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Wiesmann MF5: Roadster mit der Kraft eines Kampfjets

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Wiesmann Roadster MF5 Kraftvoll wie ein Kampfjet

Wiesmann, eine der führenden Manufakturen für puristische Sportwagen, zeigt auch mit seinem neuen Modell, dem Roadster MF5, dass die beeindruckende Verbindung von Kraft und Stil umgesetzt werden kann. Doch ein wenig fehlt es dem Supersportwagen an Ausstrahlung.

Hamburg - Auf den ersten Blick wirkt das Fabrikgebäude von Wiesmann wie eine Waldorf-Schule. Rechts von der langen Eingangstreppe ist ein Gerüst von Holzbalken installiert, dessen Funktion sich dem Betrachter zunächst nicht erschließt. Erst Marketingchef Jan Molitor klärt den Besucher auf. Aus der Luft betrachtet, sehe das Gebäude aus, wie ein überdimensionaler Gecko. Die Echse sei das Markenzeichen der Firma, weil sie sich in ähnlicher Manier am Untergrund festhalte, wie die Autos, die Wiesmann herstelle.

Auch dem neuesten Produkt aus der Sportwagenmanufaktur aus dem münsterländischen Dülmen, dem Wiesmann MF5, werden solche Talente nachgesagt. Und wer das aufwendig vernietete und verklebte Chassis betrachtet und die mit großer Liebe zum Detail gefertigten Dreieckslenker aus Leichtmetall, die unter der Karosserie des Roadsters verborgen sind, ist sofort bereit, das zu glauben.

Eine gute Straßenlage ist bei diesem Auto zweifelsohne von großer Bedeutung, denn es steht wirklich vor einer großen Aufgabe. Von Big Block spricht zwar heutzutage keiner mehr, doch die Assoziationen, die der Begriff weckt, haben trotzdem noch uneingeschränkt Gültigkeit, und für den im MF5 installierten Motor erst recht. 4,4 Liter Hubraum, verteilt auf acht Zylinder, die dazu auch noch von zwei Turboladern unter Druck gesetzt werden, ergeben ein maximales Drehmoment von 680 Newtonmeter und 555 PS. Sie genügen schon, um den überfetteten Kampfstier X6 von BMW mit seinen 2,4 Tonnen in die Lage zu versetzen, bei einer Stampede mitzuhalten. Der Wiesmann Roadster setzt dem Kraftwerk dagegen lediglich 1400 Kilogramm entgegen.

Umso erstaunlicher ist es, wie gelassen der Wagen mit der Leistung umgeht. Bei voller Beschleunigung mischt sich allenfalls ein leises Ächzen der Reifen in das Konzert, das der Motor produziert - es beginnt mit einem Wummern bei niedriger Drehzahl und geht anschließend in ein sattes bassiges Trompeten über, kurz bevor die Sechsgangautomatik den Gang wechselt. Allerdings fragt man sich unwillkürlich, wofür das eigentlich nötig ist. Denn ein Getriebe scheint der Achtzylinder überhaupt nicht zu brauchen.

Beschleunigung wie ein Düsenjet

Noch eindrucksvoller ist es aber, wie der MF5 nach vorne stürmt. So muss es sein, wenn Jetpiloten ihre Triebwerke auf vollen Schub stellen. Man wird in den Sitz gepresst, beide Hände am Lenkrad, und konzentriert sich auf den imaginären Bremspunkt auf der schnell immer enger werdenden Straße. Allein die üppige Breite und die extrem giftig ansprechende Lenkung wirken dabei zunächst etwas gewöhnungsbedürftig. Wenn man diese Unsicherheiten überwunden hat, wird schnell klar: Der Grenzbereich des MF5 liegt weit höher als der des Fahrers.

Ein Ferrari 458 Italia oder ein Lamborghini Aventador kann das kaum besser, und trotzdem wirkt das Beschleunigungsinferno bei beiden ungleich spektakulärer, hektischer, nervöser. Der Wiesmann hingegen absolviert den Sprint gelassen wie ein großer Bentley.

Gelassenes Dahingleiten nach Bentley-Art ist allerdings nicht drin. Dafür reagiert der Wiesmann zu nervös auf die kleinsten Lenkeinschläge. Hinzu kommt, dass der Volant zwar recht hohe Haltekräfte erfordert - was für einen Sportwagen allerdings durchaus angemessen ist -, aber bei kleinen Ausschlägen nur auf Befehl des Fahrers wieder in die Mittellage zurückkehrt. Daraus resultiert eine etwas zackige Art der Fortbewegung, die tatsächlich durchaus vergleichbar mit der eines Geckos ist - auch wenn das die Väter des MF5 wohl so weit gedacht haben dürften als sie die kleine Echse zum Markenzeichen erkoren.

Zurückhaltung bei Design und Karosserie

Aber ein echtes Herrenfahrerauto ist der Sportsmann aus Dülmen ohnehin nicht. Trotz großzügiger Verwendung von Leder und eigens gefertigten Instrumenten und Schaltern aus massivem Metall. Die Kunden haben hier ebenso viel Spielraum für individuelle Wünsche, wie bei Bentley in Crewe oder bei Rolls-Royce in Goodwood, ganz gleich, ob es nun um die Farbe der Zifferblätter geht, oder das Muster der Nähte.

Doch bei aller Mühe - speziell im Innenraum sieht der Wiesmann wie selbst gemacht aus. Das beginnt bei den eigenwilligen Höckern auf dem Armaturenbrett, die die Anzeigen für Öldruck, Wassertemperatur oder den Füllstand des Tanks aufnehmen (und übrigens ganz nach Wunsch angeordnet werden können). Und es endet noch nicht bei den sichtbaren Madenschräubchen, die die Drehknöpfe für Klimaanlage und Gebläse fixieren. Auch das sorgfältig in Leder gefasste Kombiinstrument hinter dem Lenkrad wirkt ein wenig wie aus dem Elektronikversand. Insgesamt wirkt das Design zu wenig ausformuliert für ein Auto, das mindestens 193.500 Euro kostet.

Auch der Karosserie fehlt es an der letzten Finesse. Von vorn denken Unbedarfte sofort an die Replika eines Austin Healey mit modernisierten Scheinwerfern, und am zerklüfteten Heck dominieren die dicken Endrohre des Auspuffs und die über die bauchigen Seitenwände verteilten Einheiten für Rücklicht, Nebelschlussleuchte und Rückfahrscheinwerfer.

Doch über Geschmack lässt sich nicht streiten. Immerhin lieferte Wiesmann allein im Jahr 2010 rund 200 Autos aus. Unter den Kunden ist auch Musikproduzent Dieter Bohlen, der sogar schon zwei Wiesmanns gekauft hat.

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