Donnerstag, 5. Dezember 2019

Versteigerungen Warum Oldtimer-Auktionen so reizvoll sind

...und zum Dritten, verkauft! Der Reiz von Oldtimer-Auktionen
TMN

38,1 Millionen Dollar für einen Ferrari und an einem guten Wochenende schnell mal über 400 Millionen Dollar Umsatz: Auto-Aktionen boomen, und die Branche meldet Rekorderlöse. Aber Versteigerungen sind nicht nur für Luxus-Raritäten die richtige Plattform.

Monterey/Gütersloh - Hochspannung im Zelt, von den über 1000 Anwesenden sagt keiner ein Wort. Nur Robert Brooks redet von der Bühne wie ein Wasserfall auf sie ein. Er ist der Zeremonien-Meister an diesem Sommerabend am Rande des berühmten Oldtimer-Concours von Pebble Beach auf der kalifornischen Halbinsel Monterey.

Und als Chef des britischen Auktionshauses Bonhams versteigert Brooks gerade einen Ferrari 250 GTO aus dem Jahr 1962. Als am Ende bei 38,1 Millionen Dollar der Hammer fällt, ist der rote Renner aus Maranello der teuerste Oldtimer aller Zeiten - und Brooks hat buchstäblich mit einem Schlag Millionen Dollar gemacht.

Das kommt in jüngster Zeit häufiger vor: "Die Oldtimerpreise gehen gerade durch die Decke", sagt Dietrich Hatlapa, der in London den Marktindex Hagi erstellt und für die vergangenen fünf Jahre eine Verdopplung seines Kursbarometers meldet. Kaum ein Auktionswochenende vergeht, ohne dass die Branche neue Rekorderlöse meldet:

Allein in Pebble Beach wurden dieses Jahr 1200 Autos für zusammen 400 Millionen Dollar verkauft, mehr als ein Dutzend zu einem siebenstelligen Preis. Und bei der Villa d'Este in Como, bei den Versteigerungen zum London-Brighton-Run Anfang November oder im Umfeld der Oldtimer-Messe Techno Classica in Essen sieht es ähnlich aus.

Auktionen sind ein Spektakel für jeden Autofan

"Der Grund dafür ist einfach", sagt Alain Squindo vom kanadischen Auktionshaus RM: "Es gibt keine ehrlichere Handelsplattform als eine Versteigerung." Zwar räumt er ein, dass man dort selten ein echtes Schnäppchen oder gar einen Zufallsfund machen könne. "Doch sobald mehr als ein Bieter im Spiel ist, kann man automatisch mit einem marktgerechten Preis rechnen." Außerdem müsse man nicht erst lange Kleinanzeigen und Internetplattformen durchstöbern, könne Hunderte Autos auf einmal anschauen und bekomme in der Regel eine perfekte Dokumentation zur Historie und dem technischen Zustand eines Wagens.

In die Schlagzeilen schaffen es zwar nur sündhaft teure PS-Raritäten. Aber Auktionen sind nicht nur ein Spektakel für millionenschwere Sammler, sondern auch für Autofans mit schmalerem Budget, sagt Oldtimer-Experte James Knight aus der Bonhams-Zentrale in London. "Nicht nur, weil so ein Abend einen hohen Unterhaltungswert hat."

In den Katalogen finden sich neben ein paar Millionenstücken oft Dutzende Oldtimer in bürgerlicheren Preisklassen: "Bei vielen unserer Auktionen liegen 30 bis 40 Prozent der Fahrzeuge unter 50.000 Euro und 15 Prozent unter 20.000 Euro", so Knight. Dort machten die Gebote auch nicht so radikale Sprünge.

Unter den halbwegs bezahlbaren Klassikern stehen Knights Einschätzung zufolge britische und italienische Sportwagen aus den 50er und 60er Jahren hoch im Kurs, beispielsweise der MGB, Triumph TR, Alfa Romeo GT Junior und Lancia Fulvia. Dazu kämen 80er-Jahre-Ikonen vom Schlag des ersten VW Golf GTI oder Mazda MX-5, des Datsun Z und Honda NSX. "Die alten Engländer und Italiener werden von jenen gekauft, die von Jaguar, Aston Martin, Ferrari oder Maserati träumen, sich solche Autos aber nicht leisten können", so Knight. Und die Flitzer aus den 80ern zeugten vom Generationswechsel in der PS-Szene: "Das sind die Autos, von denen der Sammlernachwuchs in der Kindheit geträumt hat."

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