Montag, 20. Mai 2019

Automobile Sonderlinge Einfach unverwechselbar

Exoten auf Rädern: Automobile Sonderlinge
BMW AG/dpa-tmn

Ferdinand Filter hat mit seinem Auto viel einstecken müssen. Denn seit der Norddeutsche eine Fiat Multipla fährt, gab es wegen des skurrilen Designs des italienischen Vans immer wieder dumme Sprüche von Passanten. Seiner Begeisterung hat das keinen Abbruch getan. Im Gegenteil: Filter fährt seinen "Walfisch auf Rädern" mit Stolz und Liebe und lobt bis heute das effiziente Raumkonzept.

Mittlerweile hat er viele Gleichgesinnte um sich geschart. Denn der Rendsburger ist Mitglied im Ersten Multipla Fiat Club Deutschland und lässt schon deshalb auf den italienischen Sonderling nichts kommen. "Man hasst ihn oder man liebt ihn", sagt er und lässt keinen Zweifel, zu welcher Fraktion er gehört: "Die Multipla mag futuristisch sein. Aber es gibt wenige Autos, die so durchdacht sind", lobt er den Van mit sechs Sitzen in zwei Reihen und dem eigenwilligen Fischgesicht.

Die Autogeschichte ist voll von solchen Fahrzeugen, die zu ihrer Zeit nie sich richtig vom Markt angenommen wurden und es später trotzdem zu begehrten Liebhabern gebracht haben - wenn auch häufig nur in einem kleinen Kreis. Dazu zählen berühmte Beispiele wie die gesamte Modellpalette der 1958 eingeführten Ford-Marke Edsel, genauso wie der Renault Börsen-Chart zeigen Avantime (2001-2003) als futuristische Luxusausgabe der Großraumlimousine Espace, der VW Golf Country (1991-1992) als Vorläufer der aktuellen SUV-Welle oder der BMW Z1 (1989-1991) mit seinen eigenwilligen versenkbaren Türen.

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Und selbst Volumenmodelle wie die zweite Generation des Ford Scorpio (1994-1998), der Fiat Regata (1983-1990) oder der Opel Signum (2003-2005) tun sich in der Szene bisweilen schwer.

Das ist kein Wunder, sagt der Design-Professor Paolo Tumminelli aus Köln und zitiert den legendären Designer Raymond Loewy: "Hässlichkeit verkauft sich schlecht." Schon er habe erkannt, dass Produkte, die zu neu aussähen und damit ganz anders seien, die meisten Kunden abstoßen. "In diesem Sinne ist Schönheit immer Mittelmaß", sagt Tumminelli. Hässlichkeit ist für ihn polar und ambivalent: "Entweder wirklich ästhetisch ungünstig (letzter Fiat Croma) oder konzeptionell unverständlich (Fiat Multipla) - oder beides (Mercedes R-Klasse)."

Allerdings liege darin auch eine Chance, ist der Design-Professor überzeugt: Tumminelli glaubt, dass viele Menschen bewusst die von Medien und der Masse propagierten Trends ablehnen und dies durch unkonventionelle Kaufentscheidungen ausdrücken: Hässlichkeit bedeute ihnen Freiheit. Zwangsläufig ergebe sich daraus eine Fangemeinde derjenigen, die sich dem Mainstream - bewusst oder unbewusst - entziehen.

Design-Professor Lutz Fügener von der Hochschule Pforzheim macht an Fahrzeugen wie diesen zudem den Unterschied zwischen Schönheit und Attraktivität fest, die man bei der Bewertung eines Autos nicht verwechseln dürfe: "Es ist die Attraktivität, die ein Produkt verkauft." So gab es durchaus Autos, bei denen man einen Konsens über ihre Schönheit erreichen kann, die jedoch als Produkt nicht attraktiv genug waren, um sie erfolgreich zu verkaufen, sagt Fügener und nennt als Beispiel den 2005 präsentierten Alfa Brera.

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