Sonntag, 25. August 2019

VW braucht frisches Geld im Abgasskandal Volkswagen verhandelt mit Banken um 20 Milliarden Euro

Volkswagen: Dirty Diesel - die Chronik der Ereignisse im VW-Abgasskandal
DPA

Um finanzielle Unsicherheiten rund um den Abgasskandal abzufedern, verhandelt Volkswagen nach Informationen aus Branchenkreisen mit verschiedenen Banken über Milliarden-Kredite. Dabei soll es um kurzfristige Darlehen von bis zu 20 Milliarden Euro als "Brückenfinanzierung" gehen. Am Montag sei ein Treffen zwischen Vertretern von VW und mehreren Geldhäusern geplant, berichtete die Nachrichtenagentur "Bloomberg" unter Berufung auf Insider.

Der wegen der Affäre um manipulierte Abgaswerte in eine tiefe Krise gestürzte Konzern wollte sich am Wochenende offiziell nicht zu dem Thema äußern. Eine zusätzliche Kreditaufnahme muss nicht zwangsläufig auf einen akuten Finanzierungsengpass hindeuten - sie kann zum Beispiel auch dazu dienen, noch unklare Kostenschätzungen für die Zukunft oder die Rückzahlung bereits ausgegebener Anleihen abzusichern.

Das Fachblatt "Automobilwoche" meldete vorab, dass die Abgaskrise VW in den nächsten Jahren deutlich höhere Zinskosten einbrocken dürfte. Große Ratingagenturen hatten die Wolfsburger vor allem wegen der zuletzt kritisierten Konzernstrukturen abgestuft - für VW wird es damit teurer, neue Mittel am Kapitalmarkt aufzunehmen.

Jenseits der gefälschten Daten zum Stickoxid-Ausstoß bei Dieselwagen machen dem Autobauer auch falsche CO2-Angaben zu schaffen. Hiervon sind vor allem die neuesten Modelle betroffen, wie VW mitteilte. Mit 430.000 Fahrzeugen erstreckt sich konzernweit mehr als die Hälfte der etwa 800.000 Fälle geschönter Daten zu Treibhausgas-Emissionen auf das Modelljahr 2016. Diese Autos stehen teils schon bei den Händlern. Kunden können sich hier informieren, ob ihr Auto betroffen ist.

Der Absatz der VW-Kernmarke schwächelt. Im Oktober verkaufte der Konzern mit 490.000 Autos weltweit 5,3 Prozent weniger Fahrzeuge seiner Hauptmarke als ein Jahr zuvor.

Der neue Markenchef Herbert Diess sieht aber noch keine Gefahr für Jobs in der Stammbelegschaft, wie er der dpa in einem Doppel-Interview mit Betriebsratschef Bernd Osterloh sagte. Trotz der schwierigen Lage habe Europas größter Autobauer aktuell keine Verkaufsschwierigkeiten, betonte Osterloh auch in der "Süddeutschen Zeitung": "Wir haben im Moment vielleicht ein Diesel-Problem, aber keine Absatzkrise. Jobs werden nur dann abgebaut, wenn wir weniger Autos verkaufen."

ts/dpa-afx/Reuters

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