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Honda Accord: Säuselnd durch die Mittelklasse

Honda Accord 2.2 i-DTEC Ansehnlicher Konkurrent

Passat, Insignia, Mondeo und vielleicht noch der neue Peugeot und der Toyota Avensis - in der Mittelklasse haben deutsche Autofahrer klare Präferenzen. Autos wie der Honda Accord gehen dazwischen fast unter. Völlig zu Unrecht, denn der Wagen bietet einiges, das die Konkurrenz nicht hat.

Hamburg - Der Verkauf von Mittelklasse-Autos in Deutschland ist für Importeure ein hartes Stück Arbeit. Während VW vom Passat in den ersten neuen Monaten dieses Jahres fast 80.000 Exemplare verkaufte und die Modelle Opel Insignia und Ford Mondeo bei immerhin jeweils knapp 20.000 Neuzulassungen landen, krebsen die Konkurrenten nahezu unter der Wahrnehmungsgrenze. Besonders schlecht schneidet der Honda Accord in der Statistik des Kraftfahrtbundesamtes ab: lediglich 2226 Zulassungen von Januar bis September 2011 sind dort verzeichnet. Dabei hat der Wagen einiges zu bieten.

Das Design des mindestens 26.450 Euro teuren Accord ist natürlich Geschmackssache. Auch nachdem Honda dem Antlitz des Wagens durch neue Stoßfänger und geänderte Scheinwerfer frisch Konturen verpasst hat, ist die Limousine kein Blickfang. Aber das relativiert sich beim Blick auf die Konkurrenz. Denn VW Passat & Co. sind ja nun auch keine Designkunstwerke. Außerdem gibt es den Accord für 1300 Euro Aufpreis als Kombi, der optisch deutlich mehr her macht.

Im Innenraum sieht die Sache schon ein wenig anders aus: Ansehnliche Materialien, eine feine Farbabstufung und eine sorgfältige Verarbeitung bringen ein Hauch von Oberklasse ins mittlere Marktsegment - der Honda trägt den Nerz sozusagen nach innen. Die Zeiten, in denen japanische Interieurdesigner konformes Einheitsgrau bevorzugten, sind jedenfalls vorbei. Lediglich der Bildschirm des Bordcomputers will mit seiner Grafik im Stil des Commodore C64 nicht recht zum Rest des noblen Ambientes passen.

Den letzten Schliff verdankt der Accord der bereits erwähnten Überarbeitung vom Frühjahr, bei der Honda auch technisch noch etwas nachgelegte. So gibt es nun eine Kamera hinter dem Innenspiegel, die nachts den Verkehr beobachtet und automatisch das Fernlicht zündet, wenn keine Blendgefahr besteht. Außerdem erhalten die gehobenen Varianten der Baureihe serienmäßig Xenonscheinwerfer und adaptives Kurvenlicht. Dass man den Schalter fürs Fernlicht jetzt also ignorieren kann, wird der Fahrer kaum als Entmündigung werten. Immerhin gibt es am Lenkrad, auf der Mittelkonsole und auf dem Touchscreen des Navigationssystems noch so viele Knöpfe, Regler und Taster, dass für ausgiebige Fummelei gesorgt ist. Mitunter wirkt das ganze sogar überladen; weniger wäre hier ganz sicher mehr.

Der tollste Motor ist der große, kraftvolle Vierzylinder-Diesel

Das Beste am Accord ist der 2,2 Liter große Diesel-Motor, der neben zwei Varianten mit Benzinmotoren mit einer Leistung von 156 oder 201 PS und einem 150-PS-Selbstzünder für Preise ab 30.600 Euro angeboten wird. Der große Diesel leistet 180 PS und wird neuerdings völlig zu recht auch in der sportlichen "Type S"- Verpackung verkauft. Die Maschine knurrt zwar deutlich lauter als europäische Common-Rail-Aggregate, aber mit bis zu 380 Nm Drehmoment geht das Triebwerk ausgesprochen kraftvoll zu Werke.

Die Kraftübertragung übernimmt eine knackig-kurz gestufte Sechs-Gang-Schaltung. Wer es darauf anlegt, treibt die Limousine in 8,6 Sekunden auf Tempo 100 und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 220 km/h. Die große Durchzugskraft reduziert den Stressfaktor beim Überholen wirksam, zumal der Accord sich Dank seiner exakten Lenkung sauber dirigieren lässt. Trotz der straffen Federung blieb noch einiges an Komfort erhalten.

Den Preis für das Fahrvergnügen bezahlt der Fahrer allerdings an der Tankstelle: Auf dem Prüfstand hat Honda einen Durchschnittsverbrauch von 5,6 Litern ermittelt, aber in der Praxis gönnt sich der Japaner locker zwei oder gar drei Liter mehr. Natürlich liegt das zuallererst am sportlichen Fahrstil, den das Auto herausfordert. Doch der Unterschied müsste so groß nicht sein, wenn nur einige Appetitzügler an Bord wären, die bei der deutschen Konkurrenz mittlerweile selbstverständlich sind: eine Start-Stopp-Automatik zum Beispiel oder ein regeneratives Bremssystem.

Ein Auto voller Assistenzsysteme

Dafür fährt der Accord in anderer Hinsicht vorneweg: Als die aktuelle Generation vor etwa vier Jahren auf den Markt kam, war der Wagen der Konkurrenz - auch jener aus Deutschland - vor allem bei den Assistenzsystemen weit voraus. Eine Abstandregelung, die bei einem unvermeidbaren Unfall automatisch eine Notbremsung einleitet, eine Spurführungshilfe mit aktivem Lenkeingriff oder das dezente Zupfen an den Gurten bei einer drohenden Gefahr gab es bei den anderen Modellen - wenn überhaupt - erst deutlich später.

Die Kehrseite der elektronischen Aufrüstung ist, dass man in manchen Situationen mit Warntönen geradezu traktiert wird und dass das Armaturenbrett gemessen an der Zahl der Schalter auf Mittelkonsole oder Lenkrad schon fast an das Cockpit eines Jumbo-Jets erinnert. Doch hat Honda daraus das Beste gemacht - mit persönlicher Ansprache: Statt einfach nur zu piepen und zu fiepen, säuselt im Accord eine charmante Fraustimme freundliche Sätze wie "Bitte schließen Sie den Kofferraum" oder "Bitte schnallen Sie sich an".