Samstag, 25. Mai 2019

Flugautos Abgehobene Träume

Flugautos: Wennze wirklich fliechst
TMN

2. Teil: 1200 Kilometer mit einer Tankfüllung

Dass das fliegende Auto nicht erst seit gestern in den Köpfen vieler Entwickler umherschwirrt, belegt eine weitere US-Firma. Seit 50 Jahren tüftelt Paul Moller, Gründer von Moller International, an Flugautos. Doch auch bei seinem neuesten Entwurf ist er noch nicht über den Prototypenstatus hinausgekommen. Laut Manager Bruce Calkins ist eine Serienproduktion nicht vor 2014 zu erwarten.

Das mit vier drehbaren Triebwerken ausgestattete Skycar von Moller International soll Platz für vier Passagiere bieten, starten und landen können wie ein Hubschrauber und mit mehr als 600 km/h die Geschwindigkeit eines Business-Jets erreichen. Mit einer Tankfüllung soll es bis zu 1200 Kilometer weit kommen. Alternativ hat Moller den im Design an den Ferrari 599 GTB angelehnten Autovolantor in Planung - ein Hybrid-Gefährt im doppelten Sinne: Um den Betrieb zu Lande und in der Luft zu ermöglichen, kommen Wankel- und Elektromotoren mit zusammen rund 800 PS zum Einsatz.

Der Autovolantor kommt wohl am ehesten den Einsatzmöglichkeiten nahe, die dem Klischee entsprechen, Flugautos seien die perfekte Lösung für überfüllte Straßen in Ballungsräumen: Es könnte im Stau einfach abheben und die geerdete Fahrt auf einer weniger verstopften Straße fortführen. Sollte der Autovolantor jemals zum Verkauf stehen, wäre er ziemlich teuer, wenn auch "weit günstiger" als der Drei-Millionen-Dollar-Prototyp, heißt es bei Moller International.

Führerschein oder Fluglizenz?

Die USA sind wohl das Land, in dem am intensivsten an sogenannten straßentauglichen Fluggeräten ("roadable aircrafts") - auch MMV für Multi-Mode-Vehicle genannt - gearbeitet wird. Ein weiterer Entwickler in Übersee ist das Unternehmen Milner Motors, das 2008 auf der New York International Auto Show einen Prototypen des viersitzigen AirCars zeigte.

Aus Europa stammt dagegen der Entwurf für den PAL-V: Das flugfähige Fahrzeug der niederländischen Firma PAL-V Europe BV ähnelt einem Trike. Ein Hauptrotor über dem Dach lässt den Tragschrauber abheben, den Vortrieb übernimmt ein Propeller am Heck. Für eine gute Straßenlage kommt eine Neigetechnik zum Einsatz. Die Markteinführung sei "in zwei bis drei Jahren" realistisch, sagt Manager Robert Dingemanse.

Angedachte Einsatzzwecke des PAL-V klingen dann doch ein bisschen nach Science Fiction: "Wenn es schwierig wird, weiterzufahren, können Sie einfach weiterfliegen - über Seen, Berge, Wüsten, Meeresarme oder Fjorde", so Dingemanse. Als potenzielle Kunden schweben ihm die Polizei, fliegende Ärzte, Grenzkontrolleure und das Militär vor.

Offene Fragen gibt es noch bei der Fluglizenz. John Brown könnte sich als Fahrerlaubnis für den Carplane neben dem Autoführerschein einen Flugschein der Kategorie "Light Sport Aircraft" für leichte Sportflugzeuge vorstellen: "Den LSA-Flugschein kann man zwar in Deutschland noch nicht machen - aber das wird kommen."

Stefan Weißenborn, dpa

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