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Oldtimer als Geldanlage: Die zehn renditeträchtigsten Modelle

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Oldtimer Rollende Renditebringer

Von wegen Liebhaberstücke - Oldtimer sind ein gefragtes Investment, gerade in Krisenzeiten. Allein in Deutschland werden jedes Jahr Milliarden in altes Blech angelegt. Worauf Käufer achten müssen.
Von Martin Hintze

Hamburg - Ende Juni in Goodwood, Südengland. Im großen Festival-Zelt drängen sich die Gäste vorbei an auf Hochglanz polierten Boliden aus Stahl. Ingenieurskunst früherer Jahrzehnte, teilweise aus der Vorkriegszeit. Alle Augen sind auf das Podium gerichtet, wo eine der exklusivsten Automobilversteigerungen der Welt gerade ihren Höhepunkt erreicht.

Beim traditionsreichen Goodwood Festival of Speed steht das Objekt 204 zum Verkauf: der knallrote Bentley Blower No. 1. Ein Rennwagen mit großer Geschichte, entworfen von Sir Henry "Tim" Birkin, Mitglied der legendären "Bentley Boys" und einer der berühmtesten britischen Rennfahrer. Für den über vier Meter langen Flitzer - der mit seinem 4,5 Liter Motor plus Kompressor 1931 den Geschwindigkeitsrekord von 220,03 km/h aufstellte - liegt das Ausgangsgebot bei zwei Millionen Pfund.

Schnell treiben sich die Bieter gegenseitig nach oben, teilweise in aggressiven 500.000-Pfund-Schritten, die klar machen sollen: Ich will dieses Unikat, egal zu welchem Preis. Bei 5 Millionen Pfund, umgerechnet 6,4 Millionen Euro, fällt der Hammer. Die Menge staunt und flüstert. Denn so viel Geld, wie der anonyme Käufer am Telefon geboten hat, wurde noch nie für ein britisches Auto auf einer Auktion gezahlt.

Nur wenig später wechselt ein 100 Jahre alter Rolls-Royce für 4,7 Millionen Pfund den Besitzer und ein Alfa Romeo aus dem Jahr 1932 kommt für 2,6 Millionen Pfund unter den Hammer. Die Begeisterung für historische Wagen - und damit auch die Zahlungsbereitschaft - scheint an diesem Tag keinen Grenzen zu kennen.

Der teuerste Oldtimer der Welt

Die Auktion beim Goodwood Festival of Speed ist ein Pflichttermin im Kalender der Oldtimernarren. Und der nächste Höhepunkt ist bereits in Sicht: der "Pebble Beach Concours d'Elegance" Mitte August in Kalifornien. Im vergangenen Jahr wurde dort ein Ferrari 250 Testa Rossa für 16,4 Millionen Dollar (12,8 Millionen Euro) versteigert. Damit gilt der Rennwagen von 1957 als teuerster Oldtimer der Welt. Nicht ausgeschlossen, dass in diesem Jahr der Rekord noch übertroffen wird.

Denn unter die Liebhaber und Sammler mischen sich immer häufiger auch Investoren, die in den historischen Wagen ganz emotionslos eine krisensichere Geldanlage sehen. "Wir registrieren zunehmend ein internationales und sehr zahlungskräftiges Publikum", sagt Marius Brune, Leiter der Marktbeobachtung beim Oldtimer-Datendienst Classic Data. Vermögende aus Asien, Russland, den Golfstaaten, aber auch aus Lateinamerika drängen auf den Markt. "Die spielen ganz oben mit", so Brune.

Auf der Suche nach einem sicheren Hafen sind die Reiche aus aller Welt längst auch auf historische Fahrzeuge gestoßen. Allein in Deutschland stieg die Zahl der Oldtimer-Kennzeichen im vergangenen Jahr um rund 11 Prozent. 259.000 Fahrzeuge tragen das "H" auf der Stoßstange. Dabei sind die über 30 jährigen Autos, die mit normalem Kennzeichen angemeldet sind oder ohne Anmeldung in Garagen gehortet werden, noch gar nicht mitgezählt.

5,5 Milliarden Euro investieren die Deutschen pro Jahr in historische Fahrzeuge, schätzt der Bundesverband für Clubs klassischer Fahrzeuge. Auf Europas Straßen rollen mehr als zwei Millionen Klassiker. Auch hier ist die Tendenz steigend.

Oldtimer überholen Aktien

"Auslöser des Booms ist der anhaltende Anlagenotstand", sagt Manfred Mühlheim, Leiter des Asset Managements bei der Südwestbank. "Oldtimer zeigen dagegen eine sehr beständige Wertentwicklung. Sie schlagen Aktien und Renten um Längen."

Eine gewagte Behauptung. Zur Begründung schiebt der Banker Zahlenkolonnen hinterher: Das Geldhaus aus Stuttgart veröffentlicht einmal pro Jahr einen eigenen Oldtimerindex, den OTX. Dieser stieg allein 2011 um ein Viertel. Seit dem Basisjahr 2005 bis Ende 2011 legte der Index im Durchschnitt 16,4 Prozent per anno zu, ein Plus von insgesamt 115 Prozent. Der Dax kam im gleichen Zeitraum auf 38,6 Prozent, der Index Rex-P für deutsche Staatsanleihen auf 39,3 Prozent.

Spitzenreiter unter den Oldtimern ist demnach der Mercedes W 108/W 109 mit einem Wertzuwachs von knapp 170 Prozent in sieben Jahren. Der OTX der Südwestbank erfasst allerdings nur die Preisentwicklung von 20 Modellen süddeutscher Hersteller. Dazu zählen Daimler, Opel, Porsche und BMW.

Etwas breiter aufgestellt ist der Deutsche Oldtimer Index (Dox), den der Verband der Automobilindustrie (VDA) veröffentlicht. Darin fließen 88 Modelle aus sieben Herstellernationen ein - jedoch keine Vorkriegsfahrzeuge, die mit Preisen von mehreren Millionen den Index verzerren würden. Seit dem Start der Berechnung 1999 hat sich der Dox nahezu verdoppelt. Nach einer Stagnationsphase von 2008 bis 2010 - die auch durch die Finanzkrise verursacht wurde - stand im vergangenen Jahr Stand ein Plus von 9,3 Prozent zu Buche. "Für 2012 rechne ich mit einem Wachstum im einstelligen Prozentbereich", sagt Stefan Röhrig, Leiter des Fachbereichs Historische Fahrzeuge beim VDA.

Vom hässlichen Entlein zum Topinvestment?

Spitzenreiter im Dox ist ausgerechnet der Citroen 2 CV, besser bekannt als die "Ente". Das wegen seiner ursprünglich niedrigen Anschaffungskosten bei Studenten sehr beliebte Massenmodell aus den Baujahren 1969 bis 1976 kostete 1999 im Schnitt 2000 Euro, 2011 musste man schon 8300 Euro für ein Exemplar im Topzustand auf den Tisch legen. Wertzuwachs: stolze 315 Prozent.

Der Hauptgrund für den Wertanstieg dürfte darin begründet sein, dass das Angebot stark zurückgegangen ist. Innerhalb eines Jahrzehnts stürzte die Zahl der zugelassenen Citroen 2 CV nach den Zahlen des Kraftfahrtbundesamts von 300.000 auf knapp 13.000 ab.

Hat sich das hässliche Entlein zum Topinvestment gemausert? Leider nein. Denn anders als bei einer Aktie, für die Anleger lediglich ein Depot benötigen, müssen Oldtimerbesitzer hohe laufende Kosten tragen: Garage, Versicherungen, Steuern, Instandhaltungskosten und natürlich auch Benzin. Schließlich sollten Oldtimer regelmäßig gefahren werden, um Standschäden zu vermeiden. "Wer mit Beträgen unter 100.000 Euro in die Oldtimerwelt einsteigen will, darf nicht auf große Gewinnen hoffen", sagt Frank Wilke vom Informationsdienst Classic Car Tax, der auch die Daten für den Dox sammelt. Bei günstigeren Oldtimern könne man in der Regel bestenfalls ein finanzielles Nullsummenspiel erwarten, so der Experte. Hobbysammlern bleibt dafür der Spaß am historischen Fahrzeug.

Wenn Beulen und Schrammen den Wert steigern

In den niedrigeren Preisklassen ist der Zustand des Fahrzeugs das wichtigste Kriterium. Sachverständige vergeben dafür Noten von 1 für "makellos" bis 5 für "restaurierungsbedürftig". Daneben spielt natürlich auch der Seltenheitswert des Fahrzeugs eine Rolle. Rare Sondereditionen sorgen eher für einen höheren Wiederverkaufswert als ein vergleichbares Massenmodell. "Sammler suchen immer das Topmodell eines Typs, also die Speerspitze der damaligen Technik", erklärt Wilke. Und ein Original sollte der Oldtimer ohnehin sein. Der Nachweis erfolgt meist über die Fahrzeuggestellnummer. Im oberen Preissegment werden nicht selten metallurgische Gutachten in Auftrag gegeben, um Fälschungen zu entlarven.

Ohnehin gelten bei Preisen jenseits der Millionengrenze andere Spielregeln. Ein Topzustand ist kein Muss - im Gegenteil: Bei Rennwagen beispielsweise zeugen Beulen und Schrammen von glorreichen Siegen. Überhaupt ist bei diesen klassischen Fahrzeugen die Historie entscheidend. Welche Rennen wurden damit gefahren? Gibt es berühmte Vorbesitzer? Ist es ein Filmauto? Oder ist der Wagen ein Prototyp? "Besonders ein lückenloser Besitznachweis und der passende Kilometerstand sind wichtige Kriterien", sagt Classic-Data-Experte Brune. All das trifft auf das 6,4-Millionen-Auto Bentley Blower No. 1 zu.

Oldtimerblase in den 1990er Jahren

Wer die Entwicklung im Topsegment verfolgen möchte, sollte die Indices der Historic Automobil Group International (HAGI) im Blick behalten. Der HAGI Top Index erfasst die Wertentwicklung von 50 Oldtimern von insgesamt 19 Herstellern. Der Mindestpreis liegt bei 100.000 Pfund, von den meisten Modellen existieren nur noch 1000 Exemplare weltweit. Im Durchschnitt kosteten die Fahrzeuge 2010 rund 285.000 Pfund. Im Juni legte der HAGI Top um 18,7 Prozent gegenüber dem Vorjahreswert zu. Besonders die Marken Mercedes-Benz, Bentley und AC/Shelby haben laut der aktuellsten Auswertung an Wert gewonnen.

Seit der Jahrtausendwende zeigt die monatlich aktualisierte Kurve des HAGI Top steil nach oben. Ein Beweis, dass die Preise auch in Zukunft konstant zulegen, ist das indes nicht. Denn es ging auch schon einmal bergab für die Boliden, nämlich in den 1990er Jahren. Nach dem Tod von Enzo Ferrari, Namensgeber des italienischen Sportwagenherstellers, im Jahr 1988 schossen die Preise für Wagen aus Maranello in die Höhe, die unter der Ägide des Unternehmensgründers gebaut wurden. "Im Zuge dessen verselbstständigte sich der Oldtimermarkt", sagt sagt Marktbeobachter Wilke. Finanzinvestoren spekulierten auf hohe Renditen. Nach zwölf Monaten platzte die Blase. "Es dauerte Jahre, bis sich die Branche wieder erholt hatte."

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