Samstag, 20. Juli 2019

Tipps für den Oldtimerkauf Blecherne Liebe

Neun Ferraris, ein Ford: Die teuersten Oldtimer 2014
classic-analytics; Foto: RM Auctions

Viele Autos jenseits der 30 sind noch richtig alltagstauglich. Aber wer sich auf einen Oldtimer einlässt, muss mit Risiken rechnen. Hier sind Tipps von Experten, wie man das richtige Altblech findet.

Berlin/Lippstadt - Autokauf ist Vertrauenssache. Oldtimerkauf erst recht. Denn im Gegensatz zu neuen Fahrzeugen aus frisch geputzten Verkaufsräumen haben historische Fahrzeuge mindestens 30 Jahre auf dem Buckel und sind viel bewegt worden - mit den entsprechenden Folgen für Blech und Technik. Das scheint aber immer weniger Interessenten abzuschrecken.

Laut dem Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) waren Ende 2011 rund 231.000 Autos mit historischen Kennzeichen (H) angemeldet, Ende 2013 waren es 314.000. Dabei grasen Autoliebhaber, die sich einen Jugendtraum erfüllen wollen, den Markt genauso ab wie Investoren auf der Suche nach neuen Anlageobjekten. Anlaufstellen sind Gebrauchtwagenbörsen wie mobile.de, autoscout24.de und autotrader.com, aber auch Kleinanzeigen in Oldtimerzeitschriften, Auktionsbörsen oder Oldtimermessen.

Die Oldtimerplattform Classic Trader etwa bietet detaillierte Fahrzeugbeschreibungen, bei denen interne Baureihen angegeben werden, Fahrgestell-, Motor- und Getriebenummern oder Herstellerfarbbezeichnung der Lackierung. Auch Repliken werden gekennzeichnet und Zustandskategorien ausgewiesen. Geschäftsführer Timo Joost sagt, die internationale Onlinebörse sei vor allem für sehr alte und seltene Fahrzeuge interessant, da die Autos nicht in der Sammelkategorie "Sonstiges" zusammengefasst werden.

"Grundsätzlich sollten Interessenten beim Kauf eines Oldtimers vorsichtig sein. Denn der Kauf ist mit Neu- oder Gebrauchtwagen nicht zu vergleichen", sagt Frank Reichert, Leiter Klassik-Koordination beim ADAC. Eine gute Anlaufstelle seien Händler, die schon seit Jahren Oldtimer einer bestimmten Marke oder eines speziellen Typs verkaufen und einen Ruf zu verlieren haben.

Vorsicht bei "im Kundenauftrag"

Außerdem müssen gewerbliche Verkäufer eine gesetzliche Gewährleistung geben. Es sei denn, sie reden sich mit "im Kundenauftrag" raus und wollen lediglich einen Kaufvertrag zwischen zwei Privatleuten vermitteln. Dann sei Vorsicht geboten, meint auch Götz Knoop vom Deuvet - Bundesverband für Clubs klassischer Fahrzeuge e.V. "Diese Konstellation dient in der Regel dazu, Gewährleistungsansprüche auszuhebeln", sagt er.

Eine erste Hilfestellung für die Beurteilung des Zustandes gibt ein Oldtimer-Kurzgutachten von Prüforganisationen wie TÜV und Dekra oder dem ADAC. Oft helfen auch Markenclubs bei Fragen und beim Kauf. Das sind Oldtimerclubs, die sich einer bestimmten Marke verschrieben haben. "Derartige Clubs haben in der Regel technische Referenten, die fundierte Kenntnisse zu bestimmten Fahrzeugen haben und Einsteigern in das Hobby gerne weiterhelfen", sagt Knoop. Die Auskünfte seien allerdings unverbindlich, so dass man bei fehlerhaften Auskünften niemanden in die Haftung nehmen könne.

"Vor Blendern schützt man sich am besten, indem man das Auto gründlich kontrolliert. Sollte man dazu technisch selbst nicht in der Lage sein, helfen Sachverständige", sagt Knoop. Zwar koste ein ausführliches Gutachten Geld, das sei aber gut investiert. Eine Kurzbewertung hingegen sei als Qualitätssiegel nicht empfehlenswert. Auf jeden Fall die Finger lassen sollten Interessenten von Fahrzeugen ohne Papiere. Denn ist das Fahrzeug gestohlen, wird man nicht mal dann zum Eigentümer, wenn man nichts davon wusste.

Originale sind mehr wert als verbastelte Fahrzeuge

Einen Anhaltspunkt für den Zustand historischer Fahrzeuge bieten Noten von eins wie "sehr gut" bis fünf für "mangelhaft". Ein Klassiker in gutem Zustand ist nach diesen Definitionen ein technisch mängelfreies Auto, das leichte Gebrauchsspuren hat. "Originale werden höher gehandelt als verbastelte Fahrzeuge und eine nachvollziehbare Historie ist wertsteigernd", sagt Götz Knoop. Dazu zählen die originalen Kaufunterlagen und Rechnungen, aber auch Fotos von Reparaturen und Restaurierungen. Meist sei der Kauf eines bereits restaurierten Klassikers günstiger als der Erwerb eines restaurationsbedürftigen Fahrzeuges.

Zukünftige Oldtimerbesitzer sollten sich vor der Recherche vor allem im Klaren sein, welches Auto am besten zu ihnen passt. "Mit einem Wagen aus der Messing-Ära wird ein Serpentinen-Liebhaber auf Dauer wenig Spaß haben", sagt Frank Reichert. Der Oldtimer-Experte rät, sich vorher genau über den Fahrzeugtyp und das ausgewählte Exemplar zu informieren. "Je mehr Informationen es über ein Auto gibt, desto wertvoller ist es", sagt Reichert. Als Informationsquelle empfiehlt er den Oldtimer-Ratgeber des ADAC. Dort sind neben Erwerb und Zulassung auch die Adressen der wichtigsten Clubs und Ansprechpartner zu finden.

Fabian Hoberg, dpa

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