Mittwoch, 20. November 2019

Tricks zum Spritsparen Alles super fraglich

Teure Tankfüllung: Die halbgaren Spritspartricks
DPA

Helfen sie nun oder helfen sie nicht, die Tricks zum Spritsparen? Werkstätten versprechen geringeren Verbrauch und oft auch höhere Leistung. Doch die Wirkung am Auto ist meist fraglich - und viele der vermeintlichen Helfer wissen das.

Losheim am See/Bielefeld - Ohrkerzen und Wünschelruten - für sein Wohlbefinden setzt der Mensch oft auf unkonventionelle Methoden. Warum sollte das am Steuer anders sein? Um den Benzinverbrauch zu senken, funktioniert das Prinzip Hoffnung offenbar prima. Man ist zu Experimenten bereit. Jedenfalls finden sich in Fachzeitschriften, im Internet und in Regalen des Zubehörhandels auch andersartige Produkte, die den Verbrauch senken und die Leistung erhöhen sollen.

"Einige Ansätze lassen sich tatsächlich wissenschaftlich erklären und herleiten", sagt Thomas Schuster von der Sachverständigenorganisation KÜS in Losheim am See. Er mahnt allerdings zur Skepsis: "Wenn solche Maßnahmen ohne Risiken und Nebenwirkungen durchgängig einen positiven Effekt hätten, wären sie wahrscheinlich längst ab Werk eingebaut."

Besonders populär ist das Chiptuning der Motorelektronik, das laut Schuster auf dem Ausnutzen mechanischer und thermischer Reserven im Antrieb beruht. Viele Tuner beherrschen die Methode und geben Anschlussgarantien. "Aber es gibt auch schwarze Schafe." Manchmal müsse mit einer Verschlechterung der Abgaswerte, mehr Spritdurst und auch schweren Motorschäden gerechnet werden.

Stickstoff statt Luft im Reifen

Stickstoff statt Luft im Reifen ist ein anderer Winkelzug: Mancher Servicebetrieb verspricht dadurch mehr Fahrkomfort und weniger Spritdurst. Für Aufpreise im niedrigen zweistelligen Euro-Bereich soll das Gas für einen beständigen Druck bei unterschiedlichen Temperaturen sorgen, weil Stickstoff sich bei Wärme nicht so sehr ausdehnt. Außerdem soll das Reifengas die Federung verbessern und das Abrollgeräusch mindern. Durch den geringen Abrollwiderstand sinke auch der Verbrauch. Tester des ADAC in München geben darauf allerdings wenig. Die bei Flugzeugen und Spezialfahrzeugen sinnvolle Lösung bringe dem Autofahrer bei den im Pkw üblichen Reifendrücken keinen nennenswerten Vorteil, so die Experten.

Mehr Wirkungsgrad verspricht die Firma Kamann-Autosport aus Bielefeld durch ihren Powerbooster: Das mindestens 219 Euro teure Gerät wird vor dem Luftfilterkasten oder dem Luftmengenmesser montiert und verdichtet die Ansaugluft des Motors. Es lässt sich nach Angaben des Unternehmens bei fast allen Autos montieren. Durch mehr Luft im Motor werde die Verbrennung optimiert, die Leistung steige. Je nach Leistungsstufe bis zu 15 kW/20 PS im unteren und mittleren Drehzahlbereich seien möglich, sagt Firmenchef Christian Kamann. Mit diesem Trick gehöre das gefürchtete Turboloch von aufgeladenen Motoren der Vergangenheit an - das Drehmoment werde schlicht früher aufgebaut. Zugleich soll der Verbrauch um bis zu zehn Prozent sinken.

KÜS-Experte Schuster sieht bei solchen Systemen eine nicht unerhebliche Hürde: Eine Leistungssteigerung durch einen elektronisch geregelten Lader sei grundsätzlich zwar möglich. Jedoch benötige man für eine Veränderung in diesem Bereich immer eine Teilegenehmigung. Werden ungeprüfte Teile verwendet, muss der Fahrzeugumbau von einem Sachverständigen abgenommen werden - was Zusatzkosten verursacht.

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