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Maserati Gran Cabrio Sport: Sportler mit Übergewicht

Maserati Gran Cabrio Sport Böses Brüllen auf der Autobahn

Was für die einen Getöse ist, ist für andere das aufregendste Konzert der Welt. Der Motorsound des Maserati Gran Cabrio Sport ist etwas für Liebhaber der Vollgasakustik. Doch fein abgestimmte Brennkammer-Trompeten sind nicht alles. Und vom anderen bietet der luxuriöse Viersitzer etwas zu wenig.

Triest - Morgens um sieben ist die Welt noch in Ordnung. Auch an der sonst so geschäftigen Piazza dell'Unità wirkt Triest um diese Uhrzeit noch ein wenig verschlafen. Aber nicht mehr lange. Gleich werden die Palazzi erzittern, die Tauben aufschrecken, die bettflüchtigen Rentner in den Cafes rundum vom Capuccino aufblicken. Denn dann stellt der Autobauer Maserati hier auf der Piazza der Öffentlichkeit den neuen Gran Cabrio Sport vor.

Bei dem Auto handelt es sich um die nachgeschärfte Version des offenen Luxussportwagens, deren Motor 10 Extra-PS und 20 zusätzliche Nm Drehmoment entwickelt. Spoiler, Schweller, ein schwarzen Kühlergrill und ein paar Karbonleisten im Innenraum dokumentieren den Kraftzuwachs auch optisch. Das Gran Cabrio Sport kommt in diesen Tagen zu Preisen ab 139.000 Euro in den Handel, das Auto ist damit rund 6000 Euro teurer als das schwächere Schwestermodell.

Doch heute, an diesem sommerlichen Morgen in Triest, kann man hören, worauf es den Maserati-Ingenieure in erster Linie ankam: auf den Motorsound nämlich. Schon im Leerlauf röhrt die Sportversion lautstark los. Hier auf der Piazza, wo die alten Mauern den Schall zurückwerfen, klingt das umso beeindruckender.

Entscheidenden Einfluss auf den sonoren Klang haben zwei Schallklappen im Auspuff, die den Sound geschickt modulieren. Verführerisches Säuseln im Leerlauf, eine Art kurzer Aufschrei beim Ampelstart, das kehlige Crescendo beim Beschleunigen am Berg und das böse Brüllen auf der Autobahn - kaum eine Melodie, die dieser Motor nicht beherrscht. Nur leise Töne sind nicht sein Fach.

Der stärkere Motor verbrennt weniger Benzin

Hören kann den Unterschied zwischen Serien- und Sportmodell jeder. Aber sieht man einmal von der deutlich schneller schaltenden Sechsgang-Automatik in der Sport-Variante ab, sind die Differenzen beider Typen nicht zu spüren. Auch das normale Gran Cabrio mit einer Leistung von 440 PS und einem Drehmoment von 490 Nm ist ja nicht gerade untermotorisiert. Und mal ehrlich: Wann, außer bei PS-Gesprächen im Club, interessiert sich jemand ernsthaft für die Zehntelsekunde auf Tempo 100, oder die zwei Stundenkilometer, die die Sportversion vorauseilt.

Interessanter ist da schon der Verbrauchsvorteil von sechs Prozent, den die Entwickler den reduzierten Reibwerten im Motor zuschreiben. Das klingt erfreulich, doch auf dem Prüfstand ergibt das immer noch 14,5 Liter als Normverbrauch; und am Ende unserer rund 150 Kilometer langen Testfahrt meldete der Bordcomputer einen Durchschnittsverbrauch von knapp 20 Liter.

Natürlich ist das Gran Cabrio ein sportliches Auto, und als Gran Cabrio Sport ist das Modell noch ein wenig sportlicher. Aber an die Fahrdynamik von Konkurrenten wie dem neuen BMW 6er oder dem Jaguar XK kommt der Italiener nicht heran - zu groß (4,88 Meter Länge) und zu schwer (1980 Kilo Leergewicht) ist der Wagen, als dass er wirklich leichtfüßig durch die Kurven tänzeln würde. Die Nachteile dieser Statur erkennt man bei einer flotten Landpartie schon in den ersten Kurven - das Auto wirkt ein bisschen wie ein Schiff. Den Eindruck verstärkt die Lenkung noch, die extrem leichtgängig ist und dadurch den Kontakt zur Straße wirksam unterbricht.

Maserati biegt mit dem Cabrio auf eine Durststrecke ein

Die Vorteile eines solchen Autos? Erschließen sich auch auf den zweiten Blick nicht so recht. Gut, es gibt vier Sitze, doch wirklich bequem können im Fond allenfalls Kleinkinder sitzen. Der Kofferraum ist mit 173 Litern Fassungsvermögen nicht der Rede wert und ein vollautomatisches Verdeck bieten die Konkurrenten auch. Immerhin: Was die Karosseriesteifigkeit betrifft, braucht das Gran Cabrio keinen Vergleich zu scheuen, das fällt besonders auf schlechten Straßen auf, die den Wagen vollkommen unbeeindruckt lassen.

Für Maserati ist das Gran Cabrio ein Erfolgsmodell. Seit der Premiere vor anderthalb Jahren konnten die Italiener fast 2500 Exemplare davon verkaufen, insgesamt verließen knapp 5800 Fahrzeuge die Werkshallen. Dieses Niveau zu halten, dürfte Maserati jedoch schwer fallen. Denn jetzt, wo Gran Turismo und Gran Cabrio auf dem Markt sind, beginnt eine Durststrecke, denn weitere Modelle sind jedenfalls kurzfristig nicht in Sicht.

Fiat-Chef Sergio Marchionne, der auch über Maserati wacht, kündigte für die Marke zwar einen luxuriösen Geländewagen auf Basis des Jeep Grand Cherokee an. Und die Idee einer Limousine für die gehobene Mittelklasse wird am Maserati-Stammsitz in Modena nur halbherzig dementiert. Doch auch wenn manche in der Branche schon auf der IAA im September in Frankfurt mit einer entsprechenden Designstudie rechnen - es wird wohl länger dauern. Die nächste echte Neuheit wird die Neuauflage der Luxuslimousine Quattroporte sein, die in etwa eineinhalb Jahren auf den Markt kommen soll.

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