Sonntag, 17. November 2019

Oldtimer-Restaurierung Aus alt mach kostbar

Oldtimer-Restaurierung: So machen es die Profis
TMN

2. Teil: In Hannover kümmert sich eine Werkstatt nur um VW-Bullis

Allerdings reagieren immer mehr Marken auf den Oldtimer-Boom: So verweist Eberhard Kittler, der die Classic-Sparte von Volkswagen in Wolfsburg leitet, auf rund ein Dutzend Spezialwerkstätten in Deutschland: "Dort werden Oldtimer nach Werkstandards gewartet, repariert und im Einzelfall auch restauriert." VW-Nutzfahrzeuge hat vor kurzem eine eigene "Bulli-Werkstatt" in Hannover eröffnet. In Zeiten, in denen ein gut erhaltener Samba-Bus bereits mehr als 100.000 Euro wert ist, rechnen die Niedersachsen mit Kunden, die ihren Transporter aus der Wirtschaftswunderzeit perfekt restaurieren lassen wollen. Dafür haben sie 13 Mitarbeiter abgestellt.

Szene-Kenner Schmidt hält nur die wenigsten Autoklassiker für die Restaurierung durch den Hersteller geeignet: "Das macht man nur mit Autos, die einen hohen Wert und einen noch höheren Wertzuwachs haben. Oder an denen man besonders hängt, weil schon der Vater oder der Opa am Steuer gesessen haben." Ansonsten seien solche Restaurationen oft unwirtschaftlich, mahnt Schmidt: "Nicht umsonst werden sie für Brot- und Buttermarken wie Opel oder Ford gar nicht angeboten."

Er verweist stattdessen auf Werkstätten, die sich auf einzelne Modelle spezialisiert haben. "Die machen das oft schon seit Zeiten, in denen die Hersteller mit ihren Oldtimern noch gar nichts zu tun haben wollten, und kennen sich deshalb oftmals sogar besser aus", sagt der Experte.

Schrauben oder schrauben lassen, das ist die Frage

Noch besser ist in seinen Augen die Eigeninitiative. "Mit entsprechender Fachliteratur, dem Rat von Markenclubs und Sammlerkollegen und einem gut sortieren Werkzeugkoffer kommt man weiter, als man denkt", sagt Schmidt. Es sei außerdem nicht nur günstiger und man lerne sein Auto besser kennen, sondern jede Fahrt sei dann ein besonderes Erfolgserlebnis. Und am Ende habe man allen Grund, stolz zu sein. Das alles verbinde Fahrer und Fahrzeug ungemein.

Die Euphorie für die Eigenleistung ist zwar schön und gut, sagt Stefan Ehl, der bei der Sachverständigenorganisation KÜS als Prüfingenieur arbeitet. Doch der Experte warnt vor Selbstüberschätzung: "Kosmetische Retuschen sind sicher kein Problem. Aber wenn es um elementare Arbeiten geht, sollte man als Laie die Finger davon lassen oder zumindest einen Profi um Rat fragen." Denn unsachgemäße Reparaturen und Instandsetzungen bergen hohe Sicherheitsrisiken. "Und wer das falsche Teil einbaut, riskiert womöglich seine Oldtimer-Zulassung."

Die Frage ist also: Schrauben oder schrauben lassen? Als erster Hersteller hat Porsche einen Kompromiss gefunden: In der Werkstatt im Souterrain des neuen Museums in Zuffenhausen bieten die Schwaben neuerdings Restaurierungs-Workshops an. Für Preise ab 110 Euro stehen die Meister der Klassikwerkstatt angehenden Hobbyschraubern mit Rat und Tat zur Seite.

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