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City-Wheel: Einrad für alle Fälle

Foto: City-Wheel

Elektro-Einrad City-Wheel Balanceakt auf Asphalt

Minimalistischer geht es nicht: Der derzeit kleinste Elektroflitzer für die City hat nur ein Rad. Oder vielmehr: Er ist nur ein Rad. Wir haben das Gadget getestet.

Hamburg - Auf den Werbevideos sieht alles so einfach aus. Da kurven glückliche junge Menschen elegant mit einem kleinen Rad zwischen den Füßen freihändig durch Parks, sausen lässig über Bürgersteige, gefolgt von staunenden Blicken unberäderter Passanten.

Es wirkt so, als wäre das Einrad der nächste folgerichtige Schritt der Evolution - und als wären die, die immer noch auf zwei Füßen unterwegs sind, halt leider einfach noch nicht so weit, die Bemitleidenswerten.

So groß wie eine Pizza, fast so schwer wie eine Kiste Bier: Das ist das City-Wheel, ein elektrisches Einrad für den Stadtverkehr. Vor allem Pendler, die auch die Anbieter von faltbaren E-Bikes im Visier haben, sollen sich damit unkompliziert fortbewegen können. Vor meinem geistigen Auge sehe ich mich schwungvoll an den lahmen Kollegen vorbei über den Vorplatz des Redaktionsgebäudes rollen, Tasche in der einen Hand, mit der anderen lässig meinen zahlreichen Bewunderern winkend.

Aber so einfach ist das nicht. Werner Holub, der mit seiner Firma Team-1 Technologie in Wien die Geräte aus China für den hiesigen Markt importiert, hatte mich vorgewarnt: Wenn man schon Einrad fahren kann, könne man die Bedienung des City-Wheel in einer halben Stunde lernen - wenn nicht, kann es deutlich länger dauern. Ich gehöre in die "deutlich länger"-Kategorie, wie mir beim ersten Aufsteigeversuch sehr rasch sehr klar wird. Man muss recht schnell aufsteigen und dann gleich losfahren, sonst fällt das Rad um. So ist das halt bei Einrädern.

Ein Spielgerät für 1650 Euro

Ein grünes Licht signalisiert Fahrbereitschaft bei aufgeladenem Akku. In der Theorie steigt man jetzt auf die ausgeklappten Fußrasten, hebt die Fersen ein wenig, das eingebaute Gyroskop registriert den Fortbewegungswunsch (ähnlich wie bei einem Segway-Roller), Fersen nach oben heißt Beschleunigen, mit einer Gewichtsverlagerung nach unten bremst man.

In der Praxis schauen die Nachbarn mitleidig zu, als ich, von zwei Helfern gestützt, versuche, auf dem kippeligen Einrad die Balance zu halten, und immer wieder scheitere. Einen Sitz gibt es nicht, aber immerhin einen Gurt, den man mit einer Hand umkrampfen kann - die Anfängervariante, Fortgeschrittene fahren ohne. Nach den ersten Versuchen habe ich blaue Flecken an den Wadeninnenseiten, weil der obere Teil des Rades beim Aufsteigen ständig dagegen schlägt - und ich muss oft aufsteigen, weil ich so oft absteigen muss. Und das Ganze ist sportlicher, als ich dachte - denn auch das Balancehalten kann durchaus als Training durchgehen.

Nach mehreren Übungsläufen an drei Tagen bin ich immerhin in der Lage, etwas wacklig am 70 Meter langen Zaun des Nachbarn entlang zu rollern. Bei Anstiegen hat das Rad schon spürbar ein wenig zu kämpfen. Ich bekomme jetzt eine Ahnung davon, wie es sich anfühlen muss, das Gerät zu beherrschen. Die beiden Teenager in meinem Haushalt sind zu diesem Zeitpunkt bereits in der Lage, lässig die Straße auf und ab zu cruisen.

Damit bewegen sie sich rechtlich in einer Grauzone. Das Einrad gilt der Straßenverkehrsordnung als Sport- und Spielgerät. Danach darf es eigentlich nur auf Gehwegen, in Fußgängerzonen und in Spielstraßen fahren. Aber in unserem verkehrsberuhigten Wohngebiet nimmt niemand Anstoß an dem seltsamen Gefährt. Die meisten halten es eben einfach nur für ein Spielzeug. Und sind bass erstaunt, wenn sie hören, dass unter meinen wackligen Füßen Technik für rund 1650 Euro rollt.

Ein Rad, ein Griff - nur wohin mit dem Gepäck?

Bis zu 16 Stundenkilometer schnell soll das City-Wheel werden, das entspricht gemütlichem Radfahrtempo. Die Anleitung regt allerdings an, es bei 12 km/h gut sein zu lassen - für die Fortbewegung in der Stadt ist das eine angenehme Geschwindigkeit, man ist immerhin schneller und cooler unterwegs als zu Fuß. Und es macht wirklich richtig Spaß.

Die Reichweite soll bis zu 25 Kilometer (oder zwei Stunden) betragen, das würde für Fahrten in der City vom Büro oder der U-Bahn aus reichen. Leider gibt es keine Ladestandsanzeige am Rad. Nur ein Lämpchen blinkt, wenn der Ladezustand auf unter ein Drittel sinkt. Am Ladegerät kann man den genauen Zustand ablesen. Der Motor bringt es auf eine Leistung von 750 Watt, befeuert von zwei Lithium-Ionen-Akkus.

Sperrig ist das City-Wheel nicht, das ist ein echter Pendler-Pluspunkt. Man kann es einfach am Griff tragen, wenn man die Fußrasten hochgeklappt hat - und kräftige Arme hat, denn das Einrad bringt stolze 13 Kilogramm auf die Waage. Allerdings kann man es auch, anders als ein Fahrrad, in Stoßzeiten problemlos in vollbesetzte Waggons mitnehmen. Das Gepäck muss man dann im Rucksack mitnehmen - oder in einer Aktentasche: Denn die Hände hat man ja frei.

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