Nissan-Modelle Navara und Pathfinder Autos für Ölsucher und Wildhüter

Den Qashqai, ein Kompaktauto im SUV-Look, verkauft Nissan wie geschnitten Brot. Der Absatz richtiger Geländewagen hingegen stockt. Überarbeitete Versionen der Allrad-Modelle Navara und Pathfinder sollen es nun richten.

Hamburg - Vincent Wijnen redet nicht lange drum herum. "Das Geschäft mit den SUV hat sich in den vergangenen Monaten dramatisch gewandelt", räumt der europäische Marketingchef von Nissan ein. Dicke Geländewagen sind die Buhmänner der Autowelt, was am protzigen Auftritt ebenso liegt wie an den hohen Verbrauchswerten. Die Kunden wählen heute lieber so genannte Crossover-Modelle, also brave Pkw,die mit einigen Offroad-Designelementen aufgepeppt wurden.

Das ist erfreulich für Wijnen, denn Nissan hat in diesem Segment das Modell Quashgai im Angebot, und in wenigen Monaten als Ergänzung den etwas kleineren Juke. Andererseits aber baut die Marke auch noch Geländewagen vom alten Schlag: Den riesigen Pathfinder und dessen Pickup-Zwilling Navara - Typen, deren soziale Akzeptanz mittlerweile gegen Null tendiert.

Es gebe aber nach wie vor Kunden, erklärt Wijnen, "die nach genau solchen Fahrzeugen fragen". Vor allem, wenn sie das Auto nicht privat, sondern von Berufs wegen benötigen. Zwar rechnet Nissan in Deutschland mit insgesamt kaum 1500 Zulassungen der beiden Modelle im laufenden Jahr, doch selbst diese wenigen Kunden möchte die japanische Marke nicht verlieren. Deshalb werden Pathfinder und Navara zum August noch einmal gründlich überarbeitet und erhalten einem neuen Motor.

Nobler V6-Diesel für die rustikalen Allrad-Arbeiter

Das wird allerdings teuer. Rund 45.000 Euro für den Pickup Navara und gar 54.000 Euro für den Geländewagen Pathfinder ruft Nissan auf, wenn der neue V6-Diesel mit drei Liter Hubraum unter der Haube stecken soll. Der kultiviert ans Werk gehende Selbstzünder wirkt beinahe deplatziert in den grobschlächtigen Allradlern. Seidig schüttelt er 231 PS und bis zu 550 Nm Drehmoment aus den Brennkammern und gibt die Leistung, vermittelt über eine ebenfalls neue Siebenstufen-Automatik, an die Räder weiter.

So motorisiert, wirken die beiden aerodynamisch eher ungünstig gestalteten Zweitonner fast wie Kleinwagen. Die Fahrleistungen jedenfalls haben mit dem Klischee vom behäbig robusten Offroader nichts zu tun. Für den Standardspurt von 0 auf Tempo 100 benötigen beide Modelle keine zehn Sekunden, und wer es wirklich wissen will, kann sich mit bis zu 200 km/h sogar zum Schrecken der Überholspur aufschwingen. Selbst der Durchschnittsverbrauch ist noch im Rahmen und liegt im Normzyklus unter zehn Litern. Das ist zwar doppelt so viel wie beim Kleinwagen Nissan Micra - doch der ist auch nur halb so schwer und nicht einmal halb so stark.

Ein großer Teil der Pathfinder- und Navara-Modelle sind - zumindest laut Steuererklärung der Eigentümer - im gewerblichen Einsatz auf der Straße. Wer also einen möglichst billigen Firmenwagen braucht, wird eher den Vierzylinder-Diesel wählen. Mit diesem Aggregat kostet der Pickup ab 25.699 Euro und der Geländewagen ab 38.670 Euro. Und auch dieser 2,5 Liter große Selbstzünder wurde ein wenig renoviert, sodass Leistung und Drehmoment etwas zulegen, der Verbrauch jedoch gesenkt wurde.

Je besser die Straße, desto anstrengender die Fahrt

In Zahlen: Der Vierzylinder kommt nun auf 190 PS und 450 Nm, kommt aber mit 8,5 Liter je 100 Kilometer klar, das ist ein Liter weniger als bislang. Allerdings nervt die Maschine mit lautem Nageln, das Schaltgetriebe ist recht hakelig und die Automatik könnte ein paar Gänge mehr vertragen. Die Fahrleistungen dagegen sind in Ordnung.

Klar ist, dass kein Mensch ein Auto wie Pathfinder oder Navara als ganz normales Familiengefährt braucht. Mit einem Arbeitsplatz als Wildhüter, Pferdezüchter oder Ölsucher sieht das schon anders aus. Die Sitzposition ist erhöht, das Platzangebot im Innenraum ist immens und die Ausstattung recht komfortabel. Außerdem hört der Aktionsradius beider Typen nicht da auf, wo man den Weg nur noch erahnen kann. Denn dank zuschaltbarem Allradantrieb, kniehoher Bodenfreiheit und einem stabilen Leiterrahmen sind Pathfinder und Navara echte Naturburschen.

Bei Fahrten auf gepflegtem Asphalt freilich muss man ein paar Kompromisse machen. Die Federung ist rustikal, die Lenkung erfordert ein gewisses Maß an Toleranz, und vor allem knarzt und spannt der Allradantrieb beim Rangieren, das bei einer Wagenlänge von bis zu 5,30 Meter und fast 14 Meter Wendekreis ohnehin schon keine Freude ist. Immerhin, auch das ist neu, gibt es jetzt auf Wunsch auch eine Rückfahrkamera.

Die Nissan-Modelle Pathfinder und Navara also bleiben den Offroad-Aficionados hierzulande erhalten. Auf das Topmodell der Nissan-Palette fürs wirklich grobe Autoleben jedoch müssen sie künftig verzichten. Das erst kürzlich präsentierte Allrad-Flaggschiff Patrol wird in Europa gar nicht mehr angeboten.

Navara und Pathfinder: Autos fürs Grobe

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