Der ganze Test im Überblick Drei Tage in Teslas Model S

Drei Tage sind die Redakteure Wilfried Eckl-Dorna und Nils Sorge in Teslas Model S durch Deutschland gefahren. Die Tour glich einer Abenteuerreise - bei der das Auto wenig, die Ladeinfrastruktur aber um so mehr Probleme bereitete. Lesen Sie die gesamte Chronologie der Tour nach.
Abfahrt Garmisch-Partenkirchen: Drei Tage lang sind die manager-magazin-online-Redakteure Nils-Viktor Sorge (li.) und Wilfried Eckl-Dorna mit Teslas revolutionärem Elektroauto durch Deutschland gefahren

Abfahrt Garmisch-Partenkirchen: Drei Tage lang sind die manager-magazin-online-Redakteure Nils-Viktor Sorge (li.) und Wilfried Eckl-Dorna mit Teslas revolutionärem Elektroauto durch Deutschland gefahren

Foto: manager magazin

+++ Mittwoch, 24. April 2013, 9.00 Uhr +++

Fünf - Null - Null: Da erscheint sie, die magische Zahl, auf dem Touchscreen des Tesla Model S. Drei Ziffern, ein großes Versprechen: Das Elektroauto ist reif für die Revolution, Reichweitenängste gibt es nicht mehr. Ein schöner Traum? Wir werden sehen.

+++ Mittwoch 9.05 Uhr +++

Über Nacht stand der Wagen an einer von sechs neuen Strom-Ladesäulen in Garmisch-Partenkirchen. Er hat Kraft getankt für eine Testfahrt, die er noch nicht erlebt hat. Vom äußersten Süden geht es nach Flensburg.

+++ Mittwoch 9.10 Uhr +++

Es geht los, wir gleiten über den Parkplatz. Die Rückfahrkamera hat ihre besondere Bedeutung bei diesem Wagen. Knapp fünf Meter lang ist die Limousine, knapp 2,20 Meter breit. Und natürlich ahnen Passanten nicht, dass sich der Koloss vollkommen lautlos in Bewegung setzt. Da ist es hilfreich, dass das der Monitor so groß ist wie ein Tablet-Computer.

+++ Mittwoch 9.15 Uhr +++

Zunächst geht es ein Stück in Richtung Süden. Wer hätte das gedacht: Der Weg von Garmisch-Partenkirchen nach Flensburg führt über Österreich - zumindest, wenn der Weg über Frankfurt führen soll. Gleich am Anfang also eine kleine Bergwertung. Ob wir den Wagen damit überfordern?

+++ Mittwoch 9.25 Uhr +++

Garmisch-Frankfurt ist also unsere erste Tagesetappe. Immerhin 465 Kilometer. Aber wir wollen noch mal gnädig sein: Ein Zwischenstopp über Mittag mit Lademöglichkeit ist geplant - bei einem Mann, der so seine eigenen Erfahrungen mit seinem Elektroauto gemacht hat.

+++ Mittwoch 9.45 Uhr +++

Fahren, Laden, Fahren - das soll auf dieser Tour nicht alles sein. Wir haben Termine auf dem Weg nach Norden vereinbart, und unsere Gesprächspartner sollen uns sagen, wie die Zukunft der Automoblilität aussehen wird. Eine Million Elektroautos sollen schließlich bis zum Jahr 2020 auf Deutschlands Straßen fahren, ein paar Tausend sind es derzeit aber nur. Gut, dass uns deshalb gleich der ehemalige SAP-Chef Henning Kagermann anrufen will und erklärt, warum Deutschland in Sachen Elektromobilität etwas hinterher hinkt. Kagermann leitet die sogenannte Nationale Plattform Elektromobilität.

+++ Mittwoch 10.30 Uhr +++

Wir fahren gerade durch eine traumhafte Bergkulisse in Österreich. Mit der Reichweite von 500 Kilometer ist das angesichts des Streckenprofils so eine Sache: Nach 69 Kilometer auf und ab beträgt die Restreichweite 352 Kilometer. Damit sollten wir hoffentlich bis Karlsruhe kommen. Derzeit haben wir gerade die deutsche Grenze passiert und fahren mit 120 Stundenkilometern Richtung Füssen.

Berge und Stau halten das Auto nicht lange auf

+++ Mittwoch, 11.15 Uhr +++

Vielleicht klappt auch nicht immer alles so wie geplant auf dieser Route. Erreichen wir das Tagesziel? Machen wir noch einen Umweg, weil wir jemanden spontan treffen können? Vielleicht findet sich doch noch ein Vertreter der Mineralölindustrie, der mit uns reden will? Bisher: Fehlanzeige. Keiner hat Zeit - oder keine Lust? Schade. Stattdessen haben wir ein paar Broschüren zugeschickt bekommen, die uns erklären sollen, warum Benzin und Diesel die Zukunft gehört.

+++ Mittwoch, 11.35 Uhr +++

Die äußeren Bedingungen sind wie geschaffen für eine Ausfahrt im Elektroauto. 18 Grad, da dürfte die Batterie nicht meckern. Allerdings brennt die Sonne schon ziemlich auf das dunkelblaue Auto. Die Klimaanlage haben wir deshalb seit einer halben Stunde angeschaltet. Der Reichweite macht das bisher wenig aus: Noch 160 Kilometer bis Karlsruhe, unsere Restreichweite gibt der Bordcomputer mit 232 Kilometern an. Beim Tempo halten wir uns heute noch ein wenig zurück: Mit 120 Stundekilometern werden wir dem Sonntagswetter gerecht.

+++ Mittwoch 11.45 Uhr +++

Der Tesla schiebt seine 2,2 Tonnen über die Autobahn und bereitet uns bislang keine Probleme - das kann man von unserer Internetverbindung leider nicht sagen. Via UMTS-Stick gab es ab Garmisch laufend Verbindungsabbrüche. Deshalb ist unser Eintrag bei Facebook samt Kommentarmöglichkeit erst seit kurzem freigeschaltet - wir freuen uns ab jetzt auf Anregungen und Fragen.

+++ Mittwoch 12.10 Uhr +++

Noch 113 Kilometer bis Karlsruhe, der Tesla-Tacho weist eine Restreichweite von 157 Kilometern auf. Macht es der Wagen noch mal spannend? Müssen wir doch ein wenig vom Gas gehen oder die Klimaanlage ausschalten?

+++ Mittwoch 12.25 Uhr +++

Erstes Zwischenfazit nach drei Stunden Autofahrt: Mit dem Tesla gleitet man bequem über die Autobahn. Unebenheiten verdaut die Federung ziemlich souverän, die drei verschiedenen Lenkmodi Comfort, Normal und Sport fühlen sich tatsächlich unterschiedlich an. Und die Beschleunigung des Autos ist, nun ja, sehr unmittelbar.

+++ Mittwoch 12.30 Uhr +++

Herrje, Stau am Stuttgarter Kreuz. Hier hängenzubleiben wäre der Gau - und Staus machen auch in einem Elektroauto keinen Spass. Allerdings entfällt das An- und Ausschalten des Motors. Und wir nutzen erstmals die Sonnendeck-Funktion: Per Touchscreen-Schieberegler lässt sich das Dach halb zurückfahren.

+++ Mittwoch 12.40 Uhr +++

Auffällig viele Tanklaster verstopfen die rechte Spur. Ob die wohl in den nächsten zehn Jahren weniger werden? Das vielleicht nicht. Aber Stromer werden in den nächsten Jahren ihren Exotenstatus verlieren, ist sich Ex-SAP-Chef Henning Kagermann sicher. Wir haben mit ihm darüber gesprochen, was die Verkaufszahlen der Stromer endlich in die Höhe treiben könnte. Mehr dazu in Kürze.

Im Slalom durch die Baustellen

+++ Mittwoch 12.45 Uhr +++

Zum Glück hat sich der Stau aufgelöst. Jetzt fahren wir im Slalom über die Baustellen nach Karlsruhe weiter. Dort wartet bereits Freiherr Hans-Jörg von Gemmingen Hornberg mit frischen Brötchen auf uns. Er hat mit seinem Elektro-Roadster bereits mehr als 200.000 Kilometer zurückgelegt. Von seinen verrückten Erlebnissen und wie es um seine Batterie steht, berichtet er uns in Kürze.

+++ Mittwoch 12.52 Uhr +++

Noch 48 Kilometer bis nach Karlsruhe, bislang haben wir 300 Kilometer zurückgelegt. Ein paar kleine Schleifen mussten wir einlegen, weil unser Navigationsgerät mit dem Grenzübertritt nach Österreich leicht überfordert waren. Restreichweite laut Tesla-Anzeige: 96 Kilometer - da sollten wir gut hinkommen.

+++ Mittwoch 13.00 Uhr +++

Die Reichweite gilt ja als eines der größten Hemmnisse bei Elektroautos. Das Model S mit seinem 85 Kilowattstunden-Akku bildet da eine Ausnahme - andere Modelle kommen gerade mal 200 Kilometer weit mit einer Akkuladung. Henning Kagermann war im Gespräch aber trotzdem zuversichtlich, dass 2020 eine Million Elektroautos auf Deutschlands Straßen herumkurven: "Wir sind gut unterwegs und es gibt keinen Grund, das Ziel in Frage zu stellen". Das ist sehr optimistisch - derzeit sind in Deutschland grade mal ein paar Tausend Elektroautos zugelassen.

+++ Mittwoch 13.07 Uhr +++

Nach vorne gedrängt haben sich die deutschen Hersteller bei Elektroautos bisher noch nicht. Daimler  hat den Elektrosmart, Opel den Ampera, BMW  und Volkswagen  planen für dieses Jahr ihre ersten Elektroauto-Modelle. Hersteller aus anderen Ländern sind deutlich weiter. Nissan hat mehr als 50.000 Leafs verkauft, Tesla war im ersten Quartal mit fast 5000 Model-S-Verkäufen auf Kurs.

+++ Mittwoch 13.09 Uhr +++

Aber laut Kagermann ist das kein Problem für die Deutschen: "Alle sehen die Chancen", sagt Kagermann. "Risiken sind da, wenn man unzureichend vorbereitete Märkte subventioniert oder in der Qualität nachlässig wird." Soll heißen: Die deutschen Hersteller sollen lieber später, dafür mit ausgereiften Produkten auf den Markt kommen. Ob diese Rechnung wirklich aufgeht? Der Tesla wirkt jedenfalls nicht wie ein Verzichtsmobil. Seine sportlichen Qualitäten testen wir im weiteren Verlauf der Reise.

+++ Mittwoch 13.30 Uhr +++

Nach 347 Kilometern ab Garmisch haben wir unseren Zwischenstopp in Karlsruhe erreicht, als Restreichweite stehen noch 53 Kilometer auf der Uhr. Jetzt hat sich unser Testwagen einen ordentlichen Schub aus der Steckdose verdient. Wir lassen uns von Freiherr Hansjörg Eberhard von Gemmingen-Hornberg erklären, wie es sich mit dem Vorgängermodell Tesla Roadster lebt. Gegen 15 Uhr fahren wir weiter zu unserem Tagesziel Frankfurt am Main.

+++ Mittwoch 14.00 Uhr +++

Unser ganzer vorderer Kofferraum ist voller Kabel. Daher mussten wir einigen Wirrwarr überstehen, bis das Auto bei unserem Gastgeber angeschlossen war. Die Reichweite steigt laut Anzeige stündlich um 60 Kilometer.

Gib Saft: In der Karlsruher Garage bekommt das Auto sein Grundnahrungsmittel

Gib Saft: In der Karlsruher Garage bekommt das Auto sein Grundnahrungsmittel

Foto: manager magazin

+++ Mittwoch 14.30 Uhr +++

Auf unserer Facebook-Seite sind die Meinungen der Kommentatoren geteilt: Manche fragen, ob wir auch mal Gas geben - andere, wie wir überhaupt glauben können, mit 120 Sachen (bis zu 140 beim Überholen) die von Tesla angegebene Reichweite von 500 Kilometern zu erreichen. Richtig ist, dass die Amerikaner von einer Reisegeschwindigkeit von 88 km/h ausgehen. Da das Model S bald auf den europäischen Markt kommt, finden wir aber auch einen realistischen Test auf der deutschen Autobahn sinnvoll. Das gab es bisher nicht.

+++ Mittwoch 15.15 Uhr +++

Der Salat bei Familie von Gemmingen war fantastisch, der Kabelsalat weniger. Dank Ferndiagnose des Tesla-Technikers haben wir aber Druck auf die Dose bekommen, doch verzögert sich unsere Weiterfahrt bis etwa 16 Uhr.

Auf Kurs von Bertha Benz

+++ Mittwoch 15.20 Uhr +++

Ein guter Moment, um an das Versprechen von Tesla-Chef Elon Musk zu erinnern: Auch in Europa soll es bald ein Ladenetzwerk geben, an dem die Autos in 30 Minuten 80 Prozent vollladen können. Mit sage und schreibe 150 Ampere!

Endlich Strom: Das Model S lädt in Karlsruhe neben seinem Vorgängermodell, dem Roadster von Freiherr Hansjörg Eberhard von Gemmingen-Hornberg

Endlich Strom: Das Model S lädt in Karlsruhe neben seinem Vorgängermodell, dem Roadster von Freiherr Hansjörg Eberhard von Gemmingen-Hornberg

Foto: manager magazin

+++ Mittwoch 15.25 Uhr +++

Doch auch ohne die Supercharger soll es in Deutschland bald zügiger gehen. Die für Europa konfigurieren Fahrzeuge laden laut Tesla drei mal so schnell wie unser US-Pressefahrzeug.

+++ Mittwoch 16.28 Uhr +++

Zurück auf der Straße, 205 Kilometer in der Batterie. Herr von Gemmingen begleitet uns noch bis zur Autobahn in Richtung Frankfurt. Weiter schafft er es mit seinem Tesla Roadster leider nicht, aber davon gleich mehr!

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Freiherr mit Strom im Blut: Zu Besuch bei einem Elektroauto-Pionier

Foto: manager magazin

+++ Mittwoch 16.58 Uhr +++

Unser Gastgeber hat sich mit einem freundlichen Scheinwerferblinken verabschiedet. Sein Rodster hat bereits 249.000 Kilometer auf dem Buckel und kommt nicht mehr so weit: 100 Kilometer gibt die Batterie noch her, ursprünglich waren es mehr als 350. Weil die Garantie nur für 166.000 Kilometer galt, hat Gemmingen sich eine neue Batterie bestellt - Listenpreis 30.000 Euro. Er habe aber einen Rabatt bekommen, weil er für Tesla oft Interessenten von den Autos überzeugt habe. Einen Foto-Überblick von unserem Besuch sehen Sie hier.

+++ Mittwoch 17.05 Uhr +++

Gerade rauschen wir an der Ausfahrt Wiesloch an der A5 vorbei. Dort hat Bertha Benz bei ihrer ersten Langstreckenfahrt mit ihrem Benz-Patent-Motorwagen zum ersten Mal Benzin getankt - Wundbenzin in einer Apotheke. Eine offizielle Strom-Ladesäule gibt es in Wiesloch laut unserer App jedoch noch nicht.

+++ Mittwoch 17.10 Uhr +++

Freiherr von Gemmingen schwört aber ohnehin auf das Tanken bei Privatleuten. Bauern gehören zu seinen bevorzugten Zielen, sie verfügen oft über einen Starkstromanschluss. Manche Bauersfrau habe ihm aber den Saft abgedreht, obwohl ihr Mann der Ladeaktion bereits zugestimmt hatte. "Frauen sind genauer als Männer und wollen den Strom nicht verschenken", sagt von Gemmingen. Männer geben sich dagegen oft mit einer Testfahrt als Gegenleistung zufrieden.

+++ Mittwoch 17.15 Uhr +++

Wegen der Probleme mit seinem Akku musste von Gemmingen sogar seinen alten Mercedes wieder anmelden. Der hat bereits knapp 600.000 Kilometer auf dem Tacho und noch den ersten Motor. "Dafür bräuchten Sie drei Batterien beim Tesla Roadster", sagt er und lacht. Wenn er kann, nimmt er aber das Elektroauto - weil es mehr Spaß beim Fahren mache. Und zur Ehrenrettung der Batterie sei ergänzt: Die ersten knapp 200.000 Kilometer hat sie kaum Verluste gehabt, erst danach ging es rapide abwärts.

+++ Mittwoch 17.20 Uhr +++

Wir werden jedenfalls auf der Tour noch einmal versuchen, einen Batterieforscher ans Telefon zu bekommen, um die Möglichkeiten und Hindernisse der verschiedenen Technologien zu ergründen.

"Wer schneller fährt, kommt später an"

+++ Mittwoch 17.23 Uhr +++

Zum Schluss hat uns der Elektroauto-Pionier noch einen Tipp für das Fahren im Elektroauto mit auf den Weg gegeben: "Wer schneller fährt, kommt später an." Das sei jedenfalls bei langen Strecken der Fall. Stromladen dauert bisher einfach noch recht lange. Also macht es mehr Sinn, die Reichweite zu erhöhen statt zu laden. Die optimale Geschwindigkeit dazu: 45 Stundenkilometer. Nur gut, dass das Laden bald schneller gehen soll.

+++ Mittwoch 17.30 Uhr +++

Von derartigen Schleichfahrten wollen wir nichts wissen. Gerast sind wir bisher zwar noch nicht, aber wir sind auf den ersten 450 Kilometern flott vorangekommen. Ein guter Zeitpunkt, noch ein wenig über die Fahreindrücke zu berichten.

+++ Mittwoch 17.33 Uhr +++

Der Wagen fährt wie auf Schienen - ist der Tempomat angeschaltet, läuft der Fahrer fast Gefahr ihn mit einem Autopiloten zu verwechseln, zumal der 17-Zoll-Monitor ständig Auskunft über den Zustand des Wagens gibt.

+++ Mittwoch 17.37 Uhr +++

Einschlafgefahr besteht ab Tempo 120 aber nicht mehr als in herkömmlichen Autos. Im Innenraum ist es kaum leiser als in einem gut gedämmten Luxus-Verbrenner - Fahrtwind und druckvoll aufgepumpte Breitreifen sind deutlich zu vernehmen. Allerdings: Es scheppert nix.

+++ Mittwoch 17.45 Uhr +++

Was den Fans von Luxusautos möglicherweise fehlen dürfte, sind manche Extras, die dem Fahrer das Vorankommen erleichtern und für mehr Sicherheit sorgen sollen: Totwinkel-Warner, Spurhalteassistent oder ein intelligenter Tempomat. Mit derartigen Systemen buhlen die deutschen Luxushersteller um die zahlungskräftige Kundschaft.

+++ Mittwoch 17.50 Uhr +++

Das Frankfurter Kreuz ist in Reichweite. Wir wollen bis zum Hotel Intercontinental. Dort soll es zwei Schnelladestationen geben, von denen sich die Nobelherberge vielleicht mehr Gäste verspricht. Wir werden dort jedenfalls nicht unterkommen - das Haus ist voll. Hoffen wir, dass wenigstens eine Steckdose frei ist.

+++ Mittwoch 18:00 Uhr +++

Der Feierabendverkehr bringt uns fast zum Stehen. Wären wir doch in Oslo oder in den USA. Dort brausen Elektroautos auf den Spuren für Busse oder mit mindestens zwei Personen besetzen Autos am übrigen Verkehr vorbei. 44 Kilometer sind noch in der Batterie, in zehn Kilometern sind wir am Ziel.

+++ Mittwoch 18.02 Uhr +++

Gerade meldet sich ein Tesla-Fahrer aus dem Raum Frankfurt bei uns. Notfalls können wir den Wagen auch bei ihm unterstellen.

+++ Mittwoch 18.23 Uhr +++

Endlich, da sind die Twin Towers und die Frankfurter Skyline.

+++ Mittwoch 18.33 Uhr +++

Der Concierge vom Interconti weiß Bescheid: Die Plätze 6 und 7 samt Steckdosen stehen in der Garage für uns bereit.

+++ Mittwoch 18.45 Uhr +++

Der erste Tag im Model S findet wohl ein gutes Ende. Obwohl: Kollege Eckl-Dorna nestelt noch an den Kabeln, die Stromstärke scheint nicht zu stimmen, statt der versprochenen 32 Ampere bekommen wir nur 16. Wir berichten morgen, wie die Sache ausgeht. Gleich treffen wir noch einen Vertreter von Jaguar/Land Rover. Auch davon morgen mehr. Danke für die Aufmerksamkeit!

+++ Mittwoch Abend +++

Hier die Geschichte davon, wie sich eine bedeutende Finanzmetropole einmal bis auf die Knochen blamiert - zumindest aus der Windschutzscheiben-Perspektive zweier Elektroauto-Fahrer.

Das Unglück nahm im Hotel Intercontinental seinen Lauf. Aus den beiden hübschen RWE-Säulen im Keller kamen nur 16 Ampere - so viel wie aus einer normalen Steckdose! Gut, dass eine Gehminute entfernt eine Säule des örtlichen Versorgers Mainova steht. Ausgewiesen mit 32 Ampere, aber wer weiß? Bevor wir das Model S von seiner Nuckelflasche im Interconti abstöpseln und umparken, haben wir doch lieber mal bei der Hotline angerufen. Die Mitarbeiter würden dann sicher auch dafür sorgen, dass die Nicht-Elektroautos, die die Säule zuparken, abgeschleppt werden.

Kurze Zeit später kam der Rückruf von Mainova. Keine Chance, die Rechtsprechung untersagt, Ladesäulen für Elektroautos freizuhalten. Wir sagen: Justizirrtum! Er sagt: Fahren Sie ins Parkhaus Börse, da ist immer was frei an den Säulen. Ob das genau jetzt auch tatsächlich der Fall sei, konnte er aber leider nicht sagen. Arrgh.

Ok, kürzen wir das jetzt hier ab. Im Parkhaus Börse gibt es zwei Stellplätze, die gestern Abend leider belegt waren - mit einem Tesla Roadster und einem nicht eingestöpselten Renault Twizy. Der Parkhaus-Mitarbeiter sah sich weder in der Lage, uns den Twizy wegzuräumen, noch die Parkgebühr für 15 Minuten Ärger (macht 1 Euro) zu erstatten. Nur noch bizarr.

Sollte uns doch die Polizei aus der unglücklichen Lage befreien! Recht und Ordnung, das können die in Hessen doch, oder? "Nein, abschleppen können wir nur, wenn die Autos im Halteverbot stehen", bedeutete uns eine Frau vom Revier. Komisch - wieso geht das eigentlich bei Behindertenparkplätzen? Wir fühlten uns jedenfalls erheblich diskriminiert.

Wir wollten es eigentlich nicht tun, aber angesichts der Odyssee haben wir Tesla um Hilfe gebeten. In einem Parkhaus unweit der Oper haben die einen Ladeplatz für ihr Geschäft. Dort hat sich unser Model S gegen 22 Uhr dann auch gleich wohl gefühlt. Dank auf diesem Wege an den Tesla-Besitzer aus dem Frankfurter Umland, der uns angeboten hatte, bei ihm zu laden. Es war uns dann aber doch etwas zu weit draußen - zumal unser Hotel in der Innenstadt lag.

Abschleppen verboten: Zugeparkte Ladeplätze in Frankfurt am Main

Abschleppen verboten: Zugeparkte Ladeplätze in Frankfurt am Main

Foto: manager magazin online

Tesla is watching us

+++ Donnerstag, 9.00 Uhr +++

Guten Morgen von der Tesla-Probefahrt von Garmisch-Partenkirchen nach Flensburg! Wir stromern heute weiter von Frankfurt am Main nach Norden. Gestern sind wir mehr als 500 Kilometer unterwegs gewesenund haben es bei moderatem Autobahntempo, manchen Baustellen und einer Zwischenladung in Karlsruhelocker an den Main geschafft.

+++ Donnerstag, 9.05 Uhr +++

Unsere Abfahrt verzögert sich jedoch leider etwas, weil der Akku noch nicht ganz voll geladen ist. Geladen waren dagegen wir am gestrigen Abend. Die Suche nach einer öffentlichen Stromsäule hatte sich zu einem echten Krimi entwickelt (ja, die Sache hat auch eine justiziable Seite) und stellte sich schließlich als Ding der Unmöglichkeit heraus. Über Frankfurts amateurhafte Gehversuche bei der Elektromobilität haben wir oben bereits berichtet.

+++ Donnerstag, 9.15 Uhr +++

Hier unser Plan für den Tag. Nachdem wir uns unseren Strom mühsam erkämpft haben, wollen wir ihn heute am liebsten gar nicht mehr hergeben. Oder zumindest möglichst wenig pro Kilometer. Heute nehmen wir Tesla-Chef Elon Musk also beim Wort: 500 Kilometer sollen es sein mit einer Tankfüllung, auch wenn wir dafür nur 88 Stundenkilometer fahren dürfen. Langweilig dürfte uns dennoch nicht werden - wir haben einige vielversprechende Stopps und Gespräche arrangiert.

+++ Donnerstag, 9.52 Uhr +++

Wir fahren. Um 9.15 Uhr gab es den Anruf von Tesla, dass der Wagen voll ist. In der Garage stellte sich heraus: Das Auto ist auch noch frisch geputzt. Hmm, wie finden wir das? Die halten uns jedenfalls an der kurzen Leine, wollen wenig dem Zufall überlassen. Wie es zu der Säuberungsaktion kommen konnte, erklärt sich aus unseren Erlebnissen von gestern Abend (siehe oben).

+++ Donnerstag, 10.15 Uhr +++

Der Tesla zieht die Blicke auf sich: Dieser Frankfurter Rechtsanwalt etwa durfte auch mal in den Wagen hineinschauen

Der Tesla zieht die Blicke auf sich: Dieser Frankfurter Rechtsanwalt etwa durfte auch mal in den Wagen hineinschauen

Foto: manager magazin online

+++ Donnerstag, 10.22 Uhr +++

Auf der A5 in Richtung Nordwesten: Nachdem uns gerade erneut ein 40-Tonner überholt hat, fragt Fahrer Eckl-Dorna, ob er nicht doch das Tempo von 80-90 Stundenkilometern etwas erhöhen sollte. Wir gehen jetzt mal auf Strich 88.

+++ Donnerstag, 10:30 Uhr +++

Und was sagt die Batterie? Wir haben die Anzeige auf Ideal Range gestellt. Nach 54 Kilometern Fahrt sind noch 428 Kilometer im Speicher, es wird also nicht ganz leicht mit den 500 Kilometern. Unsere bisherige Erklärung: Stop and Go im Stadtverkehr, hügeliges Streckenprofil, ein bisschen Klimaanlage.

+++ Donnerstag, 10.35 Uhr +++

Zu allem Überfluss sind wir aufgrund menschlichen Versagens vom Weg abgekommen. Aber das wirft uns kilometermäßig nicht weit zurück, und die Fahrt auf der Bundesstraße ist mit 88 auch irgendwie authentischer und mitleidig-böse Blicke von der Nachbarspur gibt es auch nicht.

+++ Donnerstag, 10:45 Uhr +++

Ein erster Erfolg der Schleichfahrt ist schon zu sehen. Bisher verbrauchen wir heute 174 Wattstunden pro Kilometer, gestern waren es im Schnitt 197. Kosten pro Kilometer nach dieser Rechnung bei einem Strompreis von 27 Cent pro Kilowattstunde: 4,7 Cent heute, gestern 5,32 Cent. Das sind für eine Luxuslimousine schier unglaubliche Werte.

+++ Donnerstag, 10.50 Uhr +++

Beim Benziner sieht die Rechnung ungefähr so aus: Ein Audi A8 4.2 FSI Quattro verbraucht laut der Fachzeitschrift "Auto Motor und Sport" 12,3 Liter auf 100 Kilometern. Macht bei einem Benzinpreis von 1,60 Euro fast 20 Cent pro Kilometer! Gut, es gibt auch deutlich sparsamere Luxusliner mit Diesel- oder Hybridantrieb, aber die sind nicht so sportlich wie der Tesla.

+++ Donnerstag, 10.55 Uhr +++

Die Rückkehr auf die Autobahn war formvollendet. Mit 88 Stundenkilometern und Tempomat durch die Auffahrtkurve. Kein Problem für unseren Elektrokreuzer. Das Manöver hat auch Energie gespart, die Verbrauchskurve bleibt konstant.

+++ Donnerstag, 11.15 Uhr +++

Heute dürfen sich noch auf unsere Anrufe freuen: Der Oberbürgermeister von Frankfurt, der Polizeipräsident, falls es einen gibt, und der Chef des Versorgers Mainova. Dessen Ladenetz ist jedenfalls praktisch wertlos. Bund der Steuerzahler, Aufsichtsrat, Stromkunden, wer auch immer - übernehmen Sie!

"Willkommen in Nordrhein-Westfalen"

+++ Donnerstag, 11.30 Uhr +++

"Willkommen in Nordrhein-Westfalen." Im Land der Volumenautohersteller Ford und Opel also, wobei letzteres Unternehmen sich ja Ende 2014 weitgehend aus Bochum zurückzieht. Der Ampera ist Opels Versuch in der E-Mobilität Fuß zu fassen. In Deutschland klappt das leider nicht, nur eine zweistellige Zahl der Wagen verkauft Opel im Monat in Deutschland derzeit. Besser läuft es in den Niederlanden, wo Elektroautos manche Privilegien genießen, wie das kostenlose Parken im Stadtzentrum.

+++ Donnerstag, 11.45 Uhr +++

Auch gut, dass wir heute bei RWE in Dortmund vorbeikommen. Die sollen uns mal erklären, wie man Hotels wie dem Intercontinental teure Ladesäulen verkauft, die nicht mehr können als normale Steckdosen!

+++ Donnerstag, 12.05 Uhr +++

Noch 54 Kilometer bis zum Zwischenziel bei RWE in Dortmund. Bisher sind wir heute 190 Kilometer gefahren. Die verschiedenen Restreichweitenanzeigen bieten folgendes: Rated Range 234 Kilometer (basierend auf einem realistischen Fahrverhalten), Ideal Range 269 Kilometer (ideales Fahrverhalten). Und das Fahrverhalten der letzten 25 Kilometer zugrunde gelegt, haben wir noch 266 Kilometer.

+++ Fotostrecke: Teslas Elektrokreuzer in Bildern +++

Zwei Kofferräume, sieben Sitze und ein riesiger Touchscreen. Teslas Model S wartet mit vielen Superlativen auf - nicht alles ist aber extraklasse an dem Wagen. Ein Überblick in Bildern.

Fotostrecke

An- und Einsichten: Teslas Elektrokreuzer in Bildern

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+++ Donnerstag, 12.10 Uhr +++

Wir haben jetzt erst den "Range Mode" entdeckt, der ein bisschen mehr Reichweite bringen soll, weil die Leistung der Klimaanlage angepasst wird. Ärgerlich! Gut, jetzt probieren wir es aus. Allerdings hatten wir die Klimaanlage heute ohnehin fast gar nicht eingeschaltet, die angezeigte Restreichweite ändert sich durch diesen Modus praktisch nicht.

Idealtempo: Mit 88 km/h (55 Meilen pro Stunde, ein häufiges Tempolimit auf US-Highways) wird der Akku so geschont, dass Tesla 500 Kilometer Reichweite verspricht. Ob's klappt?

Idealtempo: Mit 88 km/h (55 Meilen pro Stunde, ein häufiges Tempolimit auf US-Highways) wird der Akku so geschont, dass Tesla 500 Kilometer Reichweite verspricht. Ob's klappt?

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+++ Donnerstag, 12.25 Uhr +++

Jetzt kommt der große iPhone-Test: Wir versuchen, während der Fahrt unser iPhone zu laden, was ja angeblich problemlos klappen soll (Teslas Navigationssystem im Wagen ist noch nicht auf Deutschland programmiert). Dazu verbinden wir das Handy, das als Navi hinter der Windschutzscheibe klemmt, per USB-Kabel mit dem Tesla und seiner Stromversorgung - und nichts funktioniert. In der Sonne verliert das Gerät trotz Stromverbindung Energie, anstatt zu laden. Das Urteil fällt also leider vernichtend aus. Vielleicht sollte Apple mal bei Tesla fragen wie das geht mit den Lithium-Ionen-Batterien.

+++ Donnerstag, 12.40 Uhr +++

Apropos Akku: Keine Vorschlusslorbeeren für den Speicher dieses Wagens, sicher. Der Test ist ja noch lange nicht zu Ende. Uns fällt aber in diesem Moment auf, dass wir auf den vorherigen 50 Kilometern nur 115 Wattstunden pro Kilometer verbraucht haben (11,5 Kilowattstunden pro 100 Kilometer). Das ist ungewöhnlich wenig. Hatten wir vorher Gegenwind? Geht es jetzt überwiegend bergab? Letzteres scheint uns die Ursache zu sein. Die Restreichweite, basieren auf den vorherigen 50 Kilometern rauscht jedenfalls auf 370 hoch, obwohl wir schon 223 Kilometer gefahren sind. Unfassbar! Haben uns die Tesla-Leute in der Nacht einen Zusatzakku eingebaut?

+++ Donnerstag, 12.47 Uhr +++

Wir gehen mal davon aus, dass es an der Talfahrt lag und sich die Sache bald wieder einpendeln wird.

Ford - tun die was?

+++ Donnerstag, 12.47 Uhr +++

Auf der gesamten Strecke sind wir noch keinem Elektroauto begegnet - abgesehen von Herrn von Gemmingens Roadsterund den Wagen an der Ladesäule. Klar, es sind ja auch erst ein paar Tausend auf deutschen Straßen unterwegs. Warum? Wir haben mal bei Ford nachgefragt, warum die so wenig tun. Okay, das ist jetzt vielleicht ungerecht. In den USA haben sie schon ein paar Modelle am Start und bald kommt der Focus Electric nach Deutschland - mit einem Jahr Verspätung.

+++ Donnerstag, 12.55 Uhr +++

Antwort von Hans-Peter Schmidt, Experte für Elektromobilität von Ford : "Das geht nicht per Startknopf von Null auf Hundert, das kann man nicht über das Knie brechen." Allerdings glaubt er durchaus daran, dass Stromautos langsam aber sicher auf die Straße kommen, aber eben langsam. Marktsubventionen wie in den USA oder Norwegen brächten nur einen kurzen Effekt. "Kaufanreize bringen wenig, wenn die Elektromobilität mehr als ein Strohfeuer sein soll. Lieber soll der Markt nachhaltig wachsen." Die Entwicklung von Stromern ist zudem teuer, daher sind viele große Hersteller sehr zurückhaltend.

+++ Donnerstag, 13.00 Uhr +++

Immerhin: Nissan-Chef Carlos Ghosn hat behauptet, der Leaf bringe bereits Gewinnbeiträge. Überprüfen lässt sich so etwas allerdings schwer.

+++ Donnerstag, 13:10 Uhr +++

Wir sind bei RWE angekommen. In unserer Mittagspause wollen uns die Leute vom Versorger erklären, wie sie die Mineralölindustrie beerben wollen. Wir melden uns gegen 14.30 Uhr wieder.

In Dortmund: Interessierte Mitarbeiter von RWE

In Dortmund: Interessierte Mitarbeiter von RWE

Foto: manager magazin online

+++ Donnerstag, 15.05 Uhr +++

Unser Zwischenstopp bei RWE ist beendet - auf dem Parkplatz sind wir mit großem Bohei empfangen worden: Zuerst waren es zehn, später bis zu 20 Mitarbeiter, die unbedingt den Tesla sehen wollten. Direkt neben uns hingen ein Nissan Leaf und ein Fiat 500 an Ladekabeln, doch die kannten die Mitarbeiter ja schon. Dabei wollten wir nicht den Tesla vorstellen - sondern von RWE wissen, wie es sein kann, dass Elektroautofahrer mit der Suche nach einer Ladesäule scheitern. Genau das wiederfuhr uns gestern. Und wir wollten hören, wie die Energieversorger mit dem Laden auch noch Geld verdienen wollen. Einfache Antworten auf diese Fragen bekamen wir nicht.

+++ Donnerstag, 15.15 Uhr +++

Derzeit fahren wir auf der A1 Richtung Norden - bei sonnigen 25 Grad und idealen Bedingungen für eine Langstreckenfahrt. Wir hängen uns jetzt hinter die großen Lkws und fahren weiter genügsam. Denn wir haben noch einen spannenden Termin mit Audi.

+++ Donnerstag, 15:17 Uhr +++

Morgen werden wir den Tesla aber mal so richtig über die Autobahn jagen - versprochen!

+++ Donnerstag, 15:35 Uhr +++

Unsere wichtigste an Frage an RWE: Wie kann es sein, dass man ein Ladenetz betreibt, an dem keiner laden kann, weil die Plätze zugeparkt sind? Antwort: Politiker konnten sich bislang nicht dazu durchringen, für Verbrenner-Falschparker Bußgelder einzuführen. Das Abschleppen von Fahrzeugen ist rechtlich eine Grauzone, weil es noch keine entsprechenden Gesetze gibt. Na toll. Dafür sind Bilder von stolz vor Ladesäulen lächelnden Politikern in jeder Lokalzeitung zu finden. Dass sie dann praktisch kaum nutzbar sind, interessiert sie wohl weniger. Die wenig nützlichen Ladesäulen im Frankfurter Interconti (siehe oben) betreibt übrigens nach eigenen Angaben nicht selbst.

AMG-Fan zollt Tesla Respekt

+++ Donnerstag, 16.00 Uhr +++

Gerade haben wir an einer normalen Tankstelle gehalten - und trafen Ben Egberts, einen weißhaarigen, augenscheinlich wohlhabenden Niederländer. Denn sein Mercedes G in AMG-Version schluckt mehr als 20 Liter auf 100 Kilometer. Einen Umstieg auf Tesla kann er sich vorstellen - wenn sich der Stromer schneller als bislang in Deutschland möglich laden lässt und das Ladesäulen-Netz dichter wird. Das sollte doch ein Ansporn für RWE sein.

Ben Egberts: Er fährt selbst einen Mercedes G 63 AMG, nach 400 Kilometern ist auch sein Tank leer, aber dann muss er Benzin tanken. Er fährt auch 180 Sachen.

Ben Egberts: Er fährt selbst einen Mercedes G 63 AMG, nach 400 Kilometern ist auch sein Tank leer, aber dann muss er Benzin tanken. Er fährt auch 180 Sachen.

Foto: manager magazin online

+++ Donnerstag, 16.20 Uhr +++

Apropos Laden, unsere Batterie belohnt das heutige Schleichtempo mit beachtlicher Reichweite. Heute sind wir bereits 331 Kilometer gefahren, der Tesla-Akku ist noch zu einem Drittel voll. Wie weit wir wirklich kommen, darüber erhalten wir per Touchscreen unterschiedliche Angaben: Auf Basis einer gewöhnlichen Fahrweise sind es noch mindestens 132 Kilometer, die Projected Range auf Basis der letzten 50 Kilometer weist sogar 160 Kilometer Reichweite aus. Angst hängenzubleiben haben wir also nicht. Höchstens Respekt vor der Suche nach der nächsten Ladesäule. Aber diesmal halten wir ja auch nicht in einer vollgeparkten Großstadt.

+++ Donnerstag, 16.30 Uhr +++

Ich hätte den letzten Eintrag nicht laut im Auto vorlesen sollen. Aus lauter Freude darüber steigt Kollege Sorge auf der Landstraße bei einem Überholmanöver so kräftig aufs Gas, dass ich meinen Laptop festhalten muss. Von 50 auf 100 km/h dauert es gefühlte zwei Sekunden. Jetzt ist die Projected Range sofort auf 147 Kilometer gefallen.

+++ Donnerstag, 16.40 Uhr +++

Wir nähern uns dem nächsten Ziel und damit auch der nächsten Frage: Warum hat Audi seine Elektroauto-Pläne fast völlig auf Eis gelegt? Antworten erhoffen wir uns von einem Besuch in Werlte, wo Audi an einer Alternative arbeitet.

+++ Donnerstag, 16.50 Uhr +++

Auch in Werlte soll Strom dazu dienen, Autos anzutreiben - allerdings über einen Umweg: Eine Pilotanlage, die Audi gemeinsam mit SolarFuel betreibt, wandelt Ökostrom in Wasserstoff und in einem zweiten Schritt in Methan um. Warum so umständlich? Und ist das nicht viel zu teuer? Das wollen wir bei einem Besuch herausfinden.

+++ Donnerstag, 17.05 Uhr +++

Mal ein Zwischenstand: Heute gefahrene Kilometer: 384, Restreichweite: 91-109 km, gesamt bisher gefahrene Kilometer: 879.

+++ Donnerstag 17.09 Uhr +++

Audis Methan-Projekt hat zwei Vorteile: Das Gas lässt sich in das bereits existierende Gasnetz einspeisen - und Gasmotoren für Autos gibt es bereits seit Jahrzehnten. Allerdings hat auch das Gastankstellen-Netz europaweit Löcher - ähnlich wie bei den Ladesäulen für Elektroautos. Aber kein Autofahrer käme auf die Idee, direkt an der Gastankstelle zu parken.

+++ Donnerstag 17:15 Uhr +++

Dass die Parkerei vor den Ladesäulen ein Problem ist, weiß auch Marcus Groll, Vertriebsleiter Elektromobilität bei RWE: "In der Öffentlichkeit denken viele: Warum soll man die Parkplätze an den Ladesäulen freihalten, wenn es ohnehin kaum Elektroautos gibt? Das ist ein Henne-Ei-Problem," sagte er uns. Schon richtig. Aber es gilt auch: Keine Henne, keine Eier, kein Umsatz.

+++ Donnerstag 17:20 +++

Bei der Frage, wieviel RWE bisher mit den Ladesäulen umsetzt, heißt es in der Runde nur: Die Tendenz zeige nach oben. Wir ahnen: Bis RWE und Eon Unternehmen wie Exxon , Shell und Co das Geschäft mit der Mobilität abluchsen, vergeht noch eine gewisse Zeit. Ob wir das noch erleben?

+++ Donnerstag, 17:30 Uhr +++

Immerhin zwei Orte gibt es, über die die RWE-Leute gerne reden: Amsterdam und Berlin. Dort werden ihr Ladesäulen nämlich immer häufiger genutzt. Sogar Staus an den Ladesäulen soll es schon geben. Ziemlich hungrig auf Ladesäulen-Strom sind in beiden Städten Carsharing-Unternehmen.

+++ Donnerstag, 17.35 Uhr +++

In ein paar Jahren will RWE aber mit seinem Ladesäulen-Geschäft Gewinne schreiben. Gelingen soll das aber weniger mit dem Verkauf von Strom, sondern mit dem Verkauf von Hardware wie Ladesäulen und Dienstleistungen, etwa rund um die Abrechnung.

+++ Donnerstag 17.40 Uhr +++

Seit einer guten Stunde fahren wir jetzt schon über Niedersachsens Landstraßen. Zartsprießende Wiesen und durchfurchte Äcker wechseln im Minutentakt mit kleinen Waldstücken und großen Windrädern. Dass es hier ausreichend Ökostrom gibt, können wir uns gut vorstellen.

+++ Donnerstag 17.42 Uhr +++

Ladesäulen für unseren Tesla sind hier hingegen spärlicher gesät. Wie sagte Herr Groll von RWE so schön: "Die Automobilindustrie hat zurzeit nicht den Anspruch, reine Elektroautos langstreckentauglich zu machen. Experten erwarten sinkende Batteriepreise, so dass dann auch die Reichweiten steigen werden - derzeit liegt der Fokus auf der Entwicklung von kleineren, kostengünstigeren Autos für den Pendelverkehr."

+++ Donnerstag 17.45 Uhr +++

Unser Luxusliner ist die Ausnahme. Heute hat die Batterie bereits 425 Kilometer ohne Nachladen durchgehalten. Noch reicht unser Saft für 42 Kilometer, im besten Fall 50 Kilometer. Das ist beachtlich - aber die 500 km-Marke werden wir knapp verfehlen. Denn wir hatten Stop-and-Go-Verkehr in Frankfurt, jetzt gute 80 Kilometer Landstraße - da hilft auch die 88 km/h-Kasteiung auf der Autobahn nicht weiter. Morgen aber geben wir unsere noble Zurückhaltung auf. Dann wird gekachelt!

+++ Donnerstag, 18.10 Uhr +++

Vor uns ein grüner Baucontainer, links hinter dem Einfahrtstor silbrigglänzende Zylinder, die ein Rohrgewirr umgibt: Wir haben unser heutiges Tagesziel in Werlte erreicht. Jetzt schauen wir uns an, wie Audis grüne Zukunftsvision aussieht. Morgen davon mehr!

Wildes Stromzapfen in Werlte

+++ Freitag, 9.00 Uhr +++

Guten Morgen aus Wildeshausen an der Autobahn 1. Heute ist der letzte Tag unseres Live-Tests des Tesla Model S zwischen Garmisch-Partenkirchen und Flensburg. Unsere Luxuslimousine aus Kalifornien hängt noch an der Stromsäule. Wieder ist es uns gestern erst sehr spät gelungen, eine leistungsstarke Steckdose aufzutreiben.

Mit etwa 30 Kilometern Restweite waren wir in Werlte (Emsland) angekommen, um Audis E-Gas-Projekt zu besuchen (siehe Bildergalerie). Etwa 440 Kilometer hatten wir zuvor ohne Zwischenladung runtergespult - meist mit 88 Sachen, um dem Tesla die maximale Reichweite abzuverlangen. Auf die versprochenen 500 Kilometer sind wir also nicht ganz gekommen, doch das mag auch etwas an uns gelegen haben. Manchmal ist eben doch ein sportliches Überholmanöver vonnöten.

Auf der Baustelle von Audi in Werlte haben wir freundlicherweise etwas Starkstrom mit 20 Ampere abzweigen können, doch damit wäre der Wagen erst nach 20 Stunden voll gewesen. Die Ladesäulen des Versorgers EWE in der Umgebung ließen sich für uns nicht nutzen - wir hätten uns bis 18 Uhr eine Chipkarte abholen müssen. Und trotz intensiver Suche, bei der uns gefühlt halb Werlte unterstützte, fand sich kein Landwirt oder Industriebetrieb mit der heiß ersehnten fünfpoligen Dose. Vielen war das Ansinnen auch etwas suspekt.

Also haben wir noch eine spätabendliche Etappe nach Wildeshausen eingelegt - dort unterhält RWE  eine Autostromdose. Bewaffnet mit einer Smartphone-App, zahlreichen Codes, Vertragsnummern und Passwörtern, die wir uns in Dortmund besorgte hatten, standen wir vor dem monströsen Apparat - mangels Netzempfang alles jedoch nicht nutzbar. Gut, dass die RWE-Hotline von einem tiefenentspannten Kölner der Marke "Et hätt noch immer jot jejange" besetzt war. Wir sollten einfach ohne Registrierung einstecken, der Strom sei kostenlos. Schade nur, dass es an der Raststättenladesäule keine Übernachtungsmöglichkeit gibt - also brachte uns ein Taxi ins nächte Hotel.

Fotostrecke

E-Gas statt Strom: Besuch auf Audis Geheimbaustelle in der Provinz

Foto: manager magazin online

+++ Freitag, 9.30 Uhr +++

Heute steht Kacheln an - wenn unser Tesla genügend Saft in Wildeshausen gezogen hat. Nur 4,4 Sekunden benötigt unser Testwagen vom Stand auf 100 Stundenkilometer. Mit diesem Wert sticht der Tesla viele Sportwagen aus. Wir haben noch in Frankfurt bei Jaguar nachgefragt, was die der möglichen Tesla-Konkurrenz entgegensetzen wollen. Antwort: Einen reinen Elektro-Jaguar wird es auf absehbare Zeit nicht geben, sagte uns Jaguar-Mann Mayk Wienkötter Mittwochabend.

Warum Jaguar nichts von Teslas Konzept hält

+++ Freitag, 9.45 Uhr +++

Elektroautos sind noch nicht serienreif, ist Wienkötter überzeugt - und wiederholte das übliche Argumentationsmantra der Autoindustrie: Batterien bieten zu wenig Reichweite, das Ladenetz ist zu löchrig, die Gewichtszunahme der Fahrzeuge durch den Akku zu hoch. "Wir müssen da kein Pionier sein", sagt er. Schade eigentlich, dass die Briten dieses Feld kampflos kalifornischen Start-ups überlassen. In den nächsten zehn Jahren werde Jaguar kein ausschließlich batteriegetriebenes Auto auf den Markt bringen, so Wienkötter. Dafür bastelt Jaguar an zahlreichen Hybridvarianten. Der wichtigste Grund für die Zurückhaltung der Briten beim Thema Stromer ist aber ein anderer.

+++ Freitag, 9.55 Uhr +++

Die britische Nobelmarke Jaguar hat auch deshalb keinen Stromer im Programm, weil es dem Unternehmen erst seit kurzem finanziell wieder besser geht - und die Entwicklung von Stromern viel Geld verschlingt. Für die nächsten Jahre setzt Jaguar auf Hybridantriebe, meinte Wienkötter, auch als Plugin-Variante. Wenn Jaguar ein Elektroauto auf den Markt bringt, müsste das besonders luxuriös ausfallen, argumentiert er. Doch was ist denn heute noch Luxus im Automobilbau?

+++ Freitag, 10.15 Uhr +++

Drei Dinge sind den zahlungskräftigen Jaguar-Kunden wichtig, erklärte Wienkötter: Das Design muss herausstechen. Die verwendeten Materialien im Innenraum müssen authentisch sein - was wie Leder aussieht, muss auch tatsächlich aus Leder bestehen. Da kann Tesla unserer Meinung nach durchaus mithalten, auch wenn es in manchen Details noch ein wenig mit dem Luxusanspruch hakt.

+++ Freitag, 10.30 Uhr +++

Zwei Ingredienzien für die automobile Oberklasse fehlen Tesla - wenn die Ausführungen von Jaguars PR-Mann über Luxus stimmen. Assistenzsysteme sind laut Wienkötter mittlerweile ein Muss in der Oberklasse - da ist Tesla noch extrem schwach aufgestellt. Und für die Klientel der Sportwagenfahrer ist auch der Motorensound immens wichtig. So wurde der Klappenauspuff des neuen Jaguar F-Type, den unser Kollege Martin Hintze vor kurzem testete, auf Kundenwunsch gebaut. Wie es sich im Tesla auf der Autobahn kachelt, davon berichten wir in Kürze.

+++ Freitag, 10.40 Uhr +++

Heute messen wir den Tesla mit all den schnellen Flitzern, die sonst so auf deutschen Autobahnen unterwegs sind. Rasant mag es auch Heiner Ahrmann (siehe Bild oben), Chef vom Gut Altona in Wildeshausen mit seinem Porsche 911 Carrera S. Ahrmann kam mit seinem Porsche zur Raststätte, um den Elektroflitzer vor dem Start zu sehen.

Vor dem Start am letzten Testtag: Hotelchef Heiner Ahrmann vom Gut Altona in Wildeshausen posiert neben den manager-magazin-online-Redakteuren und ihrem Model S

Vor dem Start am letzten Testtag: Hotelchef Heiner Ahrmann vom Gut Altona in Wildeshausen posiert neben den manager-magazin-online-Redakteuren und ihrem Model S

Foto: manager magazin online

+++ Freitag, 10.45 Uhr +++

Der Tesla ist fast vollgeladen und zeigt 410 km Reichweite. In Kürze fegen wir über die Autobahn.

+++ Freitag, 11.00 Uhr +++

Wir freuen uns auch heute wieder über zahlreiche Kommentare bei Facebook . Danke für die vielen Anregungen bisher!

+++ Freitag, 11.10 Uhr +++

Die äußeren Bedingungen sind heute nicht wirklich ideal für ein rasante Autobahnfahrt. Immerhin hat es aufgehört zu regnen, die Fahrbahn nicht mehr so nass.

+++ Freitag, 11.12 Uhr +++

Der Vormittagsverkehr, der an der Raststätte vorbeirauscht, hält sich in Grenzen. Gleich reihen wir uns ein - auf die Überholspur.

Gasfuß auf Anschlag, es geht los

+++ Freitag, 11.30 Uhr +++

Gasfuß auf Anschlag, wir sind los. Die Traktionskontrolle ist überrascht und muss den Wagen bändigen. Vielleicht hat unser Model S nicht damit gerechnet, dass wir es noch mal so herausfordern.

+++ Freitag, 11.30 Uhr und 4,5 Sekunden +++

Bis auf 130 haben wir den Wagen aus dem Stand in einem gefühlen Wimpernschlag katapultiert. Mehr dürfen wir hier noch nicht.

+++ Freitag, 11.34 Uhr +++

Die Energierverbrauchskurve auf dem Bildschirm muss die Skalierung ändern. 600 Wattstunden pro Kilometer, das hatten wir bisher noch nicht. Die Restreichweite schrumpft nach drei Kickdowns und fünf Kilometern Fahrt von 420 auf 388 Kilometer.

+++ Freitag, 11.35 Uhr +++

Haben die Reifen gelitten? Es riecht nach Gummi.

+++ Freitag, 11.38 Uhr +++

Kleine Atempause, Tempolimit 120 vor Bremen. Glaub nicht, dass wir Dich ab jetzt schonen, Großer.

+++ Freitag, 11.40 Uhr +++

Die linke Spur gehört jedenfalls schon mal uns. Doch wie lange?

+++ Freitag, 11.41 Uhr +++

Eine wahre Freude ist der Sportmodus für die Steuerung beim Kickdown. Selbst mit vollem Druck auf den Reifen lenkt sich der Wagen präzise - fast wie ein Sportwagen.

+++ Freitag, 11.42 Uhr +++

Der Gestank ist fast weg, wohl alles halb so wild; vielleicht die Klimaanlage.

+++ Freitag, 11.46 Uhr +++

Das Tempolimit ist zu Ende. Bitte etwas zur Seite fahren!

+++ Freitag, 11.50 Uhr +++

Tempo 190, die unmittelbare Restreichweite sinkt auf 120 Kilometer. Doch die Aussagekraft ist begrenzt. Einmal vom Gas, schon sind wir wieder bei 330.

+++ Freitag, 11.52 Uhr +++

Basierend auf dem Fahrverhalten der letzten 50 Kilometer haben wir noch etwa 200 Kilometer.

+++ Freitag, 11.53 Uhr +++

Tempo 200, der Wind macht auf einmal ganz schön Sound, das Dach ist doch zu?

+++ Freitag, 11.58 Uhr +++

77 Kilometer bis Hamburg, sind wir in 30 Minuten da?

+++ Freitag, 12.00 Uhr +++

Der Durchschnitts-Energieverbrauch liegt bisher doppelt so hoch wie gestern, die Durchschnittsgeschwindikeit vielleicht zwei Drittel höher

+++ Freitag, 12.03 Uhr +++

Wir erhöhen auf 207, mehr ging in dem Moment nicht, wohl wegen eines kleinen Anstiegs

+++ Freitag, 12.06 Uhr +++

Regen setzt ein, der Verkehr nimmt vor Hamburg zu. Also probieren wir Tempo 160 zu halten.

Autobahnfahrt: Im Tesla Model S mit 162 km/h

Autobahnfahrt: Im Tesla Model S mit 162 km/h

Foto: manager magazin online

+++ Freitag, 12.09 Uhr +++

Angesichts der vielen verschiedenen Werte für die Restreichweite versuchen wir den Überblick zu bewahren. Sicher ist: Wenn wir ab jetzt einigermaßen vernünftig fahren würden (rated Range), kommen wir noch 237 Kilometer weit, gefahren sind wir bisher 104, Anfangs stand die Rated Range auf 422.

+++ Freitag, 12.11 Uhr +++

Wenn wir aber weiter so kacheln wie auf den letzten 50 Kilometern verbleiben nur 128 Kilometer...

+++ Freitag, 12.15 Uhr +++

Der grüne Balken der Batterie ist von etwa 90 Prozent am Anfang des Tages nach 115 Kilometern Fahrt auf etwa 55 Prozent geschrumpft. Hochgerechnet sind demnach etwa 250 Kilometer Raserei mit der Batterie möglich.

+++ Freitag, 12.18 Uhr +++

Es macht allerdings einen erheblichen Unterschied, ob es gelingt konstant 160 zufahren oder zwischen 130 und 200 Sachen zu rochieren. Letzteres ist Gift für die Batterie.

Schleichen oder nachladen?

+++ Freitag, 12.19 Uhr +++

Hamburg, da sind wir!

+++ Freitag, 12.24 Uhr +++

Tempolimit und Verkehr zwingen uns zum Energiesparen. Schaffen wir es bis Flensburg, und wenn ja wie schnell? Oder müssen wir noch zwischenladen?

+++ Freitag, 12.27 Uhr +++

Es geht durch den Elbtunnel, immer noch Sparfahrt. Der Akku ist halb leer.

+++ Freitag, 12.33 Uhr +++

Jetzt ist erstmal Schleichen angesagt. Stau in Hamburgs Norden. Müssen ausgerechnet heute alle zum Möbelhaus?

+++ Freitag, 12.45 Uhr +++

So ein Tempolimit ist ja eine zweischneidige Sache. Irgendwie hält es doch mächtig auf, aber es ist schon drastisch, wieviel Saft das gemäßigte Fahren spart. Der Effekt ist im Elektroauto viel deutlicher zu spüren als im Verbrenner. Und es gilt ja sogar nach den Worten von Elektroauto-Pionier Hansjörg von Gemmingen Hornberg: Wer langsam fährt kommt früher an. Der Spruch gefällt uns derzeit aber irgendwie nicht.

+++ Freitag, 12.54 Uhr +++

Mühsam arbeiten wir uns wieder auf 150 hoch. Doch wie schon im Stau vor Frankfurt am ersten Tag unserer Tour wünschen wir uns dringend eine eigene Elektroauto-Spur - angesichts all der behäbigen Überholmanöver anderer Verkehrsteilnehmer hier. Gleich sind wir bei Neumünster.

+++ Freitag, 13.05 Uhr +++

Wer schnell fährt, kommt später an - was gemeint ist, wird und immer deutlicher. Wir haben jetzt die Wahl - entweder schnell fahren und zwischenladen oder gemäßigt bis Flensburg. Bis dorthin sind es 86 Kilometer, Restreichweite bei unserem Fahrverhalten der letzten 50 Kilometer 72 Kilometer.

+++ Freitag, 13.15 Uhr +++

Aber irgendwie muss das doch zu schaffen sein. Also: Alle Verbaucher wie Klimaanlage ausschalten, Range Modus einschalten, Tempo drosseln.

+++ Freitag, 13.20 Uhr +++

Klar ist schon jetzt: Wer mit einem Auto stundenlang über die Autobahn rasen will, ist mit dem Tesla Model S nicht gut bedient. Auf den ersten 200 Kilometern jedoch sticht er Limousinen vom Schlag eines BMW 5er oder eines Audi A6 locker aus.

+++ Freitag, 13.25 Uhr +++

Damit ist das Auto faktisch ein Sportwagen im Limousinengewand. Der schnelle Ausflug ans Meer, die Stippvisite in die nächste Großstadt - bei solchen Einsätzen brilliert der 2,2- Tonnen-Wagen mit einer unwirklichen Leichtigkeit und unbändiger Kraft.

+++ Freitag, 13.30 Uhr +++

Für Fahrer, denen 120, 130 Sachen für weitere Strecken ausreichen, dient das Model S als echte Effizienzmaschine mit Luxus-Qualitäten. Fahrtkosten von 5 Cent pro Kilometer sind von Verbrennern nicht zu schlagen. Zumindest nicht in dieser Fahrzeugklasse.

+++ Freitag, 13.35 Uhr +++

Effizienz ist jetzt auch für uns die Parole. Noch 40 Kilometer bis zum Ziel und 45 Kilometer Reichweite. Hoffentlich verfahren wir uns jetzt nicht noch.

+++ Freitag, 13.38 Uhr +++

Wir erinnern uns an die wichtigsten Tipps vom Tesla-Techniker: Tempomat einschalten, Wagen per Touchscreen fast bis runter an den Aspahlt legen, bremsen und beschleunigen vermeiden. Ein BMW X3, den wir grinsend überholt hatten, zieht wieder an uns vorbei.

+++ Freitag, 13.55 Uhr +++

Noch 11 Kilometer bis zu Ladesäule der Stadtwerke mit den von gestern bewährten 88 Stundenkilometern. Restreichweite: 15 Kilometer.

+++ Freitag, 14.00 Uhr +++

Gerade haben wir geklärt, wo die Tesla-Leute den Wagen wieder in Empfang nehmen. Offenbar sind die gut informiert, was wir machen. Das wird ja eine Punktlandung, sagt der Techniker. Hoffentlich.

Stromjunkies am Ziel

+++ Freitag, 14.05 Uhr +++

Die letzten 800 Meter. Dann sind wir Stromjunkies endlich am Ziel. Nie haben wir uns so sehr wie in den letzten Tagen nach großen Steckdosen gesehnt.

+++ Freitag, 14.07 Uhr +++

Wo ist nur die Säule?

+++ Freitag, 14.12 Uhr +++

Nun meldet sich auch das Model S zu Wort und empfiehlt, jetzt zu laden. Genau das haben wir vor. Kollege Sorge fragt sich durch.

+++ Freitag, 14.15 Uhr +++

Am Busbahnhof, noch 100 Meter, soll sie sein.

+++ Freitag, 14.17 Uhr +++

Wir sehen die Säule, lindgrün, wunderschön!

+++ Freitag, 14.20 Uhr +++

Und der Parkplatz ist nicht besetzt, wir sind versöhnt.

+++ Freitag, 14.21 Uhr +++

Jetzt nur noch das richtige Ladekabel...

+++ Freitag, 14.24 Uhr +++

Das Kabel passt, der Strom fließt aber leider noch nicht.

+++ Freitag, 14.35 Uhr +++

Die Säule gibt Stoff, sogar 32 statt 16 Ampere! Das Notfallkommando der Stadtwerke muss nicht anrücken. Wir haben es geschafft!

Am Ziel: Nils Sorge und Wilfried Eckl-Dorna mit dem Tesla Model S an der Ladestation in Flensburg

Am Ziel: Nils Sorge und Wilfried Eckl-Dorna mit dem Tesla Model S an der Ladestation in Flensburg

Foto: manager magazin online

+++ Freitag, 14.40 Uhr +++

Ein bisschen mulmig ist uns zum Schluss schon noch geworden. Dabei hatte das Auto unser volles Vertrauen, im Gegensatz zur Ladesäule - nach all unseren Erfahrungen.

+++ Freitag, 14.41 Uhr +++

Erklärung für die Zitterpartie laut Tesla: Der Wagen führt zuerst einen Selbsttest durch, bevor er der Ladestation grünes Licht fürs Stromtanken gibt. Das dauert manchen Ladesäulen zu lange, und sie schalten wieder ab. Nach drei Versuchen hat es zum Glück trotzdem geklappt.

+++ Freitag, 14.50 Uhr +++

Diese letzte Episode unseres Trips steht stellvertretend für das, was wir erlebt haben. Das Fahren im Elektroauto ist ein Vergnügen, und im Model S gleitet es sich wie in einem Raumschiff durch Deutschland. Der Mega-Touchscreen informiert den Fahrer zudem perfekt über die Befindlichkeiten des Wagens und hält die Reichweitenangst im Zaum. 500 Kilometer im Stromer sind dank Tesla keine Utopie mehr. Das hilft jedoch alles nicht, wenn wir uns durch den deutschen Ladesäulendschungel kämpfen müssen.

+++ Freitag, 15.00 Uhr +++

So gesehen ist der Tesla der Strom-Streber, der noch nicht so recht zum staatlich verordneten deutschen Elektromobilitäts-Wesen passen will.

+++ Freitag, 15.07 Uhr +++

Doch der Tesla ist noch längst nicht perfekt und muss sich anpassen. Elon Musk soll zugesagt haben, bei Marktstart in Europa einen ganzen Strauß von Steckern und Adaptern anzubieten. So schnell geht es scheinbar auch nicht mit dem Tesla-eigenen Supercharger-Netzwerk für Europa.

+++ Freitag, 15.15 Uhr +++

Nach 1302 gefahrenen Kilometern geben wir den Tesla nun ab - inklusive der schicken Schlüssel in Form des Wagens. Danke fürs Mitlesen! Zurück nach Hamburg geht es für uns ebenfalls vollelektrisch - mit dem Zug.

Wie die Autoren nach der Testfahrt über das Auto urteilen, lesen Sie hier und hier.

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