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Audi Q3: Großer Schlund, flotter Abgang

Audi Q3 Innere Werte

Vor ein paar Jahren konnten SUV-Modelle gar nicht protzig genug sein. Der Audi Q7, 5,09 Meter lang und 2,3 Tonnen schwer, ist ein Prototyp dieser frivolen Pkw-Mode. Inzwischen geben sich die Hersteller geläutert. Audi etwa lanciert das zwei Nummern kleinere Modell Q3.

Zürich - Der Ort für die Präsentation des neuen Audi-SUV namens Q3 war eine Provokation. Zumindest für die Jungen Grünen. Seit drei Jahren läuft die Schweizer Nachwuchsorganisation der Grünen mit einer Stopp-Offroader-Initiative (Motto: "Ich saufe für drei") gegen übergewichtige Geländeautos Sturm. Und ausgerechnet hier stellen die Ingolstädter ihren neuen Allradler vor.

Man könnte es natürlich auch andersherum sehen. Gerade hier stellt Audi seinen kleinsten SUV vor. Denn das Auto pflegt alles andere als einen großspurigen Auftritt. Mit lediglich 4,39 Meter Länge tritt der Q3 in der Klasse der so genannten Kompakt-SUVs an, Konkurrenten dort sind zum Beispiel der BMW X1 oder der VW Tiguan.

Was die inneren Werte betrifft, trumpft das bislang kleinste Modell der Q-Baureihe allerdings groß auf. Der vorerst schwächste Motor beispielsweise leistet 170 PS. Es soll zwar schon bald auch ein Einstiegsmodell mit 140-PS-Dieselaggregat und Frontantrieb geben, doch wird auch in der Gegenrichtung das Portfolio ausgebaut. Voraussichtlich ab Ende 2012 wird ein Q3 mit Fünfzylinder-Turbomotor und 300 PS Leistung erhältlich sein. "Auch mit diesem Auto werden wir uns wieder einmal sehr schön von unseren Wettbewerbern differenzieren", trommelt Audi-Chef Rupert Stadler.

Dabei hätte der Q3 derartige Leistungskapriolen gar nicht nötig. Denn das Auto ist, so viel lässt sich nach den ersten Fahrten schon sagen, rundum prima gelungen. Die optische Linie des Wagens fügt sich nahtlos ins aktuelle Audi-Oeuvre ein: riesiger Kühlergrill, aufwändig ausgearbeitete Scheinwerfer mit auffälligem Tagfahrlicht, ruhige Blechflächen und ein ganz auf Breitenwirkung getrimmtes Heck. Wer sich dem Auto von hinten nähert wird überrascht sein, wie kompakt der Wagen von vorne oder von der Seite aussieht.

Ruppiges Getriebe, weiche Lenkung, hoher Verbrauch

Lob haben sich auch die Inneneinrichter des Q3 verdient. Alles sitzt am richtigen Platz, das Design ist in guter Audi-Tradition unaufdringlich mit einem Hauch Noblesse und gibt auch dem Neueinsteiger keine Rätsel auf. Neu ist das Dreispeichen-Lenkrad, neu und hübsch sind (aufpreispflichtige) Dekoreinlagen aus Miniatur-Aluminium-Waben oder aus offenporigem Lärchenholz.

Dazu fährt Audi groß auf bei Assistenzsystemen vom Highend-Navigationssystem mit 60-GB-Festplatte, 7-Zoll-Farbmonitor und WLAN-Hotspot über einen Fernsehempfänger bis zum Einparkassistenten samt Umgebungsanzeige und Rückfahrkamera. Allein diese drei Optionen jedoch würden 3525 Euro Aufpreis kosten.

Den Basispreis von 29.900 Euro für den Fronttriebler mit 140-PS-Diesel kann man praktisch gleich wieder vergessen. Schon wer eine andere Farbe als schwarz oder weiß will, muss mindestens 650 Euro zuzahlen.

Im Testwagen, mit dem wir unterwegs waren, werkelte der 2-Liter-Benzin-Direkteinspritzer mit Turbo und 170 PS Leistung unter der Haube - und kostet in der Grundversion mit Sechsgang-Schaltgetriebe 31.550 Euro. Die stärker motorisierten Varianten sind übrigens serienmäßig mit einem Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe ausgestattet. Wer sich das gönnt, macht sicher nichts verkehrt, denn die Handschaltung hinterließ einen spröden, ruppigen Eindruck. Demgegenüber könnte die elektromechanische Servolenkung etwas direkter abgestimmt sein. Es gibt jedenfalls Audi-Modelle, in denen Schalten und Lenken mehr Spaß macht.

Gutes Platzangebot, schmale Fondtüren, breite Ladekante

Der 170-PS-Benziner passt gut zum Q3, beschleunigt den Wagen mühelos und wirkt insgesamt sehr harmonisch und vor allem arbeitet er überaus ruhig. Überhaupt hinterlässt der Wagen, ob bei flotterer Fahrt auf der Autobahn oder auf unebenen, kurvigen Nebenstrecken, einen sehr dezenten, beinahe stoischen Eindruck. Was jedoch stutzig macht, ist der hohe Verbrauchswert, den der Bordcomputer ausweist. Nach entspannter Überlandfahrt mit praktisch leerem Auto meldete die Anzeige 9,0 Liter. Ein üppiges Plus gegenüber dem offiziellen Durchschnittswert von 7,3 Liter je 100 Kilometer. Wie wird das erst, wenn man dem Wagen voll besetzt und beladen die Sporen gibt?

Für schnelle Reisen hat der Q3 Talent. Das Platzangebot im Fond ist ordentlich, wenn auch die hinteren Türen sehr schmal sind. Und das Kofferraumvolumen von 460 Liter bei Normalstellung der Rücksitzlehnen und bis zu 1365 Liter bei umgeklappten Lehnen ist ebenfalls brauchbar. Er ist jedoch schwer zu beladen, weil das Gepäck erst weit über die vorstehende Stoßstange und die Ladekante gewuchtet werden muss.

Insgesamt kann der neue kleine SUV von Audi also mit vielen Aktivposten und einigen kleinen Unzulänglichkeiten aufwarten. Der Trend zum Downsizing jedenfalls weist in die richtige Richtung.

Das werden die Jungen Grünen in der Schweiz wahrscheinlich anders sehen - obwohl sie ihre Initiative zunächst einmal auf Eis gelegt haben, weil künftig eine CO2-Obergrenze für Neuwagen von 130 Gramm CO2 je Kilometer gelten soll. Für jedes Gramm darüber sollen Autohersteller bis zu 142,50 Franken Klimabuße zahlen. Das so eingesammelte Geld - es dürften mehrere Millionen zusammenkommen - soll zur Senkung der Krankenkassenbeiträge verwendet werden.

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