Montag, 23. September 2019

Elektroautos Von der Stromdroschke zum Stadtflitzer

Historische Elektroautos: Akku-Audi und Batterie-Benz
TMN

Autos mit Elektromotor gibt es bereits seit mehr als 100 Jahren, den Durchbruch schafften die Stromdroschken aber nie. Zu schwer wogen die Batterien, zu gering war die Reichweite. Mit den heutigen Stadtflitzern könnte sich das ändern.

Köln/Berlin - Die große Elektro-Euphorie in der Automobilbranche ist verflogen. Die geringe Reichweite der Fahrzeuge und die hohen Preise halten viele vom Kauf ab. Doch das Ziel der Bundesregierung bleibt: Bis 2020 sollen eine Million Elektroautos auf Deutschlands Straßen unterwegs sein, bis 2030 sogar sechs Millionen. Während noch unklar ist, wie dies bei der gegenwärtig geringen Nachfrage zu verwirklichen ist, ist die Vorgeschichte geschrieben - und sie beginnt überraschend früh.

"Die Frage nach dem genauen Beginn ist schwierig zu beantworten", sagt Immo Mikloweit, Gründer der Automobilhistorischen Gesellschaft in Köln. Aber eines gibt die Quellenlage sicher her: Nur zwei Jahre, nachdem Carl Benz das Patent für seinen Patent-Motorwagen Nummer 1 mit Verbrennungsmotor erhielt, stellte die Coburger Maschinenfabrik Flocken 1888 eine Kutsche mit Elektromotor vor. Und in Paris hatte bereits sieben Jahre zuvor Charles Jeantaud eine Kutsche mit E-Motor gezeigt. "Der erste, der ab 1888 Elektroautos allerdings für die Serie entwickelte, war der Franzose Louis Kriéger", weiß Mikloweit.

Zur Jahrhundertwende war das Rennen um den bevorzugten Antrieb noch nicht gemacht. Dampfwagen existierten neben Gefährten mit Verbrennungsmotoren und Stromfahrzeugen, wenngleich das Automobil noch kein Massentransportmittel war. Nicht nur in Europa, auch in den USA wurden E-Autos gefertigt, unter anderem von Firmen wie der Columbia Automobile Company in Connecticut, der Baker Motor Vehicle Company in Ohio oder der Detroit Electric Car Company in Michigan.

Den Elektroautos kam damals eine Vorreiterrolle zu: "Sie waren schneller als Autos mit Verbrennungsmotoren", so Mikloweit. Der Autohistoriker bringt einen Geschwindigkeitsrekord in Erinnerung: Im April 1899 knackte ein Straßenwagen mit fast 106 Kilometern pro Stunde erstmals die 100-km/h-Marke - es war das zigarrenförmige E-Auto La Jamais Contente, pilotiert vom belgischen Rennfahrer Camille Jenatzky. Und E-Mobile waren anders als heute alltagstauglicher als andere Autos: "Ein Elektroauto konnte man ganz einfach fahren. Für ein Fahrzeug mit Verbrennungsmotor musste man schon ein kleiner Kfz-Mechaniker sein - ständig waren Vergaser verstopft oder Zündkerzen hinüber", sagt Mikloweit.

"Dreh- und Angelpunkt war damals schon die Batterie"

Doch je handhabbarer Autos mit Verbrenner wurden - spätestens durch den elektrischen Anlasser anstelle einer Kurbel -, desto mehr fielen die Nachteile des Elektroautos ins Gewicht. "Dreh- und Angelpunkt war damals schon die Batterie", erklärt Mikloweit. Überlandfahrten waren allein wegen der geringen Reichweite und dem Mangel an Ladestationen nahezu unmöglich. Und auf schlammigen Pisten wären die manchmal bis zu fünf Tonnen schweren Batteriekolosse ohnehin versackt. Nur im öffentlichen Stadtverkehr blieb der Elektromobilität mit E-Bussen nach den Elektrodroschken ein länger andauernder Erfolg beschieden.

Dennoch blieben die Autobauer am Ball: Zur Pariser Weltausstellung 1900 hatte der damals 25-jährige Ferdinand Porsche als Cheftechniker der k.u.k.-Hofwagenfabrik Jakob Lohner & Co. den Lohner-Porsche entwickelt - ein E-Auto mit Nabenmotoren an den Vorderrädern. Nach heutigen Porsche-Angaben schaffte der Wagen mit einer Batterieladung rund 50 Kilometer. "Dann hatte Porsche Börsen-Chart zeigen die Idee, zusätzlich zwei Verbrennungsmotoren einzubauen, die die Batterie laden", sagt Dieter Gross vom Porsche-Archiv. "Dieses Fahrzeug war eines der ersten mit Hybridsystem." So wurden 200 Kilometer Fahrt am Stück möglich. Mehr als 100 Jahre später debütierte bei Porsche der Panamera als Hybrid.

In den 1970er Jahren lebte die Idee vom E-Auto in besonderer Weise wieder auf. Zu den Olympischen Spielen in München 1972 präsentierte BMW Börsen-Chart zeigen den 1602 mit 44-Volt-Motor, der bei den Marathonwettbewerben als Begleitfahrzeug eingesetzt wurde, so BMW-Sprecher Manfred Grunert. Schon 1971 hatte Mitsubishi Börsen-Chart zeigen mit der Entwicklung von Elektrofahrzeugen begonnen. Den Anfang machten die Modelle Minica Van EV und Minicab EV, von denen insgesamt 108 Einheiten ausgeliefert wurden - lange vor dem seit 2009 verfügbaren i-Miev. Und Mitte der 70er Jahre begann Volkswagen Börsen-Chart zeigen mit seiner Forschungsarbeit zur Elektromobilität.

Erstes Ergebnis der Wolfsburger war ein Golf I mit 20 kW/27 PS starkem E-Motor, der bis 1986 als Versuchsträger diente. Drei Jahre später debütierte der Golf City-Stromer auf Basis der zweiten Golf-Generation als Kleinserienfahrzeug mit 19 kW/26 PS starkem Drehstrommotor. Damit beschleunigte der Golf in 13 Sekunden auf 50 km/h und weiter auf maximal 100 km/h. Der Blei-Gel-Akku ermöglichte laut VW eine Reichweite von rund 50 Kilometern. "Der VW Golf City-Stromer war der erste Versuch, den Elektroantrieb in die Klasse zu bringen", sagt VW-Sprecher Christian Buhlmann.

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