Donnerstag, 23. Mai 2019

Verkehrsexperte Hermann Knoflacher "Der Autofahrer ist absolut asozial"

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Gentletent

3. Teil: "Der Autofahrer ist absolut asozial. Er merkt es nur nicht"

Was leistet Radfahren für unsere Gesellschaft?

Radverkehr hält Städte zusammen, schützt die lokale Wirtschaft und schafft lokale Arbeitsplätze. Radfahren ist gesund, ökologisch verträglich, sozial verträglich und ökonomisch verträglich - wenn man es als ernstes Verkehrsmittel behandelt, was bei Weitem nicht der Fall ist. Radfahrern wird bewusst, wie furchtbar die Welt durch das Auto wird. Und sie beginnen, ihren Lebensraum, den Lebensraum ihrer Kinder und auch die Natur zu verteidigen. Autofahrer fahren einfach weg und suchen sich einen Platz, von dem sie glauben, dort wäre es schöner. Der Autofahrer ist absolut asozial. Er merkt es nur nicht.

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Dieses Interview erschien zuerst in:

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Wann ist das Fahrrad in der Praxis das beste Fortbewegungsmittel?

Im städtischen Gebiet bei Entfernungen bis zu fünf oder sechs Kilometern ist das Rad oft schneller als ein öffentliches Verkehrsmittel. Abgesehen davon gilt: Der öffentliche Verkehr ist ab zwölf km/h das effizienteste Verkehrsmittel. Bis zu vier oder fünf km/h ist es der Fußgänger. Dazwischen liegt die Nische des Radverkehrs, der einen großen Teil der städtischen und auch der ländlichen Mobilität abdecken kann. Aber man braucht entsprechende Anlagen dafür. Diese kann man aus den Anlagen des Autoverkehrs gewinnen, die ja ohnehin viel zu groß sind. Ein Beispiel: Geparkte Autos von der Oberfläche entfernen, dann haben Räder sofort jede Menge Platz.

Geben Pedelecs dem Radverkehr nicht zusätzlichen Aufwind?

Das sind im Wesentlichen individuell motorisierte Verkehrsteilnehmer. Sie sind okay, wenn man das Auto ersetzen will, und auch für ältere oder weniger sportliche Menschen, die Höhenunterschiede überwinden wollen. Als allgemeines Verkehrsmittel sind diese Räder aber nicht besser als alle anderen Verkehrsmittel, die durch zusätzliche Energie angetrieben werden. Alles, was unserer Bequemlichkeit dient im Verkehr, belastet meistens die Umwelt oder andere Menschen. Ich weiß, das wird die Pedelec- und E-Bike-Freunde nicht gerade begeistern.

Wie kann der Fahrradverkehr gefördert werden?

In Österreich gibt es Kilometergeld für Radfahrten und nicht nur für das Auto. Genau genommen ist es relativ einfach: Man fördert den Fahrradverkehr, indem man Autofahrern das Kilometergeld streicht und sie es nicht mehr von der Steuer absetzen dürfen. Außerdem sollten die Dienstfahrzeuge gestrichen werden, die als indirekte Lohnabgabe über den Betrieb verrechnet werden. Das ist Steuerbetrug von zwei Seiten. Zusätzlich muss man Fahrradabstellmöglichkeiten schaffen, Radwege ausbauen und Gesetze erlassen, die dem Rad entsprechende Priorität geben gegenüber allem, was nicht Fußgänger ist - ausgenommen dem öffentlichen Verkehr.

Zurück zu Ihrem Gehzeug: Das ist eine wunderbare Idee. Wie sähe eine passende Imagekampagne fürs Radfahren aus?

Aus Paris und Kalifornien habe ich Bilder zugeschickt bekommen, wo Kollegen das Gleiche mit dem Fahrrad machen. Das ist aber ein bisschen gefährlich, einige geschickte Burschen schaffen es dennoch auch beim Fahren. Fürs Fahrrad brauchen wir aber gar keine Werbung. Radfahren macht allen Menschen Spaß. Sie brauchen dazu lediglich Platz und ein sicheres Umfeld.

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