Mittwoch, 29. Januar 2020

Wenn das Fahrzeug mit dem Haus redet Das Auto als Hausmeister

Smart Home: Verknüpfung von Auto und Haus
TMN

Autos sollen künftig nicht nur miteinander kommunizieren können, sondern auch mit dem Zuhause. Einige Hersteller tüfteln schon seit Jahren daran, Fahrzeuge mit Gebäuden zu verknüpfen. Jetzt gibt es eine serienreife Lösung.

Stuttgart/Köln - Der Wind peitscht gegen das Auto, die Scheibenwischer arbeiten auf Hochtouren. Draußen ist es kalt und ungemütlich. Doch der Fahrer kann sich auf eine warme Wohnung freuen - ohne dass seit Stunden die Heizung bollert. Mit einem Fingertipp im Cockpit regelt er aus dem Auto heraus die Temperatur zu Hause.

Mercedes hat kürzlich auf der Elektronikmesse CES in Las Vegas gemeinsam mit dem US-Hersteller Nest Labs ein serienreifes System für die Verknüpfung von Auto und Haus vorgestellt. Dabei wird ein spezielles Heizungsthermostat für umgerechnet rund 185 Euro von einer App im Fahrzeug aus gesteuert. Das System soll dieses Jahr in die Bordelektronik einiger Mercedes-Modelle in den USA integriert werden.

"Ein Auto funktioniert ohne Elektronik gar nicht mehr, die reine Mechanik wird immer seltener", sagt Mercedes-Entwicklungsvorstand Thomas Weber. Mercedes will deshalb seine Autos mehr vernetzen. Nicht nur untereinander, sondern auch mit dem Zuhause. Das Auto soll künftig seinen Fahrer kennen "wie einen alten Freund" - seine Verhaltensweisen, seine Gewohnheiten.

Um die Heizung zu bedienen, müssen Autofahrer aber nicht unbedingt in einem Mercedes sitzen. Heizungshersteller wie Buderus, Junkers, Vaillant und Viessmann bieten bereits Smartphone-Fernsteuerungen für die Heizung an. Und von Tado gibt es ein Austausch-Thermostat mit App-Bedienung. So kann zumindest der Beifahrer während der Fahrt die Temperatur zu Hause ändern.

Auch Backöfen und Rolläden vom Auto aus steuern

"Durch die individuelle Einstellung könnte der Gas- beziehungsweise Ölverbrauch um bis zu 15 Prozent im Jahr gesenkt werden", sagt der Kölner Heizungsbaumeister Torsten Klumpe. Räume müssen nicht durchgeheizt oder per starr definierter Zeitschaltuhr beheizt werden.

Die Heizungsregelung ist nur eine von mehreren Möglichkeiten der Vernetzung. Andere elektronische Geräte wie Backofen, Waschmaschine, Beleuchtung und Rollläden lassen sich per Smartphone-App bedienen - dem Einzug der Gerätesteuerung ins Auto steht also nichts im Wege.

Das Futurelife-Haus in Cham in der Schweiz war schon vor einigen Jahren intelligent vernetzt. Über das Navigationssystem eines 5er BMW wurden in dem modernen Gebäude Heizung, Steckdosen und somit einzelne Geräte wie Backofen und Waschmaschine an- oder gesteuert.

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