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Genfer Autosalon: Die Neuheiten im Überblick

Genfer Autosalon Wunderdinge der Straße

Mit Elektro-Rolls-Royce, Hybrid-Porsche und Leichtbau-Lamborghini wollen die Luxushersteller auf dem Autosalon in Genf ihren Sinn für die Umwelt demonstrieren. PS-Monster als Vorbilder für den Klimaschutz mögen ein Widerspruch sein, aber das Konzept könnte in Zukunft trotzdem funktionieren.

Hamburg - Der Auto-Salon in Genf ist traditionell die Messe der Paradiesvögel unter den Autofirmen. In diesem Jahr, bei der 81. Auflage der Pkw-Show im Südwestzipfel der Schweiz, wird das mal wieder besonders deutlich: Ferrari stellt mit dem Gran Turismo FF ein neues Zwölfzylinder-Topmodell vor, Lamborghini enthüllt den neuen Extremsportwagen Aventador, die britische Traditionshersteller Aston Martin zeigt erstmals das Modell Virage, und die oberitalienischen Vollgas-Manufakturen wie Pagani oder De Tomaso stellen - nach Jahren der Abstinenz - ebenfalls neue Modelle ins Rampenlicht.

Es geht bei diesen Modellen um Glamour und Glanz, um leistungsstarke Motoren und um Luxus. Umweltverträglichkeit, gar ein generelles Umdenken in Sachen individueller High-End-Mobilität, ist nicht gefragt. Der neue Lamborghini soll zwar weitgehend aus dem Leichtbaumaterial Karbon bestehen, doch weil das Auto im Wesentlichen aus einem monströsen Antriebsstrang besteht sowie aus einem Fahrwerk, das die dort produzierten immensen Kräfte auf die Straße übertragen muss, fällt eine etwas leichtere Karosserie buchstäblich kaum ins Gewicht. Trotzdem wird dieses Auto als Wunderding gefeiert werden - eine Relevanz für den Alltag auf den Straßen hat es natürlich nicht.

Immerhin: Auch im obersten Luxussegment spielen Kategorien wie Ressourcenschonung bei der Produktion, Spritverbrauch und Schadstoffausstoß durchaus eine Rolle - selbst die Ingenieure von Lamborghini bemühen die Umwelt, wenn sie ihren Aventador anpreisen. Rolls-Royce, die Ikone des britischen Autoadels und der Prunk auf Rädern schlechthin, geht sogar noch weiter. In Genf zeigt die zu BMW gehörende Luxusmarke das Flaggschiff Phantom mit Elektroantrieb. 102 EX heißt das Auto offiziell, wobei EX für "Experimental Car" steht.

Man darf das wörtlich nehmen, denn der Wagen soll im Anschluss an die Messe eine weltweite Tournee antreten und die Bereitschaft der Schönen und Reichen ausloten, sich auf neue Technologien einzustellen. "Wir wollen mehr Klarheit gewinnen über alternative Antriebe, die in Zukunft für Rolls-Royce infrage kommen", sagt Vorstandschef Torsten Müller-Ötvös. Die potenzielle Kundschaft in dieser Preisklasse soll also ihr Urteil abgeben, ob ein E-Rolls zum automobilen Selbstverständnis passen würde.

Langsame Entwicklung verzögert Markteintritt

"Themen wie geringer Kraftstoffverbrauch oder alternative Antriebe erlangen nun auch im Luxussegment eine zunehmende Bedeutung", sagt August Joas, Leiter der globalen Automotive Practice der Managementberatung Oliver Wyman. In diesem Fall ist die Entwicklung nicht von ganz oben allmählich nach unten durchgesickert, sondern offenkundig hat sich ein Basisbedürfnis bis nach ganz oben hin vorgearbeitet. Joas: "Das Prädikat 'green' wird mittelfristig nicht mehr als Differenzierungsmerkmal für die Hersteller im Automarkt funktionieren. Vielmehr nimmt die Umweltverträglichkeit von Fahrzeugen künftig als Basisanforderung denselben Stellenwert ein wie heute schon die Qualität oder die Zuverlässigkeit."

Direkt hinter dem Messestand von Rolls-Royce übrigens befindet sich der "Pavillion Vert" des Autosalons, sozusagen das Reservat der wirklich alternativen Fahrzeuge. Dort stehen unter anderem Elektrofahrzeuge mit Namen Green-Tech GT1, Weez, Tilter, NR-1 oder Softcar Upgo, die von einem wirklich neuen Herangehen an das Thema Automobil künden. Zutritt zur feinen, funkelnden Gesellschaft der etablierten Hersteller, die in den großen Hallen die große Show abziehen, haben diese Mobile nicht.

In den großen Hallen bei den Platzhirschen der Branche ist die noch vor zwei Jahren herrschende Elektro-Euphorie einer nüchternen Skepsis gewichen. Es dauert eben sehr, sehr lange, bis wirklich brauchbare Elektroautos auf den Markt kommen - umso mehr, als die Entwicklung im Bereich der Batterien nur sehr langsam vorangeht. Und dann besteht ja immer noch das Problem der Stromerzeugung; in Deutschland etwa bedeutet derzeit jede erzeugte Kilowattstunde einen Ausstoß von knapp 600 Gramm CO2. Ohne den drastischen Ausbau der regenerativen Energiegewinnung führte das Elektroauto also von vornherein in eine Sackgasse.

Immerhin, es gibt einige ernsthafte Ansätze, um Autofahren zumindest etwas umweltverträglicher zu machen. Das Hybridelektroauto Opel Ampera ist einer davon, es steht in Genf erstmals in der Serienversion, die Ende des Jahres auf den Markt kommen soll. Audi stellt auf der Messe das SUV-Modell Q5 mit Hybridantrieb vor, Porsche zeigt den Panamera Hybrid. Die Mercedes-Kleinstwagenmarke beschränkt sich auf das Spielmobil Smart Forspeed, das zwar einen Elektromotor, aber ansonsten nichts mit der Realität zu tun hat. Und bei der BMW-Kleinwagenmarke Mini wird zwar ein reduzierter Mini vorgeführt, doch dessen Motorraum ist noch gänzlich leer.

Große Fragezeichen also, wohin das Auto der Zukunft fährt und vor allem: womit. Die französische Marke Renault übrigens, die sich gerne als ein Vorreiter in Sachen Elektromobilität sieht, zeigt in Genf die hübsche Studie Captur. Ein fast romantisch anmutendes Modell "für ein junges Pärchen, das die Welt erobern möchte", wie es im Pressetext zum Auto heißt. Leider wird das nicht abgasfrei geschehen. Denn in der Studie steckt keine E-Maschine, sondern ein 1,6-Liter-Biturbo-Dieselmotor. Grüner wird's in Genf leider nicht.

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