Wert angegeben. Ein anderes Mal habe ich den Gegenwind unterschätzt. Das war mein Fehler - ich habe mich oft tief in den Reservebereich hineinbegeben.

mm: Was es Ihnen peinlich an den Haken genommen zu werden?

Gemmingen: Toll war es nicht, wiederum habe ich auch gute Tips bekommen. Ich war terminlich nicht unter Druck. Die Aktion hat mich nur zwei Stunden Schlaf gekostet.

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mm: Als Achillesverse der Elektroautos gilt die Batterie. Sie ist teuer, und kaum jemand weiß, wie lange sie hält - aber Sie sollten es wissen. Also: Nach wie viel Kilometern macht sie schlapp?

Gemmingen: Der erste Akku musste nach knapp 40.000 Kilometern ausgetauscht werden, aber das war ein Garantieschaden. Der nächste hat nach 200.000 Kilometern deutlich an Kapazität verloren und musste ersetzt werden.

mm: Was hat Sie das gekostet?

Gemmingen: Gut 30.000 Euro.

mm: Damit kostet ein Kilometer im Tesla Roadster 15 Cent allein für die Batterieabnutzung. Auch wenn manche Reparatur wegfällt - ganz so günstig ist es also nicht, mit dem Elektroauto unterwegs zu sein.

Gemmingen: So lange die Batterien so viel kosten, ist das richtig. Sie werden aber billiger und besser. Und es spricht nichts dagegen, ihnen ein zweites und weniger strapaziöses Leben als Hausbatterie für die Fotovoltaikanlage zu schenken. Allerdings wollte Tesla den Akku aus meinem Auto unbedingt zurück haben.

mm: Abgeschreckt hat Sie all das nicht, Sie haben sich auch ein Model S zugelegt. Könnten Sie sich vorstellen, als nächstes Auto doch wieder einen Wagen mit Verbrennungsmotor zu kaufen?

Gemmingen: Nein, definitiv nicht.

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