Montag, 14. Oktober 2019

Aston Martin DBS Superleggera im Fahrtest Brüllender Zwölfzylinder

Die Frage, was für einen Charakter der Aston Martin DBS hat, ist drei Sekunden nach dem Drücken des Startknopfs beantwortet: Die elektronische Motorsteuerung fährt kurz hoch, dann kickt der Anlasser ein, und der Zwölfzylinder brüllt auf wie der Anführer eines Löwenrudels, der klarstellt, wer der König im Revier ist.

Man darf dies albern finden. Allerdings gehört dieser gutturale Sound zum Kern der stolzen britischen Marke, die vor gut fünf Jahren eine Partnerschaft mit Daimler einging und seitdem technisch wieder auf der Höhe der Zeit ist.

Dabei achten die englischen Ingenieure penibel auf den Erhalt ihrer Charakteristika. Nichts verrät, dass die digitalen Systeme unter den akkurat abgesteppten Lederverkleidungen des Cockpits aus Stuttgart stammen. Die Maschine, im britischen Gaydon noch immer von Hand endmontiert, ist eine Eigenentwicklung, die ihre enorme Leistung so rabiat von der Leine lässt, dass das Heck des großen 2+2-Sitzers schon bei einem halbherzigen Tritt aufs Gas schwänzelt, sobald die Twinturbos einsetzen.

Auf brandenburgischen Autobahnen bewege ich mich geschwind jenseits von Tempo 250, auf den Landstraßen sprintet der DBS geschmeidig durch die Kurven. Das liegt am aufwendigen Fahrwerk, aber auch an seiner Transaxle-Konstruktion mit seinem Frontmittelmotor und dem Acht-Gang-Getriebe an der Hinterachse, an verbreiterten Achsspuren vorn und hinten. Der 78-Liter-Benzintank ist bei dieser Fahrweise freilich schon nach 190 Kilometern zur Hälfte geleert.

Aston Martin DBS Superleggera
Technik
725 PS
533 kW aus einem V-12-Zylinder-Biturbomotor
5204 ccm Hubraum
Dynamik
3,4 Sekunden Beschleunigung von 0 auf 100 km/h
340 km/h Spitzengeschwindigkeit
Preis
ab 274.995 Euro

Im Stadtverkehr ist der DBS eine Fehlbesetzung: Mit 1,97 Meter Breite ohne Außenspiegel lassen sich die riesigen Türen auf keinem Tiefgaragennormparkplatz öffnen; der Frontspoiler sitzt auf Fahrbahnschwellen, wie sie etwa in Spielstraßen verbaut sind, selbst bei Schneckentempo auf. Aber ein Löwe hat in der Stadt ja auch nichts zu suchen.

© manager magazin 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung