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Mini-Rocketman: Zurück zu alter Größe

Studie Rocketman Der Mini-Mini

Mini denkt um. Nachdem die Autos der britischen Marke unter bayerischer Regie immer größer und schwerer geworden sind, kehrt die Studie Rocketman zu den Wurzeln zurück. Dabei wird auf Extravaganz und Luxus dennoch nicht verzichtet.

Hamburg - Als Alec Issigonis vor gut einem halben Jahrhundert den Mini entwarf, wollte er von Luxus nichts wissen. Nicht einmal über ein Radio ließ der Konstrukteur der British Motor Company anfangs mit sich reden. Seit Mini zu BMW gehört, ist Askese jedoch verpönt. Der Kleinwagen aus England wurde zum Luxuszwerg, für den die Kunden im Durchschnitt für 3500 Euro Extras ordern. Auch den ursprünglichen formalen Minimalismus des Autos gibt es nicht mehr. Der Ur-Mini ist 3,05 Meter lang, mit dem neuen Modell Countryman durchbrachen die Münchener kürzlich erstmals die Viermetermarke.

Doch jetzt besinnen sich die Verantwortlichen offenbar wieder auf die Kernwerte - zumindest auf dem Genfer Auto-Salon. Denn dort zeigt Mini eine Studie, die auf den ersten Blick wie ein Klon des Klassikers aus den 50er Jahren aussieht: Mit 3,41 Metern immerhin 30 Zentimeter kürzer als das aktuelle Modell und vergleichsweise schlichtem Interieur zeigt sie die Vision eines Mini-Mini und passt damit perfekt zum aktuellen Downsizing-Trend. Nur der Name irritiert: Rocketman soll wohl nach Höhenflug klingen, Pocketman hätte besser gepasst.

"Wir wollen zeigen, dass wir uns durchaus Gedanken über kleinere Konzepte machen und der Mini auch wieder schrumpfen kann", sagt Designer Oliver Sieghart über die Studie, an der seit gut einem Jahr gearbeitet wurde. Die Studie Rocketman sollte die alten Proportionen aufnehmen, ohne zum Retromobil zu werden. Im Gegenteil: Nur die beiden Dellen in den Flanken zitieren die außen liegenden Türscharniere von früher, und natürlich bleiben die Kulleraugen-Scheinwerfer erhalten. Doch in den Kühlergrill wurde hundertfach das Markenlogo gestanzt und die Rückleuchten ragen wie Henkel aus dem Heck.

Obwohl Mini erkennbar mit dem Urmodell kokettiert, wird es unter BMW-Regie kein Billigmodell für die Basimobilität geben. "Auch für einen Kleinstwagen gilt der Premiumgedanke, deshalb ist dieses Auto für uns keine Verzichtserklärung", sagt Sieghart. Im Gegenteil, feines Nubukleder ziert die Sitze und kaschiertes Papier wertet die Konsolen des Interieurs auf.

Lichtspielereien sorgen für passende Atmosphäre

Der Clou der Studie ist eine Lightshow: Hinter Waben aus gefaltetem Wachspapier schimmert der Rocketman-Innenraum mal rot, gelb oder blau. "Das entspricht dem jeweiligen Fahrszenario und korrespondiert mit der Anzeige auf dem Center Globe, der Weiterentwicklung des zentralen Kombiinstruments ist", sagt der Designer. Fährt man solo im Rocketman, gibt er die kleine Rakete. Das Interieur glüht rot und über den 3D-Bildschirm flimmert im "Chase Mode" eine virtuelle Verfolgungsjagd, bei der man gegen sich selber fährt. Ob man sich damit noch auf den Verkehr konzentrieren kann, ist durchaus fraglich.

Hat man den Partner an Bord, sorgt der Mini mit orangefarbenem Licht für romantische Stimmung. Via Bluetooth liest die Elektronik die Smartphones der Insassen aus und sucht aus Musiklisten und Adressbüchern jeweils die Schnittmenge heraus. Während der Rocketman zum gemeinsamen Lieblingsitaliener navigiert, läuft also auch noch der Lieblingssong beider Insassen. Ist der Fahrer mit Kumpels unterwegs, wechselt der Mini ins blaue Szenario, wird zum Partymobil und sucht mit dem "Buddy-Finder" nach weiteren Freunden und Mini-Fahrern in der Gegend.

"Der wahre Luxus ist in dieser Klasse aber der Platz", sagt Sieghart und öffnet die Tür zu einer überraschend geräumigen Lifestylelounge. Obwohl äußerlich knapp geschnitten, wirkt der Rocketman innen großzügiger als der normale Mini. Zumindest vorn. Dafür haben die Designer das Cockpit neu gestaltet und stärker auf den Fahrer zugeschnitten. Die Sitze sind überaus dünn und der Sozius rückt ein Stückchen nach vorn. Hinten geht es enger zu. Nur rechts im Fond gibt es ein ordentliches Sitzpolster, links lediglich einen Notsitz. Bevor dort jemand Platz nimmt, muss man erst den Rucksack entfernen, den die Designer dort verstaut haben.

Karbon sorgt für weniger Gewicht

Neue Wege geht Mini ebenfalls beim Türkonzept. Damit man auch in engen Parklücken selbst nach hinten bequem einsteigen kann, sind die Seitentüren extrem lang, aber dafür mit einem doppelten Scharnier angeschlagen. Ähnlich wie seinerzeit beim Renault Avantime, öffnen die Türen nach vorn und zur Seite und geben so einen großen Durchschlupf frei, ohne selbst viel Raum zu beanspruchen. Ähnlich pfiffig ist die Schublade unter der Heckklappe: Sie dient wahlweise als zusätzlicher Gepäckträger oder als Einschub für die Einkäufe.

Der Rocketman soll nicht nur Verkehrsfläche, sondern vor allem Sprit sparen. So passt unter die Haube auch der kommende Dreizylindermotor, den BMW gerade entwickelt. Außerdem nutzen die Entwickler ihre Karbon-Erfahrung, um auch bei diesem Modell das Gewicht zu drücken. Die Karosseriestruktur ist aus Kohlefaser gebacken. Das sieht man am besten von oben, wo der Karbonrahmen unter dem beleuchteten Plexiglasdach die Streben des Union-Jack nachbildet. "So dürfte der Rocketman deutlich unter 1000 Kilo wiegen und auf einen Verbrauch von drei Litern kommen", sagt Mini-Sprecher Cypselus von Frankenberg.

Ein Dilemma des Rocketman sind die vielen neuen Ideen. Sie machen das Auto einerseits attraktiv, andererseits aber auch extrem teuer. Eben weil es noch keine Plattform gibt, weil Karbon noch viel mehr kostet als Stahl und der neue Motor auch noch nicht fertig ist. All das spricht nicht für eine schnelle Umsetzung. Auch von Frankenberg bleibt zurückhaltend: "Bei unseren letzten Showcars war die Serienfreigabe meist nur eine Formsache. Aber im Fall des Rocketman ist das Ergebnis völlig offen."

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