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Mercedes C-Klasse Coupé: Eine Spur sportlicher

Mercedes C-Klasse Coupé Eine flotte Partie

Mercedes bringt mit dem C-Klasse Coupé zum ersten Mal in der Geschichte der kleinen Baureihe einen Zweitürer auf den Markt. Obwohl in Optik und Ausstattung der Limousine sehr ähnlich, kommt der Neue sportlicher und schnittiger daher.

Hamburg - Ist dieses Auto die Antwort auf eine Frage, die keiner gestellt hat? Braucht Mercedes wirklich in jeder Baureihe ein Coupé? Oder ist es nur ein von Baukastensystem und Plattformstrategie begünstigter Automatismus, dass nach CL, CLS und E-Klasse Coupé jetzt auch noch ein C-Klasse Coupé folgt? Wolfgang Bremm sieht das schon von Berufs wegen anders; er ist Produktmanager für die Mercedes C-Klasse. "Zum ersten Mal in der Geschichte der kleinen Baureihe gibt es ab Juni auch einen Zweitürer", sagt Bremm.

So neu, wie Bremm vorgibt, ist die Idee vom Zweitürer allerdings nicht. Schließlich gab es bis vor Kurzem das Modell CLC, und eigentlich war auch der CLK im Prinzip eine schnittige C-Klasse. Doch so richtig eindeutig einreihen in die Modelllinien der Schwaben ließen sich diese Typen nicht. Jetzt dagegen gehört das Coupé ganz klar zur C-Klasse-Familie, übernimmt die Optik der Limousine und kostet bei einem Grundpreis von 33.290 Euro in der billigsten Variante lediglich rund 600 Euro mehr als der Viertürer.

So steht Bremm ab sofort nicht mehr mit leeren Händen da, wenn ihn die Vertriebsleute auf einen Widerpart zum BMW 3er ansprechen. Letzteren nämlich gibt es schon seit vielen Jahren als Zweitürer, und diese Variante der weiß-blauen Marke ist sehr erfolgreich. "Bislang hatten wir dem nichts entgegenzusetzen und mussten die Kunden ziehen lassen", räumt der Mercedes-Mann ein. Das neue Modell soll diesen Zustand ändern und die verlorenen Kunden wiederholen.

Dafür setzt Mercedes vor allem auf ein kräftiges Design. Der Kühlergrill sieht bulliger aus, die Frontscheibe steht flacher, die Dachlinie verläuft um vier Zentimeter tiefer, die Silhouette ist geprägt von einem Gegenschwung am hinteren Seitenfenster und das Heck ist der übliche Coupé-Stummel. Insgesamt wirkt das Auto dadurch sehniger, sportlicher und straffer, obwohl die Länge mit 4,59 Metern exakt jener der Limousine entspricht.

Schicke Ausstattung, aber wenig Platz im Innenraum

Den Innenraum des Autos nennt Bremm beharrlich und etwas übertrieben Coupé-Lounge und verweist auf Ausstattungsmerkmale, die bei Limousine und Kombi nur in den gehobenen Varianten verfügbar sind. Dazu gehören unter anderem das schmucke Dreispeichen-Lenkrad sowie die sportlich konturierten Integralsitze und Verkleidungen in Klavierlackoptik. Man fühlt sich in diesem Auto ein bisschen geborgener, etwas mehr vereinnahmt - aber das könnte auch an der geringeren Kopffreiheit liegen.

Das Coupé ist jedenfalls vornehmer gestaltet als die anderen Vertreter der Baureihe. Vom gediegenen Ambiente des um 8000 Euro teureren E-Klasse-Coupés ist der Neuzugang der C-Klasse dennoch weit entfernt. Er ist nicht nur enger, sondern auch längst nicht so nobel ausstaffiert. Der Fahrer merkt das schon vor der Fahrt: Am Sicherheitsgurt, der im C-Klasse Coupé nicht von einem Teleskoparm gereicht wird, sondern den man selbst von links hinten hervorfischen muss.

Signifikant sind die Unterschiede für die Hinterbänkler. Während sie im E-Klasse Coupé ziemlich verrenkungsfrei einsteigen und halbwegs bequem reisen können, steht ihnen im C-Klasse Coupé eine kleine Kletterpartie bevor. Und wenn sie es auf die beiden stark ausgeformten Einzelsitze geschafft haben, sitzen sie in einer engen, dunklen Höhle.

Denn anders als beim größeren Modell trübt hier eine massive B-Säule den Ausblick; Bein- und Kopffreiheit sind bescheiden und die hinteren Scheiben lassen sich auch nicht öffnen. Dabei weiß Produktmanager Bremm, dass in dieser Preisklasse viele Kunden keinen Zweitwagen besitzen. Das neue Coupé preist er deshalb als alltagstaugliches Erstauto und verweist auf 450 Liter Kofferraumvolumen sowie eine geteilt umklappbare Rücksitzlehne.

Das Coupé fährt sich durchaus sportlich. Offenbar mit Blick auf die BMW-Klientel hat Mercedes das Fahrwerk deutlich straffer abgestimmt und die Lenkung etwas direkter ausgelegt. Man hat den Wagen jetzt besser im Griff, bekommt ein besseres Gefühl für die Straße und wechselt gern von der Autobahn auf eine einsame Landstraße.

Am meisten Spaß macht das natürlich mit dem neuen V6-Benzin-Direkteinspritzer im C 350, der die Motorpalette mit 306 PS nach oben abrundet. Er klingt im Coupé fast noch kerniger als in der Limousine und treibt den Wagen vehement voran. Maximal 370 Newtonmeter garantieren einen Sprintwert von 6,0 Sekunden und degradieren das elektronische Limit von 250 Stundenkilometern zur Formalität. Wer das Auto sittsam bewegt, sollte nahe am Normverbrauch von sieben Litern bleiben. Wer jedoch das Potenzial des Wagens auch nur im Ansatz ausnutzt, wird an der Tankstelle einen deutlich höheren Verbrauch feststellen.

Trotzdem kommt die schwäbische Tugend des Sparens nicht zu kurz - zumindest im Ansatz. Eine Start-Stopp-Automatik gehört - mit Ausnahme des AMG-Modells, stets zum Standard. Und es gibt natürlich auch kleinere Motoren. So startet das Coupé als C 180 mit 156 PS, es folgt ein C 250 mit 204 PS, und dazu gibt es zwei Dieselvarianten: Den 170 PS starken C 220 CDI und den C 250 CDI mit 204 PS. Trotz des Neuigkeitswerts und der Sportlichkeit der frischen Variante - Limousine und Kombi werden weiterhin fast 90 Prozent des Absatzes ausmachen.

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