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Mercedes E 63 AMG: Sportlich auf Dienstreise

Mercedes E 63 AMG Sportlich zum Geschäftstermin

Nach den Mercedes-Modellen S-Klasse und CLS setzt Haustuner AMG jetzt auch in der E-Klasse den neuen V8-Biturbo-Motor ein. Mit dem Aggregat wird der Sportler unter den Geschäftslimousinen stärker und ein wenig sparsamer.

Hamburg - Mehr Kraft bei weniger Verbrauch: Diese neue Lieblingsformel der Entwickler funktioniert nicht nur bei Stadtautos und Familienkutschen, sondern auch bei echten Tempobolzern. In den vergangenen Monaten demonstrierte der Mercedes-Ableger AMG dies eindrucksvoll. Seit die schwäbischen Tuner ihren neuen V8-Motor mit Biturbo am Start haben, weinen Puristen zwar dem sägenden Sound des bisherigen Saugmotors hinterher. Doch mit Direkteinspritzung und Doppelturbo sowie 5,5 statt 6,2 Litern Hubraum ist der neue Achtzylinder nicht nur kraftvoller, sondern auch sparsamer als der alte.

Die Maschine kommt bereits in der S-Klasse, im CL und im CLS zum Einsatz - und nun auch in der E-Klasse. In der Businesslimousine sinkt der Normverbrauch im Vergleich zum Vorgängermodell von 12,6 auf 9,8 Liter. Ein Wert, der in der Realität natürlich nicht zu erreichen ist. Bei einer Tour von Stuttgart zum Bodensee mit einigen kurzen schnellen Etappen wurden knapp 14 Liter pro 100 Kilometer verbraucht. Aber auch das bedeutet gegenüber dem Vorgänger einen spürbaren Fortschritt, der bei ähnlicher Fahrweise gut 16 Liter benötigte.

Den Vorteil geben die AMG-Ingenieure den Kunden praktisch zum Nulltarif weiter. Denn es bleibt nicht nur beim nun etwas irreführenden Nahmen E 63 AMG, sondern auch beim bisherigen Preis: 105.791 Euro kostet die Limousine und 108.409 Euro die T-Modell genannte Kombiversion. Für das Geld gibt es ein Auto mit 525 PS - oder, für weitere 8000 Euro, das "Performance Package" mit dann 557 PS.

Trotz dieses Leistungsvermögens lässt sich der Kraftprotz im Alltag kultiviert bewegen. Wenn man den komfortbetonten "Controlled Efficiency"-Modus einstellt, gibt sich der E 63 AMG so zahm und zartfühlend wie ein Dieselmodell der Baureihe - beinahe zumindest. Ist der Donnerhall des pubertären Startprocederes verklungen, grollt die Limousine recht verhalten durch die Stadt, schaltet vor der roten Ampel automatisch den Motor ab, wechselt sanft die Gänge und überrascht mit einem kommod eingestellten Fahrwerk. So kann man entspannt von Meeting zu Meeting cruisen. Dazu passt auch das trotz ausgestellter Radhäuser und stärker konturierter Motorhaube immer noch eher dezente Design, das die Potenz des Wagens ganz gut kaschiert.

In 20 Sekunden auf Tempo 200

Wenn die Termine erledigt, alle Verträge geschlossen und wichtige Telefonate geführt sind, zeigt der Wagen auf Wunsch sein zweites Gesicht: Dazu muss der Fahrer nur das Rädchen auf der Mittelkonsole ein oder zwei Rasten weiterdrehen und leicht den Gasfuß senken. Sofort kehrt der Mercedes das Kraftmobil heraus, der Motor fällt mit bis zu 700 Newtonmeter (mit Performance Package 800 Newtonmeter) über die Hinterachse her und katapultiert die E-Klasse mit Vehemenz nach vorn. Als hätten sich die rund zwei Tonnen Fahrzeuggewicht in Wohlgefallen aufgelöst und dafür ein dienstbarer Geist den Reibwert der Straße erhöht, schießt die Limousine in 4,2 Sekunden von 0 auf 100.

Innerorts genügt beim Ampelstart ein unbedachter Gasstoß, schon riskiert man den Führerschein. Außerorts überholt man bedächtige Autowanderer wie im Zeitraffer und auf der Autobahn können die Geraden gar nicht lang und frei genug sein: Wo 200 Stundenkilometer schon nach kaum zehn Sekunden erreicht sind, kommt der Horizont sehr schnell näher. Übrigens lässt sich die Tempobegrenzung von 250 Stundenkilometer für 3000 Euro Aufpreis auf 300 Stundenkilometer hochsetzen.

Klar könnte man mit dieser E-Klasse auch auf eine Rennstrecke abbiegen. Nicht umsonst bittet Mercedes interessierte Kunden mit diesem Auto immer wieder zum Fahrtraining auf allerlei Rundkurse. Aber mal ehrlich, wer es ernst meint mit dem Sport, der wird vor dem Waldlauf auch den Anzug ausziehen. Und wer sich eine AMG-Limousine für über 100.000 Euro leisten kann, dem reicht das Geld vermutlich auch noch für einen echten Sportwagen.

Der Verbrauchssenkung bei der E-Klasse ist schon jetzt durchaus spürbar. Für die Ingenieure aus Affalterbach bedeuten sie jedoch nicht das Ende. Was noch möglich ist, wird auf der Internationalen Automobilausstellung (IAA) im September in Frankfurt zu sehen sein: in Form des neuen SLK 55 AMG. Der Roadster fährt mit einer zum Sauger abgespeckten Version des intern M 157 genannten Motor V8-Motors vor, die dann mit dem Code M 152 beschrieben wird.

Die Leistung dieses Triebwerks liegt bei 422 PS, der Verbrauch bei 8,5 Liter - eine beeindruckende Relation. Mit Benzindirekteinspritzung allein ist dies nicht möglich. Vielmehr griffen die Techniker auf ein bekanntes Prinzip zurück: die Zylinderabschaltung. Anders als zuletzt im S 600 funktioniere die Technik jetzt so feinfühlig, dass man eine Anzeige brauche, um die unterschiedlichen Betriebsarten zu registrieren, verspricht AMG-Motorenchef Friedrich Eichler. Ist man sparsam unterwegs, läuft der V8 mehr als die Hälfte der Zeit nur auf vier Töpfen. Gibt man dagegen kräftig Gas, steht einem binnen 30 Millisekunden die volle Leistung zur Verfügung. Eichler: "So hat man quasi zwei Motoren in einem."

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