Ikone des Hippie-Kults: Der Bulli von Volkswagen
Ikone des Hippie-Kults: Der Bulli von Volkswagen
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Volkswagen Nutzfahrzeuge

Caravaning Bullis, Wohnautos und glamouröse Raumwunder

Das Reisen mit Wohnmobil oder Campinganhänger ist nicht nur ein bedeutender Teil der deutschen Automobilentwicklung, sondern auch der Kulturgeschichte. Der Bildband "In der Welt unterwegs" blickt auf den Traum vom Reisen im mobilen Heim zurück.
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Die naturbegeisterte Wandervogelbewegung hatte schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts den Nährboden fürs Camping geschaffen. In den 30er Jahren kommt das Auto ins Spiel und der Trend mündete im ersten Wohnwagen-Boom. Mit der Tourismuswelle der Nachkriegszeit erlebt das Caravaning schließlich den Durchbruch. Für betuchtere Freiheitsuchende baut die Mindener Edelmarke MIKAFA in den frühen 50er Jahren luxuriöse Wohnanhänger. Einer der Kunden war Haribo-Gründer Hans Riegel, der mit seinem Reisemobil und Rennboot am Gardasee urlaubte.

Foto: Hermann Hajek MIKAFA-Archiv
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Als Volkswagen 1950 seinen T1 in die Serienproduktion gab, dachte man dabei noch nicht an touristische Einsatzzwecke. Der Transporter wird zum Erfolgsmodell des Wirtschaftswunders, bis 1967 wird er 1,8 Millionen Mal hergestellt. Bekanntermaßen liefert der Bulli bald nicht nur Waren aus, sondern kutschiert Familien zum Sonntagsausflug und in die Ferien.

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Volkswagen Nutzfahrzeuge

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Eine Lösung für Motorcamping-Begeisterte mit kleinerem Budget wird in den USA erfunden: das Dachzelt. Italienische Hersteller wie Stogl oder Dionisio setzen das Schlafen auf dem Autodach in Europa durch. Die Camper der DDR stattete Gerhard Müller mit seinen begehrten Dachzelten aus, die unter dem liebevollen Spitznamen "Pension Sachsenruh" in die Geschichte eingingen. Die Fernsehkomödie "Go Trabi Go" (Filmszene im Bild) hält die Erinnerung für die Ewigkeit fest.

Foto: ARD Degeto
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Die Firma Westfalia war es, die den VW-Transporter campingfähig machte. Zunächst fertigte der Karosseriebauer eine "Camping-Box", mit der die Ladefläche des T1 zum Schlafzimmer wurde. Im Laufe der 50er Jahre werden die VW-Busse immer mehr zu Wohnmobilen umgerüstet und ab 1957 kann der Westfalia-De-luxe-Camper schließlich offiziell direkt beim Volkswagen-Händler bestellt werden. Der Bulli als mobiles Blechzelt wird zur Ikone des Hippie-Kults.

Foto: Volkswagen Nutzfahrzeuge
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Deutschlands modernster Caravan heißt in den 60er Jahren Suleica. Glasfaserverstärktes Polyesterharz ist der neue Wunderwerkstoff für die Superleichtbauten. Ferdinand Schäfer formt den Kunststoff zu einer fugenlosen Karosserie und richtet sie komfortabel ein. Sein Wohnwagen liegt mit 580 Kilogramm deutlich unter dem Schnitt seiner Zeit. Ein Verkaufsschlager wurde die Suleica dennoch nicht, schon die Basisversion war mit 7900 D-Mark so teuer wie ein Mittelklassewagen.

Foto: Fritz B. Busch Nachlass
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Mit Kind und Kegel ins Grüne: Die Firma Bürstner aus Kehl stellt in den 60er Jahren zunächst den kompakten und nur 380 Kilogramm schweren Camping-Anhänger Delphin her. Auch das größere Modell Flipper (im Bild) von 1974 wird sofort zum Erfolg – offenbar überzeugt auch die Werbung für Service in allen wichtigen Urlaubsländern. Das Werk des Betriebs wächst rasant und wird 1998 von der Hymer-Gruppe übernommen.

Foto: Bürstner
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Eine klassische Garagenkarriere hat die Firma Hobby durchlebt. 1965 beginnt Harald Striewski mit von seiner Tante geliehenen 3000 Mark mit dem Bau seines ersten eigenen Wohnwagens – und verkauft diesen anschließend für 6000 Mark. Wenig später wird die Hobby-Wohnwagenwerk GmbH gegründet und die erste Produktionshalle gebaut. Das Geschäft läuft so gut, dass Hobby 1983 der größte Wohnmobilhersteller der Bundesrepublik ist.

Foto: Hobby
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Immer mehr Annehmlichkeiten machen sich in der Campingwelt breit und werden nicht mehr nur für die Reichsten erschwinglich. So kommt der Motorcaravan in den 70ern in der Mitte der Gesellschaft an. Die vollintegrierten Hymer-Mobile bieten Raumkomfort der Oberklasse zu relativ günstigen Preisen. Die Marke wird zum Synonym für gut gebaute Reisemobile.

Foto: Hymer
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"Freiheit auf vier Rädern" verspricht in den späten 70er Jahren auch Mercedes-Benz mit seinen Bremer Transportern. Die leichten Nutzfahrzeuge werden zur Basis verschiedener Kooperationen mit Reisemobilherstellern. So baut etwa die Firma FFB ("Freizeit Fahrzeug Bau") aus Blankenheim, eine Branchengröße der frühen 80er Jahre, aus dem Bremer ihren MC 82: einen Raumriesen mit zwei Sitzgruppen und Hubbett.

Foto: Archiv Christian Steiger / Daimler
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Die Firma Niesmann + Bischoff aus der Eifel stieg als Importeur von US-amerikanischen Reisemobilen ins Geschäft ein. 1981 kommt schließlich ihr erstes eigenes Highend-Wohnmobil unter dem Namen Clou auf den Markt. Besondere Aufmerksamkeit erregte die glamouröseste Ausführung, der Clou Liner auf MAN-Chassis mit eigener Garage für einen Kleinwagen. Beliebter sind die kleineren Clou-Camper, deren Basis aus dem Hause Volkswagen oder Iveco stammt.

Foto: Delius Klasing / Niesmann + Bischoff
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In der Welt unterwegs: Die Geschichte des Caravanings

Herausgeber: ‎ Delius Klasing Verlag, September 2021
Autoren: Christian Steiger, Thomas Wirth
Hardcover, 296 Seiten, 39,90 Euro

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Foto: Delius Klasing 2021
cs