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Techno Classica: Blinkendes Chrom, filigrane Mechanik

Foto: Roland Weihrauch/ dpa

Oldtimer-Show Techno Classica Die neue Lust am alten Eisen

Laut Wetterbericht steht das erste wohlige Frühlingswochenende bevor und wie bestellt dazu findet in Essen die "Techno Classica" statt, die größte Oldtimer-Messe der Welt. Die Anziehungskraft des fahrenden Altmetalls ist ungebrochen. Die rollenden Denkmäler wecken nostalgische Technikbegeisterung.

Essen - Wenn es um Wachstum geht, kann man sich auf alte Autos verlassen. Rund 233.000 Fahrzeuge mit H-Kennzeichen waren zu Beginn dieses Jahres in Deutschland nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamts in Flensburg (KBA) zugelassen - eine Steigerung von rund sechs Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Anziehungskraft fahrenden Altmetalls ist also ungebrochen, denn ein H-Kennzeichen erhalten nur Fahrzeuge, die älter als 30 Jahre, gut erhalten und noch in weitgehend originalem Zustand sind. Tatsächlich ist die Zahl der Oldies hierzulande jedoch wesentlich höher, weil etliche Besitzer ihre automobilen Schätze nicht mit einem H-, sondern mit Saison- oder Wechselkennzeichen bewegen.

Ein Spiegel dieser Lust am alten Eisen ist die Techno Classica in Essen (30. März bis 3. April), die laut Veranstalter ebenfalls seit Jahren rasant wächst - und zwar sowohl was die Zahl der Zuschauer als auch die Zahl der Aussteller betrifft. Die 23. Auflage der inzwischen wohl größten Messe für Oldtimer aller Art, Ersatzteile, Restaurierung und Auto-Clubs ist mit knapp 1200 Ausstellern auf insgesamt 130.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche so gut wie ausgebucht. Rund 180.000 Besucher werden in den kommenden Tagen erwartet.

Dass die Hersteller nahezu komplett auf der Techno Classica präsent sind, ist inzwischen fast schon eine Selbstverständlichkeit. Hier nämlich haben die Autobauer die Chance, die Firmenhistorie zu verklären, an erfolgreiche Modelle zu erinnern und die eigene Marke mit Werten wie Tradition und Beständigkeit aufzuladen. Und natürlich ist die Pflege des eigenen Erbes längst ein lukratives Geschäftsmodell. Experten taxieren allein in Deutschland den Jahresumsatz der Klassikerbranche zwischen fünf und sechs Milliarden Euro.

Logisch, dass auch die Zulieferer diese gar nicht mehr so kleine Nische für sich entdeckt haben. Bei Bosch etwa wurde die Abteilung Automotive Tradition ins Leben gerufen, Thyssen Krupp Bilstein wiederum kümmert sich per so genanntem Kundersonderwunsch-Programm um die Instandsetzung altgedienter und ausgeleierter Stoßdämpfer. Denn in der Regel achten die Besitzer klassischer Fahrzeuge penibel auf den technischen Zustand ihrer Raritäten - eine hervorragende Ausgangslage für ordentliche Renditen in diesem Segment.

Gute Geschäfte mit der Restaurierung alter Autos

Das gilt übrigens auch für Werkstätten. Der Zentralverband des deutschen Kfz-Gewerbes (ZDK) vergibt seit einiger Zeit das Prädikat "Oldtimer-Restaurierungsbetrieb", mit dem inzwischen 309 Meisterbetriebe in Deutschland zertifiziert wurden. Unter anderem müssen derartige Werkstätten nach den ZdK-Statuten "ständig, in nicht unerheblichem Umfang Oldtimerfahrzeuge, die älter als 30 Jahre sind, warten und instand setzen". Die Gelegenheiten dazu dürften in den nächsten Jahren weiter zunehmen - auch befeuert durch das Ausschlachten der eigenen Historie durch die Hersteller selbst.

Unter den etlichen Jubiläen, die in Essen gefeiert werden, gehört zum Beispiel das alles übergreifende Thema "125 Jahre Automobil", an das vor allem von Mercedes-Benz erinnert wird, unter anderem mit einem Patent-Motorwagen von 1876, einem Mercedes Simplex von 1902 oder einem Ponton-Mercedes 180. Bei der bayerischen Konkurrenz wird an 75 Jahre BMW 328 sowie an 50 Jahre Neue Klasse erinnert, jenes Auto, mit dem vor einem halben Jahrhundert die Marke aus ihrer bis dahin größten Krise fuhr.

Opel wiederum läuft sich schon mal für das kommende Jahr warm, in dem das 150. Jubiläum der Firmengründung gefeiert wird und zeigt in Essen allerlei Produkte - von der ersten Nähmaschine aus dem Jahr 1862 bis hin zum nagelneuen Elektroauto Opel Ampera. Ford feiert "80 Jahre made in Kölle", Volvo begeht den 50. Geburtstag des legendären Modells P 1800, VW erinnert an 50 Jahre Mittelklasse- und Kombi-Modelle und Peugeot an die 75-jährige Präsenz in Deutschland.

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