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F-Type: Jaguars Angriff auf Porsche

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Jaguar F-Type Gut gebrüllt, Katze

Ein halbes Jahrhundert nach dem legendären E-Type geht Jaguar wieder mit einem reinen Sportwagen an den Start. Der rassige Brite will Porsche Kratzer verpassen. manager magazin online hat mit dem F-Type ein paar Runden gedreht.
Von Martin Hintze

Pamplona - Hier ist die Welt noch in Ordnung. Klare Bäche rauschen durch die zerklüftete Berglandschaft Nordspaniens. Der Raps steht in voller Blüte, Kühe grasen am Wegesrand. Kaum befahrene, geteerte Landstraßen ziehen sich durch die spärlich besiedelte Region Navarra. Außer einsamen Radfahrern, die sich über die Anstiege der Pyrenäenausläufer quälen und ein paar Wanderern auf dem Jakobsweg regt sich an diesem milden Apriltag nichts.

Genau genommen: fast nichts. Ohne Vorwarnung reißt ein raues Fauchen die Pilger aus ihrer Kontemplation, gefolgt von einem satten Gurgeln. Aus der Kehre schießt ein geduckter Zweisitzer in weinrot. Langgezogene Motorhaube, kompaktes Heck, ein Kühlergrill wie das geöffnete Maul eines Haifischs, das sich jeden Moment um seine Beute schließt. Es ist Jaguars neuer Roadster, der in diese Idylle platzt.

Drei Liter V6-Kompressor, 340 PS, 260 km/h Spitze. Der neue F-Type ist ein echter Sportler, so etwas hat es von den Briten seit 50 Jahren nicht mehr gegeben. "Für uns ist es das wichtigste Auto des Jahres", sagt Peter Modelhart, Deutschland-Chef von Jaguar Land Rover.

Es sind riesige Fußstapfen, in die das Cabrio tritt. Denn er ist - nicht nur, was die alphabetische Buchstabenfolge anbelangt - der legitime Nachfolger des E-Type, den die 007-Persiflage Austin Powers auf den Namen "Shaguar" taufte und unter Autofans und -Designern als Ikone gilt. Der F-Type soll nichts weniger als den Sportwagenkult wiederbeleben und dem arg verstaubten Limousinen-Image der Marke als Jungbrunnen dienen.

Trommelfell-Massage per Knopfdruck

Jaguar will kräftig im Porsche-Revier wildern und scheut dafür keinen Aufwand. Wochenlang werden für Journalisten Flugzeuge gechartert und ein ganzes Hotel angemietet. In Deutschland starten die Briten eine riesige Werbekampagne, obwohl die Marke hierzulande ein absolutes Nischendasein fristet.

Kann der Flitzer die enorm hohe Erwartungen erfüllen? Bei Einheimischen und Jakobsweg-Wanderern sorgt er zumindest für Aufsehen. Erst recht, als der giftige Klang bei der Ortseinfahrt zu einem kultivierten Schnurren wird. Die Ingenieure von der Insel haben dem F-Type eine "Sound-Taste" in die Mittelkonsole gelegt, die auf Knopfdruck Klappen in den Endrohren öffnet, um die Trommelfelle der Insassen mit einem donnernden Crescendo zu massieren. Oder andersherum, um die uralten Kirchturmglocken der nordspanischen Dörfer nicht zu übertönen.

Es ist nicht die einzige Spielerei des Jaguars. Da wären die automatisch aufklappenden Türgriffe, die während der Fahrt verschwinden. Der ausfahrbare Spoiler, der ab einer Geschwindigkeit von 96 km/h für mehr Druck auf der Hinterachse sorgt. Die Lüftungsdüsen, die sich nur bei aktivierter Klimaanlage aus der Mittelkonsole erheben. Wer braucht so etwas?

Die Raubkatze fährt die Krallen aus

Aber nach der Vernunft fragt bei einem solchen Auto ohnehin niemand. Das gilt für den Verbrauch (während der Testfahrt zeigt der Bordcomputer stets weit mehr als die angegebenen neun Liter), den Kofferraum (immerhin mit Aussparung für einen Kasten Wasser - viel mehr passt bei 148 Liter Volumen auch nicht hinein) genauso wie für den CO2-Ausstoß (209 Gramm pro Kilometer).

So wandelbar wie der Klang ist auch das Fahrverhalten des F-Type. Selbst einen Anfänger stellt die Leistung des Sechszylinders nie vor unlösbare Ausgaben. Direkte Lenkung und fein dosierbare Bremsen machen die Fahrt auf den Serpentinen zu einem entspannten Ausflug, bei dem man so knapp über dem Asphalt sitzt, dass man das Ende der Motorhaube nur erahnen kann. Spätestens im Dynamik-Modus fährt die Raubkatze ihre Krallen aus: Motor, Getriebe, Lenkung und Dämpfung werden auf Geschwindigkeit getrimmt.

Eine Brechstange namens V8

Wer mag, kann der Achtgangautomatik die Kontrolle entreißen und per Schaltwippen am Lenkrad oder Schaltknüppel die Nadel des Drehzahlmessers in den roten Bereich zwingen. Klack, klack, klack. Bei durchgedrücktem Gaspedal fliegen die Gänge durch die digitale Anzeige. Aus der Ruhe bringen lässt sich der Jag dennoch selten. Wer noch mehr Leistung und größere Schlappen will, greift zum F-Type S. Der Aufpreis für die zusätzlichen 40 PS ist happig: 84.900 Euro kostet die Basisversion, 11.500 Euro mehr als der F-Type.

Für knapp unter 100.000 Euro packen die Briten die Brechstange aus. Ein Fünf-Liter-V8-Aggregat mit knapp 500 PS schiebt die 1,6 Tonnen Aluminium mit Urgewalt an und reagiert bissig auf jede Berührung des Gaspedals. Auch der Klang setzt noch mal einen drauf. Alle drei Modelle stehen ab dem 25. Mai bei den Händlern.

Ob Jaguar nach dem Sportwagen-Dornröschenschlaf dem Platzhirsch Porsche wirklich gefährlich werden kann, entscheidet der Geschmack der Käufer. Die Vorrassetzungen erfüllt der F-Type allemal. Mit dem klaren Design hebt sich der Roadster (den es voraussichtlich in naher Zukunft auch als Coupé geben wird) von der Konkurrenz ab. Vom Klang ganz zu schweigen.

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