Audi Etron Surrendes Spaßmobil

Der Tesla Roadster hat gezeigt: Öko-Autos dürfen Spaß machen. Nach diesem Motto tritt nun auch der Elektrosportwagen Audi Etron an, der ab 2012 zum grünen Porsche-Rivalen werden soll. Eine Testfahrt mit dem ersten Prototypen.

Kalifornien - Ökologisches Autofahren ist in Kalifornien zu Hause. Hier begann der Hybrid-Boom, hier wurde der Strom-Sportwagen Tesla Roadster erfunden. Und deshalb findet die Jungfernfahrt des ersten deutschen Elektrorenners Audi Etron ebenfalls passenderweise im Golden State statt. Drei Monate nach dem Debüt der Studie auf der IAA in Frankfurt und ziemlich genau drei Jahre vor dem geplanten Verkaufsstart gleitet der schnelle Stromer jetzt für Test- und Fotofahrten über den Pacific Coast Highway.

Die Polizeieskorte, die Audi für diese Ausfahrt gebucht hat, ist eigentlich überflüssig. Während andere Studien oft nur Schritttempo fahren und zum Verkehrshindernis werden, prescht der Etron den meisten US-Modellen auf der Küstenstraße einfach davon. Vier Elektromotoren mit zusammen 313 PS und einem Drehmoment von realen 1000 Newtonmeter - da müssen Corvette und Co. die Segel streichen.

Handykamera statt Radarpistole

Egal ob aus dem Stand oder bei 50 km/h, egal ob auf der Ebene oder an der Steigung: Sobald man das Strompedal streichelt, bekommt man einen Tritt ins Kreuz und schießt schneller davon als mit dem konventionellen Audi R8, der den Entwicklern als Teilespender diente. Während man nur ein leise anschwellendes Surren, den Wind und die Reifen hört, zischt der elektrische Gleiter in 4,8 Sekunden auf Tempo 100, den Zwischenspurt von 60 auf 120 km/h schafft er in 4,1 Sekunden. Bei 200 km/h wird abgeregelt, weil die Entwickler auf die Reichweite achten mussten.

Ganz so flott fahren wir mit Rücksicht auf das millionenteure, praktisch handgeschnitzte Einzelstück nicht. Doch ist der Etron so schnell am gesetzlichen Limit von 55 Meilen pro Stunde, dass die Polizeieskorte vielleicht doch keine schlechte Idee war. Statt Radarpistole zücken die Herren in Uniform allerdings die Handykamera fürs Erinnerungsfoto.

Während der Antrieb bereits seriennah ist, gibt der Etron innen noch den Showstar. Man sitzt in futuristischen Schalen aus Aluminium, statt Hebeln und Schaltern gibt es berührungsempfindliche Flächen, die wie das Touchpad eines Computers funktionieren. Und wo es früher Spiegel gab, sitzen jetzt kleine Monitore, auf denen die Bilder dreier Kameras gezeigt werden.

Das spätere Interieur wird deutlich konventioneller sein, leider. Trotzdem ist vieles ungewohnt. "Wir werden uns ein Begrüßungsszenario überlegen, um dem Fahrer zu signalisieren, dass sein Wagen startklar ist. Schließlich gibt es ja keinen klassischen Motorsound mehr", sagt Peter Kainz, der den schönen Titel "Leiter Zukunftsentwicklung und Innovationsmanagement" trägt.

Wie es unter der Haube aussieht, bleibt geheim

Während die vier Elektromotoren leise surren und man den Lüfter der riesigen, fast 500 Kilogramm schweren Lithium-Ionen-Batterie im Heck hört, fährt beim Starten hinter dem Lenkrad langsam eine silberne Klappe auf, zeigt Landkarte oder Bordcomputer und signalisiert: "Jetzt kann es losgehen."

Audi ist in Sachen Etron recht kommunikativ, will die VW-Tochter doch dokumentieren, dass sie in Sachen Elektromobilität ganz weit vorne ist. Doch der Blick unters Gewand des roten Rasers ist tabu. Wo der Benzinmotor des R8 hinter Glas in Szene gesetzt, bleibt die Haube des Elektrorenners dicht. "Darunter sieht man nur vier paar blaue Waschtrommeln und jede Menge orange Schläuche", beschreibt Entwickler Thomas Kräuter das konstruktive Chaos zwischen Elektromotoren, Hochvolt-Kabeln und der Batterie.

Kräuter und seine Ingenieurskollegen haben noch drei Jahre Zeit, um aufzuräumen. Aber es steht noch ein bisschen mehr auf der Aufgabenliste. Denn auch wenn der Etron für eine Studie bereits ausgesprochen gut fährt, ist er kein fertiges Auto. "Vor allem bei den Elektromotoren und den Akkus müssen wir noch ein paar Varianten durchspielen und einige Entwicklungsschritte abwarten", räumt Kainz ein.

Außerdem soll das Auto noch ein paar hundert Kilo abspecken und am Ende nicht mehr als 1,6 Tonnen wiegen. Die beweglichen Kühlrippen aus Aluminium zum Beispiel, die aussehen wie das Schild einer Echse, werden der Fastenkur wohl zum Opfer fallen.

Nicht nur die Techniker, auch die Kaufleute werden noch reichlich rechnen müssen. Bisher, so scheint es, hat in Ingolstadt noch niemand eine Ahnung, was der Etron als Serienfahrzeug dereinst kosten soll.

Ach ja, und noch ein Problem muss gelöst werden: Bislang ist die angekündigte Reichweite von 250 Kilometern graue Theorie. Nach zwei flotten Runden auf der Uferstraße muss die Studie an eine Steckdose. Weil die auf dem Pacific Coast Highway rar gesät sind, hat Audi aus Ingolstadt vorsichtshalber ein Notstromaggregat eingeflogen. Das mit sich herumzutransportieren ist etwas, das die Bayern ihren Kunden später sicherlich ersparen wollen - zumal dem Etron dafür auch die Anhängerkupplung fehlt.

Audi Etron: Das elektrische Aushängeschild Elektroautos im Aufwind: Modelle und Meilensteine

Verwandte Artikel

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.