26.02.2019

Verkehrsexperte Hermann Knoflacher

"Der Autofahrer ist absolut asozial"

Von Ronja Mößbauer, "My Bike"

Messe Friedrichshafen

Eurobike Friedrichshafen: Die Leitmesse der Fahrradindustrie findet alljährlich in Friedrichshafen statt. Hier sind die spannendsten Neuheiten.

Ceramicspeed

Kette? Welche Kette? Hersteller Ceramicspeed zeigte auf der Eurobike eine Kardan-Studie mit integrierter Gangschaltung, deren Wirkungsgrad bei erstaunlichen 99 Prozent liegen soll.

DPA

Der Prototyp Cooper E Disc hat einen Carbon-Riemenantrieb und ist mit einem 250-Watt-Zehus-Nabenmotor ausgestattet.

obs

Das "Airless"-System (84,90 Euro pro Laufrad) von Schwalbe verspricht, sich nie wieder um die Luft im Reifen kümmern zu müssen - und schafft sie kurzerhand ab. Tausende kleine Kügelchen aus expandiertem thermoplastischen Polyurethan (E-TPU) füllen den Mantel. Das Material besitzt hervorragende Dämpfungs- und Rückstellkräfte. Viele tragen es schon an den Füßen: als Zwischensohle in Laufschuhen von Adidas. Im Fahrradreifen entspricht die Dämpfung ungefähr 3,5 Bar Luftdruck, sagt der Hersteller.

www.pd-f.de / Oskar Fehlau

Kein Fußballspiel ohne Ball. Damit er sicher und mit Luft am Bolzplatz ankommt, hilft der Kicker von Fahrer Berlin (19,50 Euro). Der Fußball lässt sich durch den Halter einfach und schnell mit einem Klettverschluss am Oberrohr oder unter der Sattelstütze befestigen. Der Ballhalter wird aus recycelten Werbebannern oder Lkw-Planen hergestellt und ist in unterschiedlichen Farben je nach Lieblingsverein erhältlich. Auch praktisch: Die automatische M-Wave Akku Minipumpe Elumatik USB .

Messe Friedrichshafen

Allrounder: Das Pace X von Koga eignet sich für Feldwege und Stadtfahrten

Bafang

Maserati? Baut eigentlich teure Sportwagen. Bafang? Die bauen E-Bike-Motoren. Diavelo? Baut außergewöhnliche E-Bikes. Zusammen sind alle drei mit dem Aluminiumrennrad Maserati Trofeo e-road für einen Preis bei der Eurobike nominiert, der Unternehmen für besondere Innovationen oder Qualität auszeichnet. Auch wenn der Mittelmotor bei 25 km/h abschaltet, so schnell ging es selten den Berg hoch.

Oskar Fehlau

E-Bike von Riese und Müller: Das Homage verfügt über ein ABS und eine spezielle Hinterradschwinge

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Das schlüssellose Smart-Bügelschloss 770A SmartX von Abus lässt sich über eine App und Bluetooth öffnen. Es soll 2019 herauskommen.

r-m.de | pd-f

ABS am Fahrrad: Letztes Jahr angekündigt, diesen Sommer im Verkauf. Der Hersteller Riese und Müller stattet schon lange Citybikes mit Vollfederung für Fahrer und Gepäck aus. Das Konzept nennt er Control Technology. Dazu passend hält jetzt eine ABS-Bremse das Vorderrad unter Kontrolle. Die kommt, wie der Motor, von Bosch und verhindert zuverlässig, dass das Vorderrad beim Bremsen ins Rutschen kommt oder das Hinterrad durch zu viel Bremskraft vorne abhebt.

obs

Ob für den Ausflug oder die Fahrt in die Stadt: Im Dog XL (799 Euro) von Croozer lassen sich die vierbeinigen Begleiter einfach bei der Radtour mitnehmen.

Alpina

Wie ein Fahrradhelm sicher und dabei luftig sein kann, zeigt der Fahrradhelm Altona von Alpina. Statt Kugeln wie im Airless-Reifen von Schwalbe werden hier feine Polymerröhrchen miteinander verschmolzen und bilden eine Wabenstruktur, die Energie aufnimmt und gleichzeitig viel Luft durchlässt. So viel, dass der Hersteller sogar eine Möglichkeit bietet, die Luftzufuhr zu regeln. Cool. Ach ja, eine selbsttönende Windschutzscheibe ist auch noch dran. Supercool.

Gentletent

Das ist nicht der wackelige Campingwagen des schrulligen Tüftlers von nebenan, sondern der Radanhänger B-Turtle. Dieser bietet neben Platz für großes Reisegepäck ein vollständiges Zelt mit fester Liegefläche und Vorraum mit Stehhöhe.

Gentletent

Das Luxuszelt mitsamt stabiler Liegefläche für zwei wird einfach aufgeblasen. Ohne Gepäck wiegt der Microcaravan 30 Kilo. Er kostet 2990 Euro und wird Mitte Juli ausgeliefert.

Sigma

Der Traditionshersteller Sigma war bisher für grundsolide Fahrrad-Messtechnik bekannt. Innovationen gab es woanders. Aber das ist vorbei. Der Rox 12.0 auf Android-Basis ist wasserdicht, zeigt Trainingsdaten und Navigation auf dem großen, hellen Touchscreen an und verbindet sich ab Werk mit den wichtigsten Online-Diensten Strava, GPSies und komoot per WLAN. Zum Preis von 399 EUR spielt er ganz vorne mit in der Welt der Highend-GPS-Bikecomputer.

Yuba

Trendsetter ist man 2018 mit einem Cargobike nicht mehr, was aber die Kategorie nicht schlechter macht. Im Gegenteil, die Auswahl wird immer größer und selbst eingeschworene Traditionalisten finden ihr Rad: Das Electric Boda Boda von Yuba sieht aus wie ein Hollandrad - nur mit längerem Gepäckträger. Darauf passen zwei Kinder oder Wocheneinkäufe bis 100 Kilo. Schub am Berg kommt vom Shimano-Steps-Motor.

Magura

Mit großflächigen Formen entfernen sich moderne E-Bikes immer weiter vom klassischen Fahrrad. Obendrauf sitzt leider immer noch ein Lenker, der aussieht, als hätte ein Produktmanager mit Heuschnupfen die Bedienelemente mit Schwung darauf geniest. Das darf nicht sein. Magura packt deshalb Frontlicht, hydraulische Bremsen, Display und alle möglichen Steuereinheiten zusammen in eine elegant gezeichnete Carbonform und macht so aus dem E-Bike ein stimmiges Designobjekt.

E-Bike-Manufaktur

Das FR8 (Fracht/Freight) der e-bike Manufaktur ist ein klassischer Long-John: mit Tiefeinstieg und Ladefläche zwischen Lenker und Vorderrad - allerdings von Anfang an als E-Bike konstruiert: Der Continental-Motor mit integrierter Automatikschaltung sitzt tief unter dem Einstieg, bis zu zwei Akkus mit zusammen 1.200 W/h Leistung verstecken sich vorne im Rahmen. Auf Wunsch gibt es das Rad auch mit fest eingebauter Connect-Diebstahlsicherung, ab 5.999,90 Euro.

Messe Friedrichshafen

Trend Fahrradurlaub: Fürs Bikepacking gab es auf der Eurobike viele neue Produkte. Hier Taschen von Ortlieb.

Messe Friedrichshafen

Das Packster 40 von Riese und Müller bietet Platz für Kind, Bär und Bier.

Shimano

Zwölf Gänge am Hinterrad und nur ein Kettenblatt vorne. Damit forderte Sram vor zwei Jahren den Schaltungs-Marktführer Shimano heraus. Der zieht jetzt nach und legt mit der neuen XTR im Vergleich zur Konkurrenz noch einen Zahn zu. Über 51 Zähne verfügt das größte Ritzel, aber das allein ist bestimmt kein Kaufgrund. Schon eher die neue Scylence-Nabe. Deren Freilauf besitzt schräge Zähne, die, wenn sie nicht belastet werden, von einer Feder auseinandergedrückt werden. Der Effekt: lautloses Gleiten über die Trails.

Messe Friedrichshafen

20 Bike-Start-ups stellen dieses Jahr auf der Eurobike ihre Innovationen vor. Eine davon ist die Patronace-Jacke aus München. Mit der GRDXKN-Technology werden verstärkende Elemente direkt auf den Stoff gedruckt. Anschließend ist die Jacke reiß- und abriebfest. Genau, was man im urbanen E-Bike-Dschungel braucht. Der Nebeneffekt sind einzigartige dreidimensionale Muster, die jede Steppjacke alt aussehen lassen. Der Preis ist noch nicht bekannt.

Messe Friedrichshafen

Nostalgieräder sind beliebt, aber dazu braucht man den passenden Helm. Wer mag, trägt also Mützenoptik mit Wollüberzug.

Marin Bikes

Flacher Lenkerwinkel, kurzer Vorbau, langes Oberrohr. Das sind Merkmale, die moderne, vollgefederte Trail-Mountainbikes ausmachen. Nur die sind für Einsteiger oft zu teuer. Für die und für Leute, die ein Rad für größtmöglichen Spaß bei einfacher Handhabung suchen, hat Marin das Konzept aufs Hardtail übertragen. Das San Quentin rollt auf dicken Reifen (27,5 x 2,60 Zoll) stabil über schnelle Trails und liegt bei Sprüngen gut in der Luft. Bei 849 EUR gehts los. Für 1249 gibt's zwei Gänge mehr und die notwendige verstellbare Sattelstütze.

Hermann Knoflacher (78) ist der geistige Vater der weitgehend autofreien Wiener Innenstadt. Der Professor für Verkehrswissenschaften bezeichnet das Auto als Virus, dessen Geschwindigkeit dem Menschen keinerlei Nutzen bringt.

Professor Knoflacher, in den Siebzigerjahren revolutionierten Sie die Verkehrsplanung der Stadt Wien. Damals zählte Ihr "Gehzeug" zu den kreativen Ideen, um Menschen von der Notwendigkeit für Veränderungen zu überzeugen. Was ist das?

Knoflacher: Es ist ein Rahmen, der wie ein normales Mittelklasseauto aussieht. Fußgänger können diesen Rahmen mit der Hilfe eines Gurtes tragen. Dabei wird auf einen Blick deutlich, wie absurd der Flächenverbrauch eines Autos ist. Heute ist der Rahmen weltweit im Einsatz: in Kalifornien, Paris, in der Türkei. Es gibt fast kein Land, wo das Gehzeug an autofreien Tagen nicht irgendwo unterwegs ist. Es macht vor allem Kindern riesigen Spaß. Ich unterrichte an Kinder-Unis in Wien und Steyr, und wenn wir dort mit dem Gehzeug unterwegs sind, passen ungefähr 20 Kinder hinein. Daran sieht man, wie viel Platz jedes Auto den Kindern wegnimmt.

Als Sie in Wien das Auto zurückdrängten, mussten Sie vermutlich einige Widerstände überwinden?

Die Zahl der Gegner war natürlich enorm. Doch die verkehrsplanerischen Maßnahmen von damals haben bis heute Erfolg. Früher fuhren in Wien 120.000 Autos durch die Innenstadt. Jetzt ist es nicht angebracht, morgens nach zehn Uhr mit dem Auto dort aufzutauchen. Denn dann sind 100.000 Fußgänger unterwegs.

Was ist das größte Verkehrsproblem unserer Zeit?

Dummheit.

Erklären Sie uns das etwas genauer?

Die Menschen begreifen nicht, dass das Auto sie in eine völlig andere Raum-Zeit-Dimension katapultiert, die sie nicht verstanden haben. Sie fühlen sich gut, während sie die Natur zerstören, die Landschaft zerstören, die Städte zerstören, die Wirtschaft zerstören. Das sind langsame Prozesse, die viele nicht bemerken. Dazu kommt, dass das Auto Menschen mit nachhaltigen Verkehrsmitteln den Boden entzieht, indem es den öffentlichen Raum zur lebensgefährlichen und ungesunden Umwelt macht.

Warum fährt der Mensch überhaupt so gerne Auto?

Er fühlt sich stark und überlegen durch die Kraft des Autos. Dazu kommt, dass unsere Welt auf das Auto ausgelegt wurde und alle anderen Mobilitätsbedürfnisse unterdrückt. In einer solchen Umgebung ist es natürlich logisch, dass jeder Mensch mehr oder weniger zum Autofahren gedrängt wird - sogar gezwungen wird. Es macht deshalb keinen Sinn, auf jemanden mit dem Finger zu zeigen, der Auto fährt. Wir müssen die Bedingungen fürs Autofahren verändern.

Eines Ihrer Bücher trägt den Titel "Virus Auto". Sie meinen also, dass Autos krank machen?

Ein Virus manipuliert die Zelle, in die es aufgenommen wurde, damit diese nicht mehr für den Organismus arbeitet, sondern sich auf die Reproduktion der Erbinformation der Viren beschränkt. Das Gleiche passiert auch mit der menschlichen Gesellschaft. Diese plant und baut nicht mehr Städte für Menschen, sondern für das Auto.

Nutzen Sie niemals ein Auto?

Wenn ich etwas Großes transportieren muss, organisiere ich ein Auto. Normalerweise aber gehe ich zu Fuß und fahre mit dem öffentlichen Verkehr oder dem Rad. Letzteres verbotenerweise seit meinem vierten, fünften Lebensjahr, da habe ich das Fahrrad meiner Mutter entwendet. Später bin ich eigentlich immer beim Rad geblieben, auch als ich den Führerschein gemacht hatte. Heute bewege ich mich mit den drei umweltfreundlichen Verkehrsmitteln fort: meinen Beinen, meinem Rad und dem öffentlichen Verkehr.

Wie sieht Ihr Bild einer idealen Mobilität aus?

Alle Menschen würden sich darin frei bewegen. Wir sind Zweibeiner, also würden wir gehen. Für längere Fußwege bräuchten wir zusätzlich das Fahrrad, um mit eigener Körperkraft voranzukommen. Größere Entfernungen legten wir in dieser idealen Welt nicht mit dem Auto, sondern mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurück.

In den meisten Städten ist der Verkehr völlig anders organisiert. Was muss sich ändern?

Wir müssen passende Strukturen schaffen. Denn: Wenn es angenehm ist, nur zu Fuß zu gehen, dann geht man zu Fuß; wenn es angenehmer ist, Rad zu fahren und zu Fuß zu gehen, dann fährt man Rad und geht zu Fuß; wenn es am angenehmsten ist, mit dem öffentlichen Verkehr, dem Rad und als Fußgänger unterwegs zu sein, dann entsteht der sogenannte Umweltverbund aus Fahrrad-, Fußgänger- und öffentlichem Verkehr.

Welche Fortbewegungsart hat Vorrang?

Das Gehen erhält oberste Priorität, das Rad mit seinen 12 bis 13 km/h Reisegeschwindigkeit steht an zweiter Stelle. Für höhere Geschwindigkeiten gibt es den öffentlichen Verkehr. Aber meistens brauchen wir keine höheren Geschwindigkeiten.

Aber hohe Geschwindigkeiten ersparen uns doch Zeit?

Leider nein. Wenn die Geschwindigkeiten steigen, werden nur die Wege länger, doch die investierte Zeit bleibt gleich. Ein Beispiel: Wir fahren weite Wege, um dieselben Dinge einzukaufen, die es auch im kleinen Laden um die Ecke gibt. Das Problem an der Sache ist: Hohe Geschwindigkeiten zerstören kleine Strukturen. Gibt es keine Geschäfte mehr in der Nähe, muss man weiter fahren. Auf diese Weise verändert das Auto die Wirtschaftsstruktur, die Stadtstruktur und soziale Beziehungen. Diese weitreichende Wirkung hat man in der Verkehrsplanung und -politik aber nicht begriffen.

Welches wären aus Ihrer Sicht die wichtigsten verkehrsplanerischen Maßnahmen?

Die Änderung der Bauordnung, der Finanzordnung und der Lehre. Das Auto muss aus den Städten entfernt und am Rand abgestellt werden. Der Autofahrer muss für seine Kosten selbst aufkommen, was in den Städten Parkgebühren von 300 Euro und mehr pro Monat ausmacht. Wohnen, Arbeiten, Einkauf und alle übrigen Aktivitäten der Menschen sollten vom Zwang zum Autofahren befreit werden. Dazu müssen die Autoabstellplätze aus den Wohnsiedlungen ausgelagert werden. In den Siedlungen gibt es dann nur noch Autos für Liefer- und besondere Einsatzfahrten mit moderater Geschwindigkeit.

An manchen Orten gibt es viel beachtete Versuche mit kostenlosem öffentlichem Verkehr. Eine gute Lösung?

Das sind trickreiche Versuche, um weiterhin das Auto zu subventionieren. Man sollte nicht den öffentlichen Verkehr kostenlos anbieten, sondern jeder Verkehrsträger sollte die Kosten tragen, die er verursacht. Kaum jemand würde dann noch mit dem eigenen Pkw fahren.

Welche Kosten sollten demnach Autofahrer tragen?

Autofahrer nutzen kostenlos öffentliche Flächen in einem riesigen Ausmaß. Sie dürfen schnell fahren und ihr Fahrzeug an vielen Orten kostenlos abstellen. Das Auto erhält eine Menge an Subventionen, die es sehr attraktiv erscheinen lassen. Jeder Autofahrer erhält einige Hundert Euro im Monat geschenkt allein dadurch, dass man ihm Kosten des Autos nicht anlastet. Wer würde das ablehnen? Dazu kommt: Die Gewinne der Automobilindustrie sind die Defizite des Staates, zum Beispiel im öffentlichen Verkehr und im Sozialsystem. Das Geld der Steuerzahler wird in die Taschen der Konzerne umgelagert.

Was leistet Radfahren für unsere Gesellschaft?

Radverkehr hält Städte zusammen, schützt die lokale Wirtschaft und schafft lokale Arbeitsplätze. Radfahren ist gesund, ökologisch verträglich, sozial verträglich und ökonomisch verträglich - wenn man es als ernstes Verkehrsmittel behandelt, was bei Weitem nicht der Fall ist. Radfahrern wird bewusst, wie furchtbar die Welt durch das Auto wird. Und sie beginnen, ihren Lebensraum, den Lebensraum ihrer Kinder und auch die Natur zu verteidigen. Autofahrer fahren einfach weg und suchen sich einen Platz, von dem sie glauben, dort wäre es schöner. Der Autofahrer ist absolut asozial. Er merkt es nur nicht.

Wann ist das Fahrrad in der Praxis das beste Fortbewegungsmittel?

Im städtischen Gebiet bei Entfernungen bis zu fünf oder sechs Kilometern ist das Rad oft schneller als ein öffentliches Verkehrsmittel. Abgesehen davon gilt: Der öffentliche Verkehr ist ab zwölf km/h das effizienteste Verkehrsmittel. Bis zu vier oder fünf km/h ist es der Fußgänger. Dazwischen liegt die Nische des Radverkehrs, der einen großen Teil der städtischen und auch der ländlichen Mobilität abdecken kann. Aber man braucht entsprechende Anlagen dafür. Diese kann man aus den Anlagen des Autoverkehrs gewinnen, die ja ohnehin viel zu groß sind. Ein Beispiel: Geparkte Autos von der Oberfläche entfernen, dann haben Räder sofort jede Menge Platz.

Geben Pedelecs dem Radverkehr nicht zusätzlichen Aufwind?

Das sind im Wesentlichen individuell motorisierte Verkehrsteilnehmer. Sie sind okay, wenn man das Auto ersetzen will, und auch für ältere oder weniger sportliche Menschen, die Höhenunterschiede überwinden wollen. Als allgemeines Verkehrsmittel sind diese Räder aber nicht besser als alle anderen Verkehrsmittel, die durch zusätzliche Energie angetrieben werden. Alles, was unserer Bequemlichkeit dient im Verkehr, belastet meistens die Umwelt oder andere Menschen. Ich weiß, das wird die Pedelec- und E-Bike-Freunde nicht gerade begeistern.

Wie kann der Fahrradverkehr gefördert werden?

In Österreich gibt es Kilometergeld für Radfahrten und nicht nur für das Auto. Genau genommen ist es relativ einfach: Man fördert den Fahrradverkehr, indem man Autofahrern das Kilometergeld streicht und sie es nicht mehr von der Steuer absetzen dürfen. Außerdem sollten die Dienstfahrzeuge gestrichen werden, die als indirekte Lohnabgabe über den Betrieb verrechnet werden. Das ist Steuerbetrug von zwei Seiten. Zusätzlich muss man Fahrradabstellmöglichkeiten schaffen, Radwege ausbauen und Gesetze erlassen, die dem Rad entsprechende Priorität geben gegenüber allem, was nicht Fußgänger ist - ausgenommen dem öffentlichen Verkehr.

Zurück zu Ihrem Gehzeug: Das ist eine wunderbare Idee. Wie sähe eine passende Imagekampagne fürs Radfahren aus?

Aus Paris und Kalifornien habe ich Bilder zugeschickt bekommen, wo Kollegen das Gleiche mit dem Fahrrad machen. Das ist aber ein bisschen gefährlich, einige geschickte Burschen schaffen es dennoch auch beim Fahren. Fürs Fahrrad brauchen wir aber gar keine Werbung. Radfahren macht allen Menschen Spaß. Sie brauchen dazu lediglich Platz und ein sicheres Umfeld.

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