Freitag, 22. November 2019

Opel Ampera Volle Batterie voraus

Opel, die Marke mit dem Blitz-Logo, bringt das erste alltagstaugliche Elektroauto in Europa an den Start. Ampera heißt der Viersitzer, und die Technik des Wagens ist so konzipiert, dass es keine Reichweiteneinschränkung mehr gibt. Das könnte der Durchbruch der E-Mobilität sein.

Den Haag - Für Opel geht es ums Ganze. Die Marke baut schon seit einiger Zeit wieder ordentliche Autos und die Verkaufszahlen ziehen entsprechend an. Doch dieses Modell ist mehr als nur ein weiterer neuer Pkw: Der Opel Ampera könnte - wenn alles gut geht - den Rüsselsheimer Hersteller auf einen Schlag an die Spitze der automobilen Elektro-Bewegung katapultieren. "Das Auto ist eine Markenkampagne auf Rädern, weil es Visionen in Realität verwandelt", sagt Alain Visser, Opels Marketing-Vorstand.

Die Realität gewordene Opel-Vision ist die Mittelklasse-Limousine Ampera, 4,50 Meter lang, gut 1,7 Tonnen schwer, mit vier Sitzplätze und fünf Türen ausgestattet; das Auto stand jetzt in Den Haag zu Testfahrten bereit. Unter anderem war eine 73 Kilometer lange Strecke zurückzulegen, rein elektrisch, mit randvoll geladener Lithium-Ionen-Batterie.

Der wassergekühlte Stromspeicher besteht aus 288 Zellen, arbeitet mit einer Spannung von 360 Volt, hat eine Kapazität von 16 kWh, wiegt 198 Kilogramm und ist eine Eigenentwicklung von Opel. Die Energie, die er speichern kann, soll für 40 bis 80 Kilometer Fahrt reichen, je nach Gelände, Tempo und Außentemperatur. Nach der 73-Kilometer-Tour über topfebene Straßen meldet der Bordcomputer eine elektrische Restreichweite von 5 Kilometern. Opel verspricht offenbar nicht zuviel.

Die neuen Antriebstechnik funktioniert, als habe Opel nie andere Autos gebaut: nahezu geräuschlos, vibrationsfrei und ohne andere Auffälligkeiten. Das System dahinter ist komplex. Der Antrieb besteht aus insgesamt drei Motoren: Einer großen E-Maschine mit 150 PS, einem Generator mit 73 PS und einem 1,4-Liter-Vierzylinder-Benziner mit 86 PS. Dieses Trio kann den Ampera in vier unterschiedlichen Betriebsarten antreiben.

Vier Betriebsarten der insgesamt drei Motoren

Bei zweien kommt die Energie ausschließlich aus der Batterie. Im Normalfall bewegt der große Elektromotor die Vorderräder des Autos alleine, bei starker Beschleunigung wird der Generator über ein Planetengetriebe dazugekoppelt, und beide E-Maschinen sorgen für Vortrieb. In den beiden anderen Betriebszuständen läuft auch der Benzinmotor.

Einmal ausschließlich, um über den Generator die Batterie in einem "gewissen Ladefenster zu halten", wie Ampera-Chefingenieur Lutz Kleinstück sagt. Der Verbrenner produziert also Strom. In einem weiteren Betriebszustand wird abermals die Kupplung zwischen Generator und Planetengetriebe geschlossen - so dass wieder beide E-Motoren den Antrieb besorgen, und gleichzeitig auch der Benziner läuft.

Die Diskussion, ob der Ampera nun ein reines Elektroauto ist oder nicht, wirkt sehr akademisch, wenn man im Auto sitzt und fährt. "Ohne den großen Elektromotor bewegt sich das Auto keinen Meter", sagt Ingenieur Kleinstück. Und nach 73 Kilometer rein elektrischer Fahrt sowie anschließend vielen weiteren Kilometern, bei denen der Benziner Strom produziert und das Auto immer noch fast lautlos und durchaus flott und agil dahinschnurrt, ist diese Frage auch gar nicht mehr wichtig.

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