Montag, 27. Januar 2020

Hollywoods teuerste Wohnwagen Die Luxus-Mobilien

Luxus-Wohnwagen: Hollywoods fahrbare Suiten
Anderson Mobile Estates

Wer es im Filmgeschäft geschafft hat, das erkennt man auf dem Parkplatz am Set. Stars haben luxuriöse Wohnwagen. Superstars hingegen residieren in einem zweistöckigen "mobile estate" von Ron Anderson. Die Trailer haben mehr als 100 Quadratmeter Wohnfläche und jeden erdenklichen Komfort.

Hamburg - Nein, sagt Ron Anderson, das sei ein Wort, das in seinem Vokabular nicht vorkomme. "Man kann nahezu alles entwickeln. Wenn es irgend möglich ist, dann machen wir es, das ist nur eine Frage des Geldes." Der Tüftler aus Florida baut Wohnmobile im obersten Luxussegment, die vor allem an Filmsets für verwöhnte Stars zum Einsatz kommen. Er hält ein Patent auf eine Konstruktion, die es ermöglicht, aus den Luxus-Mobilien ein komplettes zweites Stockwerk auszufahren. Mehr als 100 Quadratmeter Platz bieten die "mobile estates", bewegliche Anwesen, wie Anderson sie nennt. Auf Wunsch gibt es sogar eine Dachterrasse.

Schauspieler Will Smith ist Kunde der ersten Stunde - und der einzige, den Anderson im Gespräch als Kunden nennt. Über seine übrige Klientel gibt er keinen Kommentar ab. Aus anderen Quellen bekannt ist, dass etwa Ashton Kutcher, der derzeit Charly Sheen in der Serie "Two and a Half Men" nachfolgt, bei den Dreharbeiten in Andersons "Baby Girl" wohnt. Der Trailer ist eine mobile Suite - mit Bar und Loungebereich im Obergeschoss, jeder Menge Plasmabildschirme, Glastüren im Bad, die auf Knopfdruck undurchsichtig werden, Granitküche und Rundum-Kameraüberwachung. Auch Sharon Stone und Mariah Carey sollen schon bei Anderson gemietet haben.

8750 US-Dollar beträgt die Wochenmiete für einen der gut anderthalb Millionen Euro teuren Luxustrailer. Wer länger bleibt, zahlt weniger pro Woche. Sechs Luxusmobile im Topsegment hat Anderson derzeit in der Vermietung, der größte, "The Heat", bietet ausgefahren 111 Quadratmeter Wohnfläche. "Zweistöckige Wohnwagen sind eine extreme technische Herausforderung", sagt Anderson, "untere und obere Hälfte müssen miteinander kommunizieren, damit alles wieder zusammenpasst." Mehrere Millionen US-Dolllar hat Andersons Familienbetrieb, in dem auch Frau, Sohn und Tochter arbeiten, nach eigenen Angaben in die Entwicklung des Patents gesteckt. Wieviele Wagen er bisher verkauft hat, mag er nicht sagen: "Mehr als einen und weniger als hundert".

Katastrophenschutz und Häuser, mit denen man umziehen kann

Firmenkunden würden ihre Trailer gerne kaufen, Schauspieler und Musiker seien mit einem anderen Geschäftsmodell besser bedient, sagt Anderson. "Den meisten rate ich, mit mir einen Vertrag abzuschließen. Wir finanzieren dann den Trailer und vermieten ihn. Denn das Problem ist die Instandhaltung: Wer kümmert sich um die Fahrzeuge? Wo werden sie untergebracht? Und wer wäscht und poliert sie?"

Kunden aus Europa hat Anderson bisher nicht, allerdings gab es schon Geschäftskontakte in die Vereinigten Arabischen Emirate. "Es ist wirklich eine dankbare Aufgabe, einer Person eine Freude zu machen, die schon alles hat und sich alles leisten kann", sagt Ron Anderson. Wenn er einen neuen Trailer ausstattet, lässt er sich zunächst zeigen, wie sein Kunde wohnt: "Ich schaue mir gern an, wie es bei ihm zu Hause aussieht. Wie sein Büro aussieht. Ich frage gar nicht so viel. Ich beobachte. Wenn einer fünf Lamborghinis und 15 Ferraris hat, will er wahrscheinlich keinen Smart haben. Leute auf diesem Level wollen meist nicht 1000 Fragen beantworten. Ich lasse sie erzählen. Ich achte auf Abneigungen, auf Körpersprache. Und ich frage deren Putzfrau, wie sie ihr Zuhause gern zurechtgemacht haben wollen."

Für die meisten seiner Kunden, meint Anderson, sei der Luxustrailer kein Statussymbol. "Ein Mann wie Will Smith hat immer fünf bis 30 Leute in seinem Trailer", sagt er, "der hat eine der größten Produktionsfirmen in Hollywood. Er produziert mehrere Filme auf einmal. Wenn er selbst dreht, leitet er seine Firma vom Trailer aus. Er braucht den Platz zum Arbeiten. Unsere Kunden haben diese Wagen, weil sie damit Geld verdienen."

Aber Ron Anderson beschäftigt sich nicht nur mit Luxus und Premium-Arbeitsplätzen für die Hollywood-Klientel. Ein weiteres Geschäftsfeld liegt auf ganz anderem Gebiet, dem des Katastrophenschutzes. Mit Laboratorien ausgestattete Spezialtrailer der Firma können in chemisch verseuchte Gebiete fahren, weil sie hermetisch versiegelt und mit Luftfiltern ausgestattet sind. "Wir haben mehr als nur ein hübsches Gesicht", sagt Anderson, "unsere Trailer sind auch schlau."

Erdbebensichere Häuser auf Stelzen

Demnächst will Anderson sein Geschäftsmodell in den Immobiliensektor erweitern. "Personal estates" nennt er seinen Entwurf. Es sind bewegliche, erdbebensichere Häuser auf Stelzen, die auf den meisten Grundstücken über eine autarke Stromversorgung verfügen können sollen - und mit vertretbarem Aufwand transportabel sind, so dass man sein Haus mitnehmen kann, wenn man umzieht.

Downsizing ist ein weiterer Trend - selbst im Luxussektor. Derzeit arbeitet Andersons Firma an einem neuen Trailer mit vergleichsweise bescheidenen Maßen: Nur 8,50 Meter lang, ist er leichter zu manövrieren als die großen "mobile estates" und bietet trotzdem stolze 60 Quadratmeter Wohnfläche.

Vielleicht wäre das sogar eine bedenkenswerte Fuhrparkerweiterung für Andersons Premium-Kunden Will Smith. Im Mai hatte der Schauspieler Ärger mit seinen Nachbarn bekommen, weil seine beiden 16 Meter langen zweistöckigen Luxusmobile die engen Straßen Sohos zugeparkt hatten. Ein "Vertreter für öffentliche Sicherheit" wurde in der "New York Post" mit den Worten zitiert: "Hart arbeitende New Yorker sollen am Morgen aufwachen dürfen, ohne einen Luxusdampfer vor ihrem Haus geparkt finden zu müssen."

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