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Neue Autozwerge: Klein, fein und zahlreich

Kleinstwagen Revolution der Stadt-Knirpse

Gegen sie wirken Polo, Corsa oder Mini wie fette Kaleschen. Eine ganze Armada pfiffiger Kleinstwagen schickt sich an, die Metropolen zu erobern. Bis 2013 werden rund 20 völlig neue Modelle der sogenannten Microcar-Klasse in Europa auf den Markt kommen. Die meisten mit Elektroantrieb.

Hamburg - Die Städte werden immer größer, die Autos darin jedoch immer kleiner. Weil es an Platz mangelt, sowohl zum Fahren, als auch zum Parken. Weil die Luftbelastung durch Abgase immer ärger wird. Und weil viele Metropolen bereits sehr große Pkw mit empfindlichen Einfahrzöllen belegen - oder gleich komplett aus den Innenstädten aussperren.

All das spricht für kleinere, praktischere, umweltfreundlichere Autos. "Die Entwicklung der Megacitys, die sich verändernden Mobilitätstrends und das wachsende Interesse an abgasarmen, spritsparenden Autos lässt viele Fahrzeughersteller ganz neue Microcars für Europa entwickeln", sagt Vishwas Shanka, Analyst beim Marktforschungsunternehmen Frost & Sullivan.

In der Studie "Strategic Analysis of the European Microcars Market" sprechen die Marktforscher von einer "neuen Ära" der Mikromobilität, die in den nächsten Jahren eine erhebliche Breitenwirkung entfalten werde. Es geht um Autos, die ungefähr das Format eines Smart Fortwo haben - also zwischen 2,50 und 3,50 Meter lang sind, die zwei bis vier Sitzplätze bieten, eine Höchstgeschwindigkeit zwischen 75 und 150 km/h, deren Antriebe zwischen 20 und 55 PS leisten und die, je nach Ausstattung und Positionierung, etwa 7000 bis 15.000 Euro kosten werden.

Bislang, so die Studie von Frost & Sullivan, werden in diesem Segment europaweit etwa 12.000 Fahrzeuge pro Jahr verkauft. Bis 2017 jedoch könnten es pro Jahr rund 230.000 Microcars sein. Das enorme Wachstumspotenzial ruft nach Einschätzung der Marktforscher zunehmend die etablierten Autohersteller auf den Plan: "Sieben der zehn weltweit größten Autokonzerne planen ein Microcar für den europäischen Markt bis spätestens 2013", heißt es. Größte Microcar-Märkte des alten Kontinents sollen Deutschland und Großbritannien werden - hierzulande haben die Anlaysten vor allem die Städte Berlin, Hamburg, Köln und München sowie die dazugehörigen Ballungsräume als Microcar-Hochburgen ausgemacht.

Kleine Autos plus elektrischer Antrieb sind eine clevere Kombination

Der Trend zum Kleinstwagen trifft auf jenen zum Elektroantrieb - und beide Erscheinungen lassen sich ideal miteinander verknüpfen. Denn je kleiner und leichter ein Fahrzeug, desto sinnvoller und effizienter lässt es sich mit einem Elektroantrieb kombinieren - zumal die Zweisitzer in erster Linie für den Kurzstreckenverkehr in der Stadt gedacht sind. Kein Wunder also, dass die Studie vorhersagt, etwa 85 Prozent der neu auf den Markt kommenden Autozwerge seien als reine Elektrofahrzeuge konzipiert.

Für die Hersteller sind die neuen Miniautos aus mehreren Gründen attraktiv. Erstens helfen die sparsamen und im Falle eines Elektroantriebs sogar emissionsfreien Mobile, die CO2-Bilanz aufzuhübschen. Zweitens können in den Fahrzeugen technische Komponenten aus bereits vorhandenen Kleinwagen verwendet werden, was die Entwicklungskosten deutlich reduziert. Und drittens interessieren sich für diese Art von Minimalautos auch kaufkräftige Kunden - darunter vermutlich zahlreiche so genannte LoHaS (Lifestyle of Health and Sustainability, etwa: umweltbewusste Verbraucher) - die durchaus üppig ausgestattete Fahrzeuge kaufen; mit anderen Worten: Es lässt sich mit den Microcars ordentlich Geld verdienen.

Der Einsatz in urbanen Ballungsräumen hat laut Frost & Sullivan-Analyst Shanka diverse Auswirkungen auf die Ausstattung der Microcars. So seien Spracherkennungssysteme, Start-Stopp-Automatik, Einparkhilfen, Bordcomputer, schlüssellose Zugangssysteme, Panoramadächer, Internet-Zugangsmöglichkeiten und intelligente Navigationssysteme wichtige Details dieser Fahrzeuge. Und all diese Extras dürften den Preis des Autos und vor allem die Gewinnmarge für den Hersteller hübsch nach oben treiben.

VW wird bereits Ende August das neue Einstiegsmodell Up vorstellen, BMW plant bis spätestens 2013 die Premiere des so genannten Megacity-Vehicles, von Opel heißt es, auch dort werde ein Kleinstwagen entwickelt und Mercedes-Benz und Renault werden in ihrer neuen Kooperation Autokonzepte wie den Smart oder das Renault E-Mobil Twizy sicher weiter ausbauen, ebenso Toyota das Modell iQ, dass demnächst mit Elektroantrieb auf den Markt kommen soll. Darüber hinaus deuten Studien von den vergangenen großen Automessen wie Kia Pop, Peugeot BB1, Tata Pixel oder Citroën Lacoste an, in welche Richtung die anderen großen Hersteller planen. Kleine, neue Autowelt.

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