Freitag, 20. September 2019

Auto-Klassiker reloaded Voltimer, Everytimer und Neuauflagen

Retro-Autos: So schön wie alt, nur neu
Jaguar/Land Rover/dpa-tmn

Sie mögen Käfer, Bulli oder andere Klassiker? Aber selber schrauben und ölverschmierte Hände sind nicht so Ihr Ding? Und zuverlässig soll der Oldie auch noch sein? Dann dürfte Sie die Geschichte von Michael Käs interessieren.

Der junge Automechaniker aus Welden bei Augsburg ist in einem Betrieb aufgewachsen, der sich Wartung und Pflege von BMW-Oldtimern verschrieben hat. Und vom BMW 2002 schwärmt er schon seit Kindertagen. Doch obwohl oder vielleicht gerade weil Käs vom Fach ist, will er von einem Oldtimer trotzdem nichts wissen.

Zu anfällig die Technik und zu abgespeckt die Ausstattung, als dass ihm ein bald 50 Jahre alter BMW für den Alltag taugen würde. Deshalb hat er kurzerhand einen 02er mit moderner Technik nachgebaut und dafür über ein vergleichsweise aktuelles 2er Cabrio aus den Jahren vor 2013 eine neue Karosserie gestülpt.

"Die ist inspiriert von den klassischen Formen von einst, aber komplett aus Carbon gefertigt", sagt Käs. Er nennt das Ergebnis Everytimer, weil es das beste aus beiden Epochen vereine. "Es bietet moderne und zuverlässige Technik, ist komfortabel und sicher und hat trotzdem den Charakter eines Klassikers." Weil sich während der Arbeit an dem Projekt immer mehr Menschen dafür interessiert haben, will er den Nachbau jetzt in Kleinserie produzieren.

Für Preise ab 70.000 Euro plus 10.000 bis 20.000 Euro für das Basisfahrzeug und drei Monate Geduld für den Umbau gibt es den Everytimer künftig zu kaufen, sagt Käs. Er will es dabei nicht belassen: Auf Basis des neuen Z4 will er dem legendären BMW 507 neues Leben einhauchen und den Roadster, mit dem zum Beispiel Elvis unterwegs war, ebenfalls zu einem bezahlbaren Alltagsauto machen.

So wie Käs versuchen gerade viele den Spagat zwischen Gestern und der Gegenwart. Mechatronik aus Pleidelsheim bei Stuttgart etwa nimmt dafür sogar originale Oldtimer der Mercedes-Baureihen W 111 und W 113 für große Coupés und Cabrios oder des 190 SL Roadsters und montiert unter die komplett restaurierten Karossen deutlich jüngere Motoren und Fahrwerkskomponenten von Mercedes oder dem Werkstuner AMG.

Auch die Fahrzeughersteller selbst schlachten ihr Erbe weidlich aus - insbesondere in England: Sowohl Jaguar als auch Aston Martin bauen sogenannte Continuation-Modelle etwa vom Rennwagen D-Type oder dem DB4 GT und verkaufen sie als Neuwagen mit alter Technik und modernsten Qualitätsstandards. Und Land Rover kauft weltweit alte Geländewagen der Serie 1 auf, die komplett im Werk restauriert und dann mit dem Qualitätsstand eines Neuwagens verkauft werden.

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