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Neue Mercedes M-Klasse: Mehr Kanten, weniger Verbrauch

Neue Mercedes M-Klasse Wuchtbrumme auf Diät

Stärke wie ein Kampfsportler und Appetit wie ein Unterwäschemodel - das sind die Extreme, die Mercedes mit der neuen M-Klasse unter einen Hut bringen will. Dafür haben die Schwaben bei dem SUV um jedes Gramm CO2 gerungen und den Verbrauch im Vergleich zum Vorgänger deutlich gedrückt.

Hamburg - "Energetisch gläserne Darstellung" - was soll das denn sein? Uwe Ernstberger, verantwortlich für die Mercedes-Geländewagen und damit auch für die neue Generation des SUV-Modells M-Klasse, kann das detailliert erklären. Die Kurzform lautet: Es ist ein neuartiges Entwicklungswerkzeug, das Mercedes zum Patent anmelden will. Es legt offen, welche Komponenten im Auto wie viel Energie verschlingen und zeigt damit zugleich, wo sich am besten sparen lässt. Das ist das oberste Gebot für die neue M-Klasse, die im September auf der IAA in Frankfurt debütieren und kurz darauf bei den Händler stehen wird.

"Wir haben um jedes Gramm CO2 gerungen", sagt Ernstberger. Dabei heraus kam eine Senkung des Schadstoffausstoßes gegenüber dem Vorgängermodell von mehr als 30 Prozent. Mit einem Normverbrauch von 6,0 Litern und einem CO2-Ausstoß von 158 g/km wird die dritte Generation des wuchtigen SUVs das sparsamste Auto in diesem Segment. "Hätte man mich zu Beginn der Entwicklungsarbeit vor drei Jahren nach dem Einsparpotential gefragt, hätte ich so einen Fortschritt nie für möglich gehalten", sagt Ernstberger.

Dieser Wert ist für eine Wuchtbrumme dieses Formats tatsächlich beeindruckend, dürfte in der Praxis jedoch eher selten erreicht werden. Vor lauter Eigenlob über die Einsparungen fällt kaum auf, dass für das neue Auto zahlreiche neue Assistenzsysteme - von der Verkehrszeichenerkennung über das Nachtsichtsystem bis zur automatischen Notbremsfunktion - verfügbar sind und dass Fahrwerk, Handling und die Offroad-Eigenschaften optimiert wurden.

Um den vermeintlichen SUV-Dino fit zu machen für die Zukunft, wurde das Auto tiefgreifend überarbeitet. So gibt es nicht nur serienmäßig eine Start-Stopp- sowie eine weiterentwickelte Siebengang-Automatik für alle Modelle, sondern zum Beispiel auch eine elektrische Servolenkung. "Allein die bringt uns 0,3 Liter Ersparnis", sagt Ernstberger. Auch die Designer trugen zum Sparkurs bei: Mit einer geglätteten Frontpartie, polierten Flanken und Kleinigkeiten wie den Windabweisern vor den Rädern haben sie den cW-Wert von 0,34 auf 0,32 gedrückt und die M-Klasse so zum windschlüpfigsten SUV dieses Kalibers gemacht.

Allein der Tank des Stickoxid-Katalysator wiegt 40 Kilogramm

Das Gewicht allerdings bleibt nahezu unverändert. Zwar sind nun ein paar Bleche aus Aluminium gepresst, und die Armaturentafel ruht auf einem Magnesium-Träger. Doch konnten die Schwaben so lediglich eine Gewichtszunahme verhindern und das Gewicht des Vorgängers halten. Für die Energiebilanz spiele das in dieser Klasse nur eine untergeordnete Rolle, sagt Ernstberger. "100 Kilogramm bringen 0,3 Liter Einsparpotenzial, müssen aber aufgrund der dafür nötigen Leichtbauwerkstoffe viel teurer bezahlt werden als etwa die elektrische Lenkung."

Dazu kommt die umfangreichere Ausstattung: Die aktive Motorhaube für den Fußgängerschutz zum Beispiel oder ein zusätzlicher Stickoxid-Katalysator, der die Dieselmotoren schon jetzt über die Hürden der Euro-6-Norm bringt. Das System arbeitet mit einer Harnstoffeinspritzung, benötigt einen gut 30 Liter großen Tank für das Additiv Adblue und wiegt allein 40 Kilo.

Den größten Anteil am Knauserkurs haben die Motoren. So wurde der Minimalverbrauch vor allem durch den Verzicht auf zwei Zylinder und ein Drittel Hubraum möglich. Denn das Basismodell, das wohl zwischen 50.000 und 55.000 Euro kosten wird, fährt erstmals mit einem Vierzylindermotor vor. Es heißt ML 250 Bluetec und setzt auf den auch in der S-Klasse verfügbaren 2,2-Liter-Diesel, der mit 204 PS und 500 Nm aber exakt die gleichen Leistungsdaten bietet wie der alte V6-Motor - nur dass diese Maschine eben 2,4 Liter weniger verbraucht. Das ermöglicht rein rechnerisch eine Reichweite von bis zu 1500 Kilometer.

Als zweiten Selbstzünder gibt es einen weiterentwickelten Sechszylinder mit unverändert drei Litern Hubraum. Seine Leistung steigt um 27 auf 258 PS, während der Verbrauch um 2,1 auf 6,8 Liter sinkt. Und als vorerst einzigen Benziner haben die Schwaben den ML 350 im Programm. Auch hier hält eine neue Motorengeneration mit Direkteinspritzung Einzug. Mit ihr steigt die Leistung von 272 auf 306 PS, und im Gegenzug sinkt der Verbrauch von 11,4 auf 8,5 Liter.

Vorstandschef Zetsche schwärmt in anschaulichen Sprachbildern

Vorstandschef Dieter Zetsche ist sichtlich stolz auf die Leistung seiner Ingenieure und versuchte, die neue M-Klasse bei der Enthüllung in Stuttgart mit zwei ausdrucksstarken Extremen zu charakterisieren: "Was die Kraft angeht, ist das Auto mit einem Sumoringer vergleichbar. Doch in Sachen Diät ist es eher wie die Fotomodells von Victoria's Secret."

Dass es trotz aller Kritik am Konzept überhaupt noch ein Auto wie die M-Klasse gibt, rechtfertigt Zetsche mit der Macht des Marktes. Immerhin hat sich allein in Deutschland der Anteil der Geländewagen in den vergangenen fünf Jahren auf gut 13 Prozent verdoppelt. "Und die Wahl hat nun einmal der Verbraucher", sagt der Vorstandschef. Trotzdem sei die Kritik nicht ungehört verhallt. Um das zu veranschaulichen, macht Zetsche noch einmal einen Ausflug auf fremdes Terrain und vergleicht die Entwicklung von Geländewagen mit einer Qualitätsoffensive beim Essen: Das sei schließlich in den letzten Jahren auch immer gesünder, biologischer und nachhaltiger geworden. "Aber nicht jeder, der sich bewusst ernähren möchte, will immer nur Tofu auf dem Teller."

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