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Mercedes E 220 CDI Cabrio: Offener Komfort

Mercedes E 220 CDI Cabrio Warmluft statt Gegenwind

Mercedes präsentiert mit dem E 220 CDI ein Cabrio mit einer Ausstattung auf hohem Niveau. Diverse technische Details machen eine Fahrt bei fast jedem Wetter zum entspannten Ausflug.

Hamburg - Deutschland macht sich frei. Kaum steigen die Temperaturen, sieht man allerorten offene Autos auf der Straße. Genau die richtige Zeit also für eine Ausfahrt mit einem Wagen wie dem Cabrio der Mercedes E-Klasse.

Dabei hätte der offene Viersitzer hohe Temperaturen gar nicht nötig. Trocken sollte es sein, ehe man in James-Bond-Manier die Klappe auf der Mittelkonsole öffnet und mit dem darunter liegenden Schalter das Dach - übrigens auch während der Fahrt bis zu einem Tempo von 40 Stundenkilometern - in knapp 30 Sekunden elektrisch in den Kofferraum falten lässt. Die Temperatur ohnehin ist eher zweitrangig, wenn man dann unbedacht in der E-Klasse fährt. Denn auf Knopfdruck sitzt man in diesem Auto wie in einer Badewanne voller Warmluft. Allenfalls an den Haarspitzen kriegt man dann noch mit, dass es eigentlich viel zu kühl ist für eine Cabriopartie.

Um das zu ermöglichen, ist der Wagen mit allerlei - selbstverständlich aufpreispflichtigen - Finessen ausgestattet. Etwa dem System Airscarf, das aus Düsen in den vorderen Kopfstützen ein laues Lüftchen hervorbläst und so den Kopf mit Warmluft umspült. Zwischen den hinteren Kopfstützen fährt auf Knopfdruck ein Windschott hervor. Die Sitzheizung arbeitet effektiv und im oberen Rahmen der Frontscheibe ist eine sogenannte Aircap (Aufpreis zusammen mit dem Airscarf 1249 Euro) integriert. Dabei handelt es sich um eine Art ausfahrbaren Spoiler mit integriertem Windschott. Fährt das Teil aus, leitet es den Fahrtwind derart übers Auto, dass auch die Hinterbänkler bis Tempo 120 ziemlich zugfrei reisen können. Wird die Fahrt deutlich schneller, verlieren die Systeme ihre Wirkung: Dann wirbelt auch durch die E-Klasse der Wind wie er will.

Der Komfort hat auch seine Schattenseiten. Von der einstigen Verwegenheit des Offenfahrens, dem gewissen Ausgesetztsein der Insassen Wind und Wetter gegenüber, ist im Cabrio der E-Klasse kaum noch etwas geblieben. Die gute Nachricht ist, dass die E-Klasse wie kaum ein anderes Cabrio, und erst recht keines mit Stoffdach, zum Ganzjahresauto taugt.

Bei der Ausstattung wurde an alles gedacht

Dem Anspruch, ein alltagstaugliches Auto zu sein, entspricht der Wagen auch sonst. Er bietet alle Assistenzsysteme, vom Müdigkeitswarner bis zur Verkehrszeichenerkennung, die man von einem Reisewagen für den Langstreckeneinsatz erwarten würde. Man steigt auch nach vielen Stunden hinterm Lenkrad entspannt aus, und das Fahrwerk beherrscht die Balance zwischen knackiger Kurvendynamik und sanfter Bummelei. Selbst der Kofferraum ist ordentlich bemessen. Bei geschlossenem Dach fasst er 390 Liter, und wenn das Verdeck geöffnet ist, sieht der verbleibende Gepäckschlitz zwar ziemlich schmal aus, hat aber immer noch 300 Liter Volumen. Einzig der Rücksitz erfordert Kompromisse. Richtig geräumig ist es im Fond nicht, und bei geschlossenem Verdeck sollte man ein wenig gelenkig sein, um auf einen Platz in der zweiten Reihe zu gelangen.

Wer das Cabrio der E-Klasse als Alltagsauto wählt, tut bei Motorauswahl gut daran, etwas Bescheidenheit zu üben. Der Testwagen, ein E 220 CDI, kostet 48.284 Euro, und damit ist das Modell mit dem Vierzylinder nach dem Benzinertyp E 200 CGI für 46.380 Euro das billigste Auto der Baureihe, zugleich jedoch das spritsparendste der Palette. Eine empfehlenswerte Luxuszugabe ist in diesem Fall das siebenstufige Automatikgetriebe, das happige 2500 Euro extra kostet und den Durchschnittsverbrauch um 0,2 Liter erhöht, zum lässigen Cruisen aber einfach unverzichtbar ist.

Obwohl mit einem Drehmoment von 400 Nm in 8,7 Sekunden auf Tempo 100 und bei Bedarf bis zu 230 km/h schnell, verbraucht der Wagen im Normzyklus lediglich 5,3 Liter. Im Testbetrieb waren es allerdings gut zwei Liter mehr, was für ein Auto dieses Formats aber noch immer akzeptabel ist. Außerdem genießt man in einem Cabriolet mehr denn je die Start-Stopp-Automatik, denn nirgends ist die plötzliche Stille beim Stillstand schöner als in einem offenen Wagen.

Was jedoch nicht heißen soll, der Dieselmotor sei laut. Klar, wenn der Morgen frisch und die Maschine noch kalt ist, dann knurrt der Vierzylinder laut und deutlich. Doch nach ein paar Kilometern ist davon nichts mehr zu hören und der E 220 CDI wird zum passablen Gefährten, mit dem man gelassen über die Landstraße gondeln oder flott über die Autobahn fegen kann. Wäre da nicht die Reichweite von bis zu 1200 Kilometern mit prall gefülltem Tank, man könnte glatt vergessen, dass ein Diesel unter der Haube steckt. Diese Sorge teilten offenbar auch die Entwickler. Der Tankstutzen ist deshalb zur Erinnerung, hier nur Dieselöl einzufüllen, knallrot eingefärbt.

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