Audi A8 Der Oberklassen-Streber

Bislang war der Audi A8 stets die Nummer drei unter den deutschen Oberklasselimousinen. Doch auf dem Weg an die Spitze der Premiumhersteller will Audi mit dem neuen A8 die Konkurrenz überholen. In Miami wurde das neue Topmodell nun mit großem Pomp enthüllt.

Miami - Es ist das Lieblings-Mantra von Audi-Vorstandschef Rupert Stadler: "Wir machen Audi zum erfolgreichsten Premiumhersteller der Welt." Dazu müssten vor allem kommende Typen wie die Modelle A1 oder Q3 zu Bestsellern werden. Doch genauso wichtig wäre ein erfolgreiches Flaggschiff, das als Technologieträger und Imagelokomotive fungiert. Vorgesehen für die Doppelrolle ist der neue Audi A8, der jetzt in Miami Beach - im Rahmen der dort gerade stattfindenden Art Basel - enthüllt wurde.

Stadler kommt während der Show in Fahrt und schwärmt, das neue Auto sei "die sportlichste und zugleich effizienteste Limousine in ihrem Segment" und zugleich ein "technisches Kunstwerk und ein Meisterstück zum 100. Geburtstag". 800 Gäste wurden von Audi eingeflogen und dann mit 200 Shuttle-Fahrzeugen herangekarrt. "Der A8 ist extraordinär, und genau so extraordinär ist seine Präsentation", tönt Stadler durch den eigens errichteten Premierenpavillon von der Größe einer Kathedrale direkt am Atlantikstrand.

Während der Show, die von "Charlies Engel"-Darstellerin Lucy Liu moderiert wird, dürfen zahlreiche Kunst- und Kulturschaffende mit auf die riesige Bühne, die aber eigentlich dem neuen Auto gehört. Der neue A8 ist ein stattliches Fahrzeug - und angeblich auch ein Großmeister der Sparsamkeit. Der Grund dafür sind laut Stadler die weiterentwickelten V6- und V8-Motoren. Sie legen in der Leistungsausbeute zu und werden zunächst mit PS-Werten von 204 bis 372 erhältlich sein, sollen aber zugleich um bis zu 22 Prozent sparsamer geworden sein. Das genügsamste Triebwerk braucht angeblich lediglich sechs Liter Sprit je 100 Kilometer.

Fortschritt im großen Stil bei der Ausstattung

Selbst der stärkste Benzinmotor soll unter zehn Liter verbrauchen, was keines der Konkurrenzmodelle von BMW oder Mercedes schafft. Möglich macht das, neben einer neuen Achtgang-Automatik und der Rekuperation genannten Energierückgewinnung beim Bremsen, in einigen Varianten auch eine Start-Stopp-Automatik, die damit erstmals in der Oberklasse der Ingolstädter Einzug hält.

Während die Motoren teils nur überarbeitet wurden, setzt Audi bei der Ausstattung auf Fortschritt im großen Stil. Deutlichstes Zeichen dafür sind die Voll-LED-Scheinwerfer, die nach dem Debüt im Audi-Sportwagen R8 nun erstmals in die Großserie gehen und die dem Flaggschiff auch bei Dunkelheit ein unverwechselbares Gesicht geben. Der Clou dabei ist ein adaptives Lichtsystem, das die Scheinwerfer mit Hilfe der Navigationsdaten vorausschauend justiert. Ebenfalls einzigartig ist ein Touchpad mit Handschrifteingabe für die Zielauswahl. Außerdem auf Wunsch an Bord: Ein Nachtsichtsystem mit Fußgängererkennung, eine Kamera, die Verkehrszeichen lesen kann, und ein Tempomat, der in Gefahrensituationen eine Notbremsung einleitet.

Obwohl ein sportlicher Fahreindruck ganz oben im Forderungskatalog stand, gibt sich der A8 bei der ersten Begegnung behaglich und feudal. Man schwelgt in einem Ambiente aus Wurzelholz, blankem Aluminium und Klavierlack, genießt fürstliche Platzverhältnisse auf bequemen Lederfauteuils und kann eine futuristische Infotainmentwelt nutzen, die das Auto zum rollenden Hotspot mit WLAN-Zugang und live ins Navisystem eingespielten Google-Fotos macht.

Kampfansage an die Konkurrenz

So attraktiv der A8 gezeichnet wurde, so ambitioniert die Technik ist und so sparsam die Motoren sein sollen - es gibt auch Leerstellen. Einen Hybridantrieb, bei Mercedes verfügbar, bei BMW ab Frühjahr 2010 im Programm, kann Audi frühestens 2011 anbieten. Und auch die Sache mit dem Leichtbau klingt nach Augenwischerei. Zwar wagt keiner auszurechnen, wie schwer der riesige A8 ohne Alukarosserie wäre, und es stimmt, dass das neue Modell kaum schwerer wurde im Vergleich zum Vorgänger und etwa hundert Kilo leichter ist als die Konkurrenten. Doch gut 1,8 Tonnen sind nach wie vor überaus üppig.

Vom pfundigen Selbstbewusstsein der Bayern zeugt auch die Preisliste. Gegenüber dem alten Modell wird der Neue deutlich teurer und beginnt zunächst bei 89.300 Euro für den V8-Benziner. Erst mit dem V6-Diesel sinkt der Preis auf 72.200 Euro, und mit Spardiesel und Frontantrieb könnte der A8 später im Jahr 2010 dann für knapp unter 70.000 zu haben sein. Immer an Bord sind beispielsweise Luftfederung, Xenonlicht und ein schlüsselloses Startsystem.

Nicht nur das Auto, sondern auch die Art der Präsentation ist eine Kampfansage an die Konkurrenz. Während Mercedes und BMW den Gürtel enger schnallen und auf Showpremieren mit Musikern wie Jennifer Rush oder Lionel Richie verzichten, kann es bei Audi gar nicht großspurig genug sein. In Stuttgart und München reagiert man darauf mit Resignation. "So billig", unkt einer von der Konkurrenz, "war der Sieg noch nie zu bekommen." Allerdings bereitet man sich bei Mercedes schon auf einen Inszenierungs-Gegenschlag vor: Das neue E-Klasse-Cabrio nämlich wird demnächst im sonnig-heißen Abu Dhabi enthüllt.

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