Los Angeles Autoshow Showbusiness as usual

Die Tristesse ebbt ab. Von Genesung der US-Autobranche kann zwar noch keine Rede sein, doch auf der Los Angeles Autoshow machen die siechen US-Hersteller schon wieder auf Glanz und Glamour. Auch die Importeure - allen voran VW - trumpfen mit frischer Ware auf.

Los Angeles - Vor einen Jahr war die Stimmung derart im Keller, dass es bei vielen Herstellern nicht einmal mehr für ausreichend Scheinwerfer reichte. Jetzt hat sich die Szenerie gewandelt. Die drei siechen Riesen Ford, General Motors und Chrysler stehen nach schmerzhaften Verlusten wieder auf den Beinen und demonstrieren zumindest auf der Autoshow, dem letzten großen Branchentreff in diesem Jahr, ihre Rekonvaleszenz.

Äußerlich lässt sich das an feiner Auslegeware und gleißendem Kunstlicht fest machen; außerdem an den bildhübschen Models, die sich um die Autos räkeln und an der fetzigen Musik, die aus den Boxen auf den Messeständen dröhnt. Der Messezirkus spielt wieder auf, und die positive Ausstrahlung steckt alle an. "Ich glaube, jetzt fahre ich im Januar doch wieder nach Detroit", sagt beispielhaft einer der Korrespondenten beim Verlassen der Messehalle.

Die aktuellen Absatzzahlen stützen den Eindruck kaum. General Motors verkaufte im November gegenüber dem Vorjahresmonat noch einmal um zwei Prozent weniger Autos, doch immerhin sind die neuen Kernmarken Chevrolet, Buick, GMC und Cadillac allesamt zehn Prozentpunkte im Plus. Ford konnte seine Zulassungen um zwei Prozent steigern, für Chrysler allerdings ging es noch einmal zweistellig in den Keller.

Bislang halten sich die großen Geländewagen, Pickups sowie die klassischen Straßenkreuzer im Fünf-Meter-Format beständig auf den oberen Plätzen der Zulassungsstatistik, und die einstigen Importstars Smart und Mini erleben in diesen Wochen in den USA einen herben Absturz.

Dennoch stehen auf der Messe die kleinen Modelle im Mittelpunkt. So setzt Ford zum Beispiel auf den Fiesta, der nun zum US-Modell wird und mit Steilheck sowie als typisch amerikanische Stufenheckvariante in Los Angeles Premiere feiert. Ein paar Stände weiter sieht man den Fiesta übrigens gleich noch einmal - zumindest seine Plattform. Denn auch Mazda findet small plötzlich sexy und bringt das Modell Mazda 2 jetzt ebenfalls nach Amerika.

Auch General Motors backt kleinere Brötchen: Statt um Camaro & Co. geht es beim schwächelnden Riesen aktuell vor allem um den Chevrolet Cruze, der auf dem Opel Astra basiert und zwischen New York und Los Angeles zum Bestseller der neuen, automobilen Vernunftgesellschaft avancieren soll.

Chrysler muss noch warten, VW trumpft weiter auf

Ebenfalls im Rampenlicht steht bei GM einmal mehr der Chevrolet Volt - das Elektroauto mit Range-Extender. Ende nächsten Jahres soll der Wagen endlich in Serie gehen. Die ganz großen Pläne wurden allerdings schon wieder etwas eingedampft: Starten wird der Stromer vorerst nur im Vorzeigestaat Kalifornien, weil es dort die meisten Zulassungen und die grünsten Kunden gibt. Erst später soll das Auto auch überall sonst in den USA und dann im Rest der Welt verkauft werden.

Während Ford und GM zur Show auch neue Autos zeigen können, reichte es bei Chrysler bislang nur für die wahrscheinlich attraktivsten Models der Messe. Obwohl Fiat-Chef Sergio Marchionne für seine neuen US-Töchter vor vier Wochen ein ambitioniertes Produktfeuerwerk angekündigt hat, drehen sich auf dem riesigen Stand im Los Angeles Convention Center durchweg alte und bekannte Autos. Einzig den wilden Jeep Lower Forty haben die Neu-Italiener von der Tuningmesse Sema mitgebracht.

Die Importeure fahren in Los Angeles ganz ordentlich auf - allen voran VW. Die Niedersachsen nutzen die Autoshow als Bühne für ein weiteres Baby der so genannten New Small Family und enthüllten den Up Lite, der mit einem Dieselhybrid-Antrieb und 2,44 Litern Verbrauch als "sparsamster Viersitzer der Welt" gefeiert wird. Und bei Porsche dreht sich der neue Boxster Spyder im Rampenlicht, der an den legendären James-Dean-Porsche des Typs 550 erinnert.

Die anderen deutschen Hersteller haben zwar keine Weltpremieren parat, zeigen aber für die USA ausgesprochen wichtige Modelle. So fährt BMW mit X6 und 7er noch einmal die beiden neuen Hybrid-Modelle des Hauses auf die Bühne, und Mini zeigt die beiden bereits von der IAA in Frankfurt bekannten Studien.

Audi lockt Besserverdiener mit dem R8 Spyder und die Öko-Rennfahrer mit dem Modell E-tron und bei Mercedes dreht sich alles um den neuen Flügeltürer - obwohl in den USA noch keiner den exakten Preis kennt, ist der SLS AMG bereits jetzt weitgehend ausverkauft.

Auch die Hersteller aus Asien zogen in Los Angeles das Tuch von Neuheiten, die zumindest in den USA von großer Bedeutung sind: Toyota enthüllte mit dem neuen Sienna einen der wichtigsten Minivans des US-Markts, Lexus zeigt mit dem GX 460 die US-Ausgabe des Toyota Land Cruiser, bei Hyundai debütiert die auch für Europa avisierte Neuauflage des Sonata, und bei Honda drehen sich der Acura ZDX, der Accord Crosstour und die Studie P-Nut im Rampenlicht.

Los Angeles Autoshow: Die Neuheiten in Bildern

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