Fotostrecke

Tesla S: Der neue Flitzer des Elektro-Pioniers

Foto: Wolfgang Groeger-Meier

Europa-Premiere des Tesla S Auf der Überholspur

Mit seinem neuen Model S zielt der kalifornische Elektro-Pionier Tesla auf das Marktsegment zwischen 5er BMW und Porsche Panamera. Dabei ist das Modell S viel mehr als nur eine schicke Businesslimousine. Ein Fahrbericht von der Europa-Premiere.

München - Elon Musk, CEO und Haupt-Anteilseigner beim jungen kalifornischen Unternehmen Tesla, hat die Latte hoch gelegt: Seine Firma wolle "ganz einfach die besten Autos der Welt" bauen, sagt der 41-Jährige. Und weil, wie er findet, der Elektro-Antrieb nun mal die technisch beste Lösung biete für die Fortbewegung auf Rädern - drehmomentstark, ressourcenschonend, leise, robust und unterwegs vollkommen emissionsfrei - deshalb entwickle Tesla ausschließlich Elektro-Autos, sagt der Vordenker.

Das Model S ist Teslas erste Eigenkonstruktion, kompromisslos auf die Erfordernisse des Elektro-Antriebs konzipiert: Die neuen Lithium-Ionen-Akkus, zugeliefert vom japanischen Panasonic-Konzern, verschwanden komplett unterm Fahrzeugboden. Leistungselektronik, Elektromotor und Getriebe wurden unauffällig untergebracht im Raum hinter der Rückbank und über der Hinterachse - in etwa dort, wo sich bei herkömmlicher Bauweise Treibstofftank und Differenzial finden.

Das Platzangebot im Innern ist folglich riesig. Der Kofferraum im Heck bietet zum Beispiel so viel Platz, dass gegen Aufpreis eine dritte Sitzbank mit zwei Kindersitzen eingebaut werden kann. Zusammen mit dem ebenfalls sehr geräumigen Gepäckfach unter der Fronthaube ergibt sich bei fünf Sitzplätzen ein Gepäckvolumen von 895 Litern - einzigartig für eine Businesslimousine.

Das Design des Model S - entworfen vom deutschstämmigen Franz von Holthausen - erinnert an die schlanke Linie des Jaguars XF und an die muskulösen Proportionen von Aston Martins viertürigem Rapide. Im Cockpit fällt der riesige, senkrecht stehende Monitor auf: ein Touchscreen von 17 Zoll Bild-Diagonale - mehr als die meisten Laptops bieten.

Der Tesla S wieselt durch die Kurven wie ein Sportwagen

Darüber lassen sich Klima- und HiFi-Anlage, das Schiebedach, die Beleuchtung und alle die vielen Kommunikationskanäle steuern, die den potenziellen Käufern aus der "Generation @" ans Herz gewachsen sind. Mit einer schnellen Mobilfunk-Verbindung soll das Model S permanent online sein. Dann können sich die Passagiere unterwegs in allen sozialen Netzwerken tummeln.

Selbstverständlich lässt sich dann jede noch so exotische Web-Radiostation empfangen, und selbstverständlich liefert das Navi-System alle Möglichkeiten einer Google-Suche - mit dem vertrauten Layout von Google Earth, - Maps und -Streetview. Und selbstverständlich lässt sich neue Software, etwa für die Getriebe-Abstimmung, von außen so schnell und so einfach überspielen wie eine App aufs Smartphone.

Das funktioniert alles so reibungslos und selbsterklärend, dass bei der Innenausstattung einzig die schwarzen Plastik-Elemente an der Lenksäule Anlass für Kritik bieten. Der Getriebe-Wahlhebel, die Schalter für Blinker und Tempomat stammen aus dem aktuellen Mercedes-Sortiment. Hier hat Tesla auf die billigste Zuliefer-Lösung gesetzt - und nicht bedacht, dass europäische Kunden ein solches Déjà-vu als Stilbruch empfinden könnten.

Wie aber fährt sich das Model S? Kurz gesagt: atemberaubend. Der Testwagen (mit der stärksten Batterie- und Motor-Ausstattung) beschleunigt in nur 4,6 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Zum Vergleich: ein Porsche Panamera braucht dafür ein Drittel mehr, mindestens 6,1 Sekunden. Und egal bei welcher Geschwindigkeit: Wie bei allen Elektro-Autos lässt sich das gewaltige Drehmoment (600 Nm beim Testwagen) sofort abrufen. So sprintet der Stromer in nur 2,7 Sekunden von 80 auf 120 km/h, in derselben Zeit von 110 auf 140 km/h. Das Überholen von kriechenden Kieslastern wird damit zu einem Vergnügen, von dem man auch auf engsten Landsträßchen nicht genug kriegen kann.

Leichtfüßig über Tempo 200

Dort wieselt das Model S dann auch durch die Kurven wie ein Sportwagen - trotz der Trägheit seiner 2,2 Tonnen. Der tiefe Schwerpunkt - die gewichtigen Batterien liegen nur wenige Zentimeter über der Fahrbahn - hält die Limousine auf Kurs, die Federung bügelt auch grobe Bodenwellen aus, die straffe Dämpfung verhindert Nachwippen oder gar Schwanken.

Tritt der Fahrer jedoch am Kurvenausgang übermütig oder gar abrupt auf das rechte ("Strom")Pedal , dann muss er sich auf ein Versetzen der Hinterachse gefasst machen, besonders auf nasser Fahrbahn - ein Tribut an die 600 Nm Drehmoment. Der kurze Ausbruch bleibt aber harmlos, das ESP fängt die Karosse wieder ein.

Auf der Autobahn behält der Tesla S auch jenseits von Tempo 200 sein Temperament und seine Leichtfüßigkeit. Freilich sinkt dann die Anzeige über den Ladestand der Batterie so schnell wie der Tankuhr-Zeiger beim Ballern mit einem Porsche Cayenne Turbo S; die Reichweite - bei beim Testwagen mit 500 Kilometern angegeben - nimmt bei solchen Kapriolen rapide ab.

Hilfreiche Rekuperation

Hilfreich ist dann die Rekuperation, also die Energie-Rückgewinnung durch die zum Generator umgepolte Maschine. Sie bremst das Elektro-Auto schneller und stärker ab als jedes Gaswegnehmen bei Verbrennungsmotoren, lädt dabei die Batterie und verlängert sofort die Reichweite.

Ist das Model S nun "das beste Auto der Welt", wie Tesla-CEO Elon Musk vollmundig behauptet? Für solche Superlative ist es sicher zu früh. Zugegeben: Das Fahrerlebnis sucht seinesgleichen, nicht nur im Vergleich zu anderen Oberklasselimousinen.

Doch muss sich erst noch erweisen, ob die im europäischen Alltagseinsatz erzielbare Reichweite von gut 300 Kilometern tatsächlich ausreicht. Ob die hiesige Klientel eine Batterie-Ladezeit von mehreren Stunden an der Garagen-Steckdose für akzeptabel hält und ob die Energiekonzerne genügend Starkstrom-Stationen für eine Schnell-Aufladung in 40 Minuten zur Verfügung stellen, die bei einer Sonder-Ausstattung die Batterie zu 70 Prozent füllt.

Offen bleibt vorerst auch, ob der 5-Sitzer genügend Käufer finden kann, um mehr zu sein als ein faszinierender Exot. Die europäischen Preise stehen noch nicht fest. Sie sollen auch bei Top-Ausstattung unter 100.000 Euro liegen und eine achtjährige Garantie für die Batterie einschließen. Immerhin haben weltweit schon 13.000 Interessenten ein Model S für sich reserviert und 40.000 Dollar dafür angezahlt.

Mehr lesen über
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.